Aktualisiert 11.10.2017 10:48

Vergewaltiger, Mörder, PädophileSo lange sitzen Kriminelle wirklich im Gefängnis

Neue Zahlen des Bundes zeigen: Vergewaltiger, Verkehrssünder oder Dealer kommen oft weit unter der Maximalstrafe davon.

von
Nikolai Thelitz
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Neue Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen: Täter in der Schweiz haben meist weit weniger Tage hinter Gitter verbracht, als von Gesetzes wegen möglich wäre.

Neue Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen: Täter in der Schweiz haben meist weit weniger Tage hinter Gitter verbracht, als von Gesetzes wegen möglich wäre.

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Wer wegen sexueller Handlungen mit einem Kind verurteilt wurde, kommt im Median mit 462 Tagen Haft aus dem Gefängnis frei, also nach 1,3 Jahren. Hier beträgt das Strafmass bis zu 5 Jahre oder Geldstrafe.

Wer wegen sexueller Handlungen mit einem Kind verurteilt wurde, kommt im Median mit 462 Tagen Haft aus dem Gefängnis frei, also nach 1,3 Jahren. Hier beträgt das Strafmass bis zu 5 Jahre oder Geldstrafe.

Keystone/urs Flueeler
Insgesamt entliessen Schweizer Gefängnisse letztes Jahr 50 Vergewaltiger, 23 Mörder und 32 Personen, die sexuelle Handlungen an einem Kind vorgenommen hatten.

Insgesamt entliessen Schweizer Gefängnisse letztes Jahr 50 Vergewaltiger, 23 Mörder und 32 Personen, die sexuelle Handlungen an einem Kind vorgenommen hatten.

Keystone/Walter Bieri

Letztes Jahr entliessen Schweizer Gefängnisse 50 Vergewaltiger, 23 Mörder und 32 Personen, die sexuelle Handlungen an einem Kind vornahmen. Die neusten Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen: Die Täter haben meist weit weniger Tage hinter Gitter verbracht, als von Gesetzes wegen möglich wäre.

Die entlassenen Mörder verbüssten im Median (siehe Box) 4424 Tage oder 12,1 Jahre hinter Gittern, der Strafrahmen reicht von 10 bis 25 Jahren. Ein Vergewaltiger sass im Mittel 904 Tage ein, also rund zweieinhalb Jahre. Möglich wären 1 bis 10 Jahre. Wer wegen sexueller Handlungen mit einem Kind verurteilt wurde, kommt im Mittel nach 462 Tagen Haft aus dem Gefängnis, also nach 1,3 Jahren. Hier sieht das Strafgesetzbuch bis zu 5 Jahre Haft oder eine Geldstrafe vor. Fälle, in denen die Täter nur eine bedingte Strafe erhielten, sind nicht eingerechnet.

Bei Vergewaltigung und sexuellen Handlungen mit Kindern gab es dabei einige wenige Fälle, die besonders hart bestraft wurden. Der Durchschnittswert liegt bei 1209 beziehungsweise 1056 Tagen viel höher als der Median, was auf harte Strafen für einige Verurteilte schliessen lässt, die diesen Wert nach oben drücken.

Auch die Urteile reizen das Strafmass selten aus

Doch nicht nur die tatsächlich verbüssten Tage, auch die ausgesprochenen Urteile erreichen das Höchstmass nur selten. So war 2015 bei den Verurteilungen wegen Vergewaltigung eine unbedingte Strafe im Median 1644 Tage (4,5 Jahre) lang, 52 Prozent der Vergewaltiger erhielten eine solche Strafe. 19 Prozent verbüssen eine teilbedingte Strafe, diese soll im Mittel 974 Tage (2,7 Jahre) dauern. Eine bedingte Strafe wurde in 28 Prozent der Fälle ausgesprochen, sie ist laut Urteil im Mittel 548 Tage (1,5 Jahre) lang.

Für Mord und sexuelle Handlungen mit Kindern sind die entsprechenden Statistiken aus Datenschutzgründen nicht verfügbar, doch es gibt hier Zahlen zu Vemögens-, Verkehrs- und Drogendelikten. Bei Diebstahl wird in 34 Prozent der Fälle eine unbedingte Haftstrafe ausgesprochen, sie soll im Mittel 120 Tage dauern. In 43 Prozent der Fälle gibt es nur eine bedinge Geldstafe. Die Höchststrafe wäre hier fünf Jahre.

Bei groben Verstössen gegen die Verkehrsregeln, häufig überhöhte Geschwindigkeit, gab es in 21'340 Fälle (89%) nur eine bedingte Geldstrafe, ins Gefängnis müssen nur 169 Verurteilte (1%), 46 davon teilbedingt. 7166 Personen wurden wegen Handel mit Betäubungsmittel verurteilt, davon mussten 28% (2037 Personen) hinter Gitter, 43 Prozent (3111 Personen) erhielten eine bedingte Geldstrafe.

Was Politiker zur Strafen-Statistik sagen, lesen Sie hier.

Hinweis

Nach der Entlassung aus dem Gefängnis besteht in vielen Fällen noch eine bedingte Strafe. Ausgewiesen wird jeweils der schlimmste Straftatbestand pro Urteil. Es können weitere, weniger gravierende Taten im Urteil enthalten sein.

Median

Der Median bezeichnet den mittleren Fall, das heisst: Die Hälfte der freigelassenen Straftäter sass länger ein, die andere Hälfte kürzer. Dieses Mass ist robuster gegen extreme Ausreisser gegen unten und oben als der Durchschnitt.

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