Thabo Sefolosha: So lebt ein NBA-Star
Aktualisiert

Thabo SefoloshaSo lebt ein NBA-Star

Thabo Sefolosha ist der einzige Schweizer in der NBA. Der Basketballer über sein Leben, Autos und Spezialbehandlungen für einen Star in den USA.

von
Reto Fehr

Thabo Sefolosha lebt seinen Traum. Der heute 27-jährige Romand spielt seit sechs Jahren in der NBA, der besten Basketball-Liga der Welt. Nach den Chicago Bulls hat er sich bei Oklahoma City Thunder zum Stammspieler und zur wichtigen defensiven Stütze gemausert. 20 Minuten Online traf den Vater zweier Töchter (2 und 3 Jahre alt) in Zürichs Altstadt zum Gespräch. Der 2,02 Hüne wirkt bodenständig, entspannt und von Starallüren ist nichts zu sehen. Im Gegenteil, das Gespräch verläuft ungezwungen und fröhlich. Genauso, wie Sefolosha danach auch mit den Kindern der Kantonsschule Rämibühl umgehen wird (siehe Box).

20 Minuten Online: Thabo Sefolosha, wie war Ihr Tag bisher?

Thabo Sefolosha: Gut. Ich führe viele Interviews, aber es ist entspannt hier.

Wir sitzen hier mitten in Zürich. Wie oft werden Sie erkannt?

Nicht so oft. Hie und da wollen Leute ein Foto oder ein Autogramm. Aber es ist ruhig. Das gefällt mir. In der Westschweiz kennt man mich besser.

Aber merken Sie, dass viele Leute sie anstarren und denken, den kenne ich von irgendwoher?

Ja, so läuft es meist. Die Leute sehen mich nicht gleich als Thabo Sefolosha. Es läuft eher so, dass sie sehen, der ist gross, der muss ein Basketballer sein. Und dann fällt der Groschen. (lacht)

Sie sprechen Ihre Grösse von 2,02 Meter an. Was haben Sie eigentlich für eine Schuhgrösse?

48.

Thabo vs 20 minutes

Liegen Sie damit im NBA-Schnitt?

Betreffend der Schuhgrösse weiss ich das nicht. Das müsste ich mal überprüfen. Aber mit meinen zwei Metern Körpergrösse bin ich im Schnitt. (lacht)

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Erzählen Sie uns vom Leben als NBA-Spieler. Wie ist das in Oklahoma, sind die Leute Basketball-verrückt?

Dort werde ich natürlich mehr erkannt. Die Stadt liebt Basketball. Aber die Leute sind nicht aufdringlich. Sie wollen Fotos, Autogramme oder kurz mit mir sprechen und wünschen mir viel Glück. Aber ich kann mich frei bewegen.

Sind Sie oft mit Teamkollegen unterwegs?

Ja, wir haben einen guten Teamgeist. Wir gehen in Restaurants, Tanzen oder ins Kino. Wir unternehmen verschiedene Dinge.

Tanzen? Da dürften weibliche Fans Freude haben.

Ja, es gibt viele weibliche Fans, die uns erkennen. Die lieben Basketballer und dass wir viel Geld haben, zieht die Leute zusätzlich an. Wir sind aber nicht nur für Frauen interessant. Es gibt viele Leute, die etwas Gutes von dir wollen, aber leider auch viele mit schlechten Absichten. Das musst du dir stets bewusst sein.

Ist Kevin Durant, der Superstar in Ihrem Team, jeweils auch mit dabei.

Ja, wir sind oft eine grosse Gruppe. Ich würde Kevin als Freund bezeichnen. Wir gehen auch mal zu einem Teamkollegen und schauen ein Spiel oder ich lade sie zu mir zum Barbeque ein.

Zu sich? Ich nehme an, Sie besitzen ein grosses Haus.

Nein, ich habe kein Haus gekauft. Ich habe eine nette Unterkunft gemietet. Mit dem Trading in den USA (Spielerwechsel), bist du schnell an einem anderen Ort. Ich will mich deshalb nicht zu sehr an eine Stadt binden.

Aber ein schönes Auto steht in Ihrer Garage, oder?

Ich fahre einen Volkswagen. Einen Tuareg. Den habe ich mir nach meinem Draft 2006 gekauft. Und er fährt noch immer. (lacht)

Haben Sie noch einen Zweitwagen?

Ja, einen VW Phaeton. Aber ich mache mir nicht so viel aus Autos.

