Sercan T. : So lebte der Jihadist aus dem Thurgau
Aktualisiert

Sercan T. So lebte der Jihadist aus dem Thurgau

«Abu Aisha» wurde im Irak zum Tod verurteilt, weil er für den IS Bomben baute. Seine Familie fiel bereits früh auf.

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jeb/eke/ehs/gux
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Der IS-Anhänger Sercan T. (24) aus der Schweiz ist in Bagdad zum Tod durch Erhängen verurteilt worden.

Der IS-Anhänger Sercan T. (24) aus der Schweiz ist in Bagdad zum Tod durch Erhängen verurteilt worden.

ZVG
Sercan T. verbrachte die Kindheit im Sarganserland, bevor seine Familie nach Arbon zügelte. Dort wohnte sie in fünf verschiedenen Wohnungen – unter anderem in diesem Gebäude.

Sercan T. verbrachte die Kindheit im Sarganserland, bevor seine Familie nach Arbon zügelte. Dort wohnte sie in fünf verschiedenen Wohnungen – unter anderem in diesem Gebäude.

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Im Jahr 2012 soll die Familie in einer «Nacht-und-Nebel-Aktion» die Wohnung geräumt haben, so eine Vertraute der Situation. Ansonsten lebte die Familie unauffällig, Sercan T. fiel nicht negativ auf.

Im Jahr 2012 soll die Familie in einer «Nacht-und-Nebel-Aktion» die Wohnung geräumt haben, so eine Vertraute der Situation. Ansonsten lebte die Familie unauffällig, Sercan T. fiel nicht negativ auf.

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Er ist der erste Jihadist aus der Schweiz, dem die Todesstrafe droht: Ein unter dem Kampfname «Abu Aisha» bekannter 24-Jähriger wurde im Irak im Januar wegen Terrorismus zum Tod durch den Strang verurteilt. Das berichteten der «Tages-Anzeiger» und die SRF-Sendung «10 vor 10» am Donnerstag.

Recherchen von 20 Minuten zeigen: Die Radikalisierung geschah beinahe unbemerkt. T. wurde als Sohn türkischer Eltern 1994 in der Schweiz geboren. Die Familie – T. hat drei ältere Geschwister – wohnte im Sarganserland in einem Mehrfamilienhaus. Weder bei der Schulverwaltung noch bei der Gemeindeverwaltung sind aus jener Zeit Klagen vermerkt, die Familie lebte ein unauffälliges Leben.

T. wohnte in «Problemhaus»

Als T. 12 Jahre alt war, zügelte die Familie nach Arbon. Dort begannen die Probleme. Nach zwei Jahren bezog die Familie innerhalb des Ortes eine neue Wohnung in einer Liegenschaft mit schlechtem Ruf. Von einem «Problemhaus» spricht eine Frau, die die Familie gekannt hat und mit der Liegenschaft vertraut ist.

Im Haus wurden zu jener Zeit viele Sozialhilfefälle von der Gemeinde untergebracht. Auch T.s Vater sei arbeitslos gewesen, sagen Bekannte. Die Familie habe zurückgezogen gelebt. Bei der Liegenschaft sei die Polizei «regelmässig» vorgefahren. Bei der Kantonspolizei Thurgau sind allerdings keine Einsätze mit Bezug zu Sercan T. aus jener Zeit verzeichnet.

«Freundlich und zurückhaltend»

In einer «Nacht-und-Nebel-Aktion» habe die Familie die Wohnung im Jahr 2008 geräumt und sei innerhalb von Arbon weitergezogen, so eine Vertraute. Den Hausschlüssel habe die Familie später in den Briefkasten gelegt. Einem Bekannten aus jener Zeit soll Jihadist T. noch immer Geld schulden. Anzeichen für eine islamistische Radikalisierung gab es damals aber offenbar nicht.

2011 zog die Familie erneut innerhalb von Arbon um. Ein Nachbar erinnert sich: «Die Familie lebte isoliert und zurückgezogen.» Zehn Monate später zügelte die Familie schon wieder.

Eine Nachbarin aus jener Zeit erinnert sich an Sercan T.: «Er war freundlich und eher zurückhaltend», sagt sie. Er sei aber selten vor Ort gewesen. Laut dem «Tages-Anzeiger» besuchte T. in dieser Zeit regelmässig eine mittlerweile geschlossene Moschee in Rorschach. Sein Freund Alperen A., ein bekannter Jihadist, solle ihn dorthin mitgenommen haben.

Schwester hat keinen Kontakt mehr

2014 sei T. über die Türkei nach Syrien gereist, wo er sich dem Islamischen Staat angeschlossen habe. Im Jahr 2017 sei er im Irak von einer Anti-Terror-Einheit verhaftet worden, so der «Tages-Anzeiger». Im Irak habe er in einer Bombenfabrik des IS gearbeitet. Im Januar dieses Jahres sei er dann zum Tod verurteilt worden. Das Urteil liegt 20 Minuten vor.

Zur Familie hat der Jihadist offenbar keinen Kontakt mehr: «Ich habe schon sehr lange nichts mehr von ihm gehört», sagt seine Schwester zu 20 Minuten. Seine Eltern sollen mittlerweile wieder in der Türkei leben, so Bekannte. Sercan T. wartet derweil in einer Zelle auf die Vollstreckung seines Urteils.

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