Aktualisiert 31.05.2020 18:13

Gastronomen in der Corona-Krise«So lange es für uns reicht, soll es auch für andere reichen»

Sylvia Vonlanthen hat Anfang 2020 ein Gastro-Atelier eröffnet. Dann kam der Lockdown. Nun liefert sie Risotto aus, an Bedürftige sogar gratis. Parallel dazu gibts einen Lieferservice von Sternekoch Erik Schröter. Die Nachfrage geht durch die Decke.

von
Steve Last

Der Lockdown hat Gastronomen schwer getroffen. Doch Sylvia Vonlanthen und Erik Schröter schlagen sich nicht nur durch, sie tun dabei auch etwas Gutes.

Steve Last

Darum gehts

  • Wie viele Gastronomen wurde Sylvia Vonlanthen vom Corona-Lockdown hart getroffen.
  • In der Krise hat sie aber eine Möglichkeit gefunden, etwas Gutes zu tun.
  • Sie liefert Risotto in Basel aus, Bedürftige bekommen Mahlzeiten gratis.
  • Wer sich etwas gönnen will, kann auch ein Gericht von Sternekoch Erik Schröter bestellen.

«Es war die volle Härte», sagt Sylvia Vonlanthen darüber, wie der Corona-Lockdown sie als Gastronomin getroffen hat. Die Barista mit einer Leidenschaft für Kaffee catert normalerweise für Events. Doch die wurden alle abgeblasen und sie stand ohne Einnahmen da. «Es kam von heute auf morgen. Man konnte sich nicht vorbereiten», so Vonlanthen.

Erst Anfang 2020 hatte sie mit ihrem Mann Yves das Atelier Vonlanthen aufgemacht, um ihren Catering-Dienst auszubauen. Im März machte der Bund alles zu. Die Events, die Vonlanthen bedient hätte, durften nicht stattfinden. Catering-Schulungen, die gegeben hätte, fielen aus. Ihr beliebtes Kaffeemobil musste in der Garage bleiben. Vonlanthen blieb auf den Fixkosten sitzen.

«Sich nicht darin verlieren»

Statt sich kreativen Gerichten widmen zu können, musste nun eine schnelle Lösung für den Betrieb in der Krise her. Diese fand Vonlanthen im Bekochen des Basler Quartiers St. Johann. «Ich wurde von Leuten angefragt, ob ich für sie kochen kann. Plötzlich fragten Leute von überall an», erinnert sie sich. Kurze Zeit später lieferte sie Risotto an die ganze Stadt. Das Besondere: Bedürftige können bei Vonlanthen die Mahlzeiten einmal in der Woche gratis beziehen. Wer helfen will, kann mehr bezahlen, als er bestellt hat.

«Wir mussten uns irgendwie fangen und uns nicht darin verlieren», sagt Vonlanthen über die Krise. Mit ihrem Lieferdienst habe sie eine Möglichkeit gefunden, in der schwierigen Zeit etwas Gutes zu tun. «Das Risotto soll eine einfache Mahlzeit sein für Menschen, die sich gerade gar nichts leisten können», erklärt sie. «So lange es für uns reicht, soll es auch für andere reichen.»

Sternekoch liefert edle Gerichte

Um zusätzliche Einnahmen für ihr Projekt zu generieren, hat Vonlanthen den Sternekoch Erik Schröter an Bord geholt. Er kreiert Sternegerichte für die etwas flüssigere Klientel. Das Abpacken seiner durchdachten Werke in Plastikschalen kostet ihn jedoch noch etwas Überwindung, wie er sagt. «Es soll zumindest geschmacklich top sein», scherzt Schröter.

«Essen macht extrem viel Freude. Essen ist Lebensqualität und es ist Medizin für die Seele», sagt Vonlanthen. Die Menschen sollten auch in der Krise ein wenig Luxus bei sich zuhause haben können.

Das Atelier Vonlanthen liefert jeweils am Freitag das Risotto für 15 Franken und jeweils am Samstag das Sternegericht für 49 Franken.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
17 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Werde nie dort Gast sein

01.06.2020, 18:02

Beste Gratiswerbung.

Eidgenossin

01.06.2020, 11:09

@Freude bereiten Stimmt, ich habe auch ein älteres Ehepaar bei uns am Mittags und Abendbrottisch, dies schon seit 2018, in der Coronazeit habe ich ihnen das Essen jeweils vorbeigebracht, auch noch jetzt, und wenn sich die Situation wieder bessert werden wir das Ehepaar wieder bei uns am Tisch begrüssen dürfen.Es ist wie Sie sagen, helfen macht Freude!

Empfehlenswert

01.06.2020, 09:22

Ich kann das Risotto mit so viel Liebe gekocht nur empfehlen. Während dieser Zeit des "Drinnenbleibens" ein richtiger Aufsteller. Dahinter steckt auch viel Arbeit. Auch der Sonntagszopf zum Gourmet-Menu ist frisch nach Hause geliefert ein voller Genuss. Danke, liebe Sylvia, lieber Yves und allen guten HelferInnen Eure Nachbarin Carmen