Kommunikationschef Yannick Boillod geht dazwischen: «Nein er hat keinen Lamborghini.» Alle lachen.

Ist es also nicht so, dass Ihr im Team immer die Autos oder andere Gegenstände vergleicht?

Wir sind alle jung, aber wir machen das nicht anders als andere junge Männer. Hat einer eine schöne Uhr, fragen wir woher er die hat. Das gleiche gilt bei der Kleidung. Aber nein, das ist nicht anders als bei anderen jungen Leuten.

Was hat man eigentlich für «kleine Vorteile» als NBA-Spieler. Können Sie in Oklahoma in irgendeinem Restaurant immer einen freien Tisch erwarten?

Ja, in Oklahoma schon. Manchmal sagt auch der Wirt, dass der Wein aufs Haus geht. Oder die Leute vom Nachbartisch erkennen mich und laden mich ein.

Was war ein spezielles Erlebnis, das Sie in diesem Zusammenhang erlebten?

Einmal war ich im Apple-Store. Da hat mir der Verkäufer seine Handynummer gegeben und gesagt, falls ich ein Problem habe, soll ich ihn anrufen. Tatsächlich rief ich dann mal weit nach Ladenschluss an und er kam zu mir, um das Problem zu lösen. Ich glaube nicht, dass er das für mich getan hätte, wenn ich kein Basketballer wäre. (lacht).

Trotz all diesen Vorzügen wirken Sie hier sehr bescheiden und auf dem Boden geblieben. Wie schwierig ist der Spagat, um solche kleinen Geschenke anzunehmen, aber nicht arrogant zu wirken?

Das ist nicht immer leicht und manchmal gefährlich. Es gibt viele Leute, die machen das aus Freude, andere haben eine böse Absicht. Wenn mich ein Fan einladen will, kann ich das schlecht ausschlagen. Aber ich nutze das nicht aus. Es ist ja immer auch ein Geben und Nehmen. Hilft mir jemand, versuche ich mich zu revanchieren, beispielsweise mit Tickets fürs Spiel oder so.

Später beim Kindertraining an der Kantonsschule Rämibühl wird mir Boillod von der Fahrt von der Westschweiz nach Zürich erzählen. Er habe Sefolosha gefragt, ob sie 1. oder 2. Klasse fahren sollen. Er wollte eigentlich in der 2. Klasse reisen. Aber da das TV-Team, welches sie begleitete mehr Platz benötigte, mussten sie dann doch in der 1. Klasse fahren.

Die Vorteile als Sportstar in den USA sind unbestritten. Aber was ist der Preis dafür?

Es gibt immer beide Seiten. Ich bin oft weg von meiner Familie und reise extrem viel. Aber ich habe diesen Weg gewählt. Ich will mich nicht beklagen. Die Leute sehen halt oft nur den «Glamour», doch da steckt viel Arbeit dahinter. Du wirst so auch oft missverstanden.

Sie sprechen von viel Arbeit. Wie war das für Sie als junger Schweizer, der in die NBA wollte?

Es war hart, vor allem phyisisch. Ich stand täglich drei bis vier Stunden auf dem Platz und musste mich als Teenager mit viel älteren Gegnern messen. Aber wenn dir das Spass macht, wachst du am Morgen gerne auf. Ich liebe Basketball.

Wie fing das eigentlich alles an mit Basketball. Ihr Vater ist Musiker, ihre Mutter Künstlerin. Warum haben Sie sich für Basketball entschieden?

Frag mich nicht. (lacht). Mein Bruder und ich spielten früher Fussball. Aber dann haben wir Basketball versucht und es war Liebe beim ersten Ballkontakt. Ich dachte: Das ist grossartig und stylisch. Das ist etwas für mich.

Was empfehlen Sie einem jungen Basketballer, der Ihren Weg auch gehen möchte?

Arbeite hart und glaube an dein Ziel. Immer wenn du rumsitzt, gibt es einen anderen, der ebenfalls deinen Traum hat und daran arbeitet.

Diese Einstellung vertritt Sefolosha auch gegenüber den Kindern beim Basketball-Training. Er fordert sie dazu auf, hart an sich zu arbeiten. Egal ob im Sport, in der Schule oder im Umgang mit den Eltern.

Was bedeutet Ihnen die Schweiz eigentlich?

Das ist meine Heimat. Ich komme immer wieder gerne zurück. Hier kann ich Kraft sammeln.

