Wie im Thriller - So las das FBI über 27 Millionen «verschlüsselte» Chat-Mitteilungen
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Wie im ThrillerSo las das FBI über 27 Millionen «verschlüsselte» Chat-Mitteilungen

FBI & Co. beschlagnahmten über 250 Waffen, 55 Luxus-Autos und 30 Tonnen Drogen von kriminellen Banden. Um diese zu infiltrieren, verkauften sie eine falsche Chat-App.

von
Marcel Urech
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Das FBI und die Polizei in Australien entwickelten gemensam die Chat-App «Anom», um Verbrecherbanden abzuhören.

Das FBI und die Polizei in Australien entwickelten gemensam die Chat-App «Anom», um Verbrecherbanden abzuhören.

AFP
Diese nutzten laut Europol über 300 kriminelle Organisationen auf mehr als 12’000 Geräten.

Diese nutzten laut Europol über 300 kriminelle Organisationen auf mehr als 12’000 Geräten.

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Internationale Ermittler beschlagnahmten Geld im Wert von über 43 Millionen Franken, rund 250 Waffen, 55 Luxus-Autos und über 30 Tonnen Drogen, wie Europol mitteilt.

Internationale Ermittler beschlagnahmten Geld im Wert von über 43 Millionen Franken, rund 250 Waffen, 55 Luxus-Autos und über 30 Tonnen Drogen, wie Europol mitteilt.

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Darum gehts

  • Internationale Ermittelnde haben mehr als 800 Verdächtige in 16 Ländern festgenommen.

  • Sie nutzten dafür eine Chat-App, die eine sichere Verschlüsselung vorgaukelte.

  • Das Know-how dafür hatte das FBI 2018 selbst auf dem Schwarzmarkt erlangt.

Internationale Ermittelnde haben in einem Schlag gegen die organisierte Kriminalität mehr als 800 Verdächtige in 16 Ländern festgenommen. Ihre Ausbeute ist beeindruckend: Sie beschlagnahmten Geld im Wert von über 43 Millionen Franken, rund 250 Waffen, 55 Luxus-Autos, 8 Tonnen Kokain, 22 Tonnen Cannabis, 2 Tonnen Amphetamin und Methamphetamin sowie sechs Tonnen Ausgangsstoffe für synthetische Drogen. Europol spricht von der «bislang grössten Polizei-Operation» weltweit. Nun fragen sich viele: Wie ist es dem FBI und den Geheimdiensten gelungen, ein kriminelles Netzwerk zu infiltrieren und seine Kommunikation abzuhören?

Manipulierte Handys verkauft

Laut «Ars Technica» war das «Federal Bureau of Investigation» (FBI) bei der Aktion federführend. Die US-Kriminalpolizei habe ein Unternehmen gegründet, das verschlüsselte Geräte an Kriminelle verkaufte. So sei es dem Geheimdienst gelungen, in 18 Monaten rund 27 Millionen Chat-Mitteilungen mitzulesen.

Das FBI habe auch mit der Polizei in Australien zusammengearbeitet, schreibt das Tech-Portal. Die beiden Partner hätten gemeinsam eine Verschlüsselungsfirma gegründet und eine Chat-App namens «Anom» entwickelt. Undercover-Beamte schleusten präparierte Telefone in mehr als 300 Banden ein, auch bei Mafia-Banden in Italien, Motor-Gangs und internationalen Drogen-Syndikaten. Die Telefone nutzten laut Europol über 300 kriminelle Organisationen auf mehr als 12’000 Geräten.

App getarnt als Taschenrechner

Im Oktober 2018 begannen die Geheimdienste, die manipulierten Geräte auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Auf ihnen war nur eine App drauf: Ein Taschenrechner. Dieser war in Wirklichkeit aber eine Chat-App, die mit einem Zugangscode geschützt war und vermeintlich verschlüsselte Nachrichten verschickte.

Das FBI leitete diese Nachrichten aber auf eigene Server um und konnte sie mit einem «Master Key» entschlüsseln und mitlesen. «Die Anwender vertrauten der Sicherheit der Geräte so sehr, dass sie ihre Pläne oft nicht in Code, sondern in Klartext formulierten», schreibt die «New York Times».

FBI hat Technologie vom Schwarzmarkt

Gemäss «Vice» und einem Gerichtsdokument beruhten die Geräte auf einer Technologie, die Vincent Ramos entwickelte. Der CEO von «Phantom Secure» tappte 2018 in eine Falle und wurde verhaftet. Laut dem FBI waren 20'000 Phantom-Telefone im Einsatz, vorwiegend in Mexiko, Kuba, Venezuela und Australien. Die US-Polizei habe einem involvierten Informanten fast 180’000 Dollar für seine Dienste bezahlt, schreibt Vice.

2018 gingen die Polizeibehörden schon ähnlich vor. Unter anderem gaben sich kanadische Polizeibeamte als Kriminelle aus und nutzten modifizierte Smartphones. Verschiedene Ermittler gaben damals an, dass Ramos offen darüber gesprochen habe, dass die Phantom-Geräte speziell für Drogenschmuggel optimiert seien.

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