Seit wann sind Sie zurück in der Schweiz?

Seit Mitte Juni, eigentlich gleich nach der NBA-Saison (Sefolosha erreichte mit Oklahoma die Playoff-Halbfinals, die Red.)

Und was macht ein NBA-Spieler ausserhalb der Saison hier?

Meine ganze Familie ist hier. Wir wohnen bei meinen Eltern. Die ersten zwei Wochen hatte ich frei, seither bin ich wieder am trainieren oder mit der Nationalmannschaft unterwegs. Wir waren auch kurz in Frankreich bei der Familie meiner Frau. Aber wir reisen nicht viel herum, das mache ich während der Saison genügend. (lacht).

Wie sieht es mit Training aus?

Ich habe ein Trainingsprogramm erhalten. Nach der Saison gabs ein «Exit Meeting», bei welchem alles besprochen wurde. Ich trainiere hier praktisch täglich mit einem Personaltrainer, den ich von früher kenne.

Wo liegt der Fokus?

Beim Werfen. Jeder Spieler erhielt vom Coach ein spezielles Training. Mir sagte er, ich müsse vor allem an meiner Wurftechnik arbeiten.

Sie verbrachten wie erwähnt auch Zeit mit der Nationalmannschaft. Das lief ziemlich gut. Trotzdem fehlt viel, um beispielsweise eine EM-Qualifikation zu erreichen.

Ja, das ist richtig. Es ist ein weiter Weg. Aber die Türe steht offen und wir arbeiten hart. Wir glauben alle daran, dass wir es irgendwann schaffen können.

Was halten Sie vom Basketball in der Schweiz, wenn Sie das Niveau und die Medienabdeckung mit Frankreich oder Italien vergleichen, wo Sie auch gespielt haben?

Das Niveau hier ist tiefer. Es fehlt an Medienabdeckung. Das Talent wäre da, Geld wäre auch da, aber man muss das alles richtig zusammenbringen. Dann kommen die Sponsoren, bessere Spieler in die Schweiz und wir können die Jugend fördern.

Ein Vergleich mit Basketball in der NBA ist kaum möglich. Wie geht es da ab?

Jedes Spiel ist eine grosse Show. In der Halbzeit, während den Time-outs. Es läuft immer etwas. Das sind riesige Events. Es muss aber auch so sein, weil die Konkurrenz mit Baseball, American Football oder Eishockey ist gross. Wir müssen etwas bieten, damit die Leute sagen 'komm, wir gehen Basketball schauen.'

Sie spielen mit Kevin Durant zusammen. Wie ist das für Sie?

Es ist fantastisch. Manchmal schauen wir Teamkollegen ihm zu und denken: wow. Für mich ist er aktuell der beste Spieler der Welt.

Wie gross ist die Chance, dass wir Kevin Durant und Sie in der nächsten Saison im Einsatz sehen?

Sie sprechen den Lockout an. Es ist traurig, dass es soweit gekommen ist. Irgendwo verstehe ich das auch. Die NBA ist ein grosses Business. Aber ich bin zuversichtlich, dass die Saison startet, vielleicht mit etwas Verspätung.

Und wenn nicht?

Dann bleibe ich wohl hier in Europa und suche mir einen Verein, um spielen zu können.

Aber ganz klar, die NBA ist das Mass aller Dinge. Sie sagten einmal «Wenn du der Beste bist, kann immer einer kommen, der noch besser ist. Aber wenn du der Erste bist, kann dir das keiner nehmen.» Sind Sie lieber Erster oder der Beste?

Es kommt drauf an wo. Ich bin glücklich und stolz, der erste Schweizer in der NBA zu sein. Aber ich hoffe, dass irgendwann ein anderer Schweizer kommt und die Leute sagen: «Wow. Dieser Typ ist viel besser, als Sefolosha das war.» (lacht).

Thabo Sefolosha in Zürich

Thabo Sefolosha trainierte in Zürich mit den Kindern der Cats Basketball School Zürich. Rund 300 im Alter von 6 bis 16 Jahren kamen, um mit dem NBA-Star Bälle zu werfen. In der Romandie organisiert Sefolosha seit vier Jahren ein Basketball-Camp für 300 Kinder, welches eine Woche lang dauert.

Botschafter für Südafrika

Seit diesem Jahr ist Sefolosha Botschafter von Imbewu. Diese Hilfsorganisation unterstützt Kinder in den Townships von Sefoloshas zweiter Heimat Südafrika.

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