Nachbarschaft erzählt: So lebten die Bin Ladens

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Nachbarschaft erzähltSo lebten die Bin Ladens

Sie wohnten unauffällig hinter hohen Mauern: Die Männer, Frauen und Kinder in der Bin-Laden-Residenz in Abbottabad. Mit ihrer abgeschirmten Lebensweise schürten sie Gerüchte unter den Nachbarn.

von
sma

Niemand konnte ihnen etwas vorwerfen. Die Familie, die unter dem Namen Khan hinter hohen Mauern residierte, galt als guter Nachbar - immer nett und ein bisschen wohlhabender als der Rest in der Nobel-Stadt Abbottabad, berichtet der «Telegraph». Bin Laden empfand die Stadt offenbar als sicher genug, um dort sechs Jahre zu verbringen.

Die Strassen in Abbottobad sind gesäumt mit Gebäuden aus der britischen Kolonial-Zeit. Die Stadt ist auch bekannt für ihre guten Schulen. Doch die Kinder aus der Bin-Laden-Residenz wurden offenbar zu Hause unterrichtet, da keines von ihnen je ausserhalb der Mauern zu sehen war.

«Leben vom Goldhandel»

Der Bau des dreistöckigen Gebäudes begann vor sieben Jahren. Die Anwohner waren anfangs sehr neugierig und wollten wissen, wer in dem «Fort» wohnte. Mit der Zeit glaubte man, dass die Familie tief religiös und konservativ sei und einfach ihre Ruhe wollte.

Wie die «Huffington Post» berichtet, kursierten Gerüchte, dass die Bewohner Schmuggler oder Drogendealer seien. Die Leute aus der ärmeren Nachbarschaft reklamierten, dass offenbar so gut betuchte Leute die Armen nie einluden oder Güter unter ihnen verteilten. Die Familie streute dann das Gerücht, dass sie ihr Geld mit Goldhandel verdiene.

Im Notfall völlig unabhängig

Das umzäunte Gelände war so weitläufig, dass ein grosser Teil davon als Anbaufläche für Gemüse und Früchte diente. Ausserdem besass die Familie eine Reihe von Tieren - offenbar in der Absicht, im Notfall als Selbstversorger zu leben.

US-Offizielle verrieten laut «BBC» ausserdem, dass die Familie ohne Telefon oder Internetanschluss lebte, damit man ihnen nicht über die Überwachung von Telefonaten oder E-Mails auf die Schliche kommen konnte. Niemals sei jemand zu Besuch gekommen, weder aus der Nachbarschaft noch von ausserhalb, sagt ein Anwohner. Sogar ihren Abfall verbrannten die «Kahns» auf dem Gelände, um darin keine Spuren zu hinterlassen.

Die Bin Ladens gingen kaum aus dem Haus. Nur manchmal verliess ein schusssicherer Wagen das Gelände, aber die Sicherheitstore schlossen sich stets sofort wieder.

Niemandem wurde der Eintritt erlaubt

Als eines Tages eine Frau wegen einer Impfkampagne an der Pforte zu Osama Bin Ladens Anwesen stand, wurde zwar der Impfstoff für die 23 Kinder im Haus entgegengenommen. Die Frau aber wurde sofort wieder fortgeschickt.

Obwohl das Haus, das als Versteck diente, gross ist, ist kaum vorstellbar, dass drei Dutzend Menschen darin komfortabel zusammenleben konnten. Ein Bote brachte jeden morgen die Zeitungen. Der Zutritt wurde jedoch auch ihm verwehrt. Er musste die Zeitungen vor eines der Tore legen. Offenbar gab es zwei weitere Menschen, die sich für die Bewohner um die alltäglichen Dinge des Lebens kümmerten, Botengänge absolvierten und das Haus bei gesellschaftlichen Anlässen wie etwa Beerdigungen vertraten.

Über die Identität der beiden machen die Einwohner der Stadt unterschiedliche Angaben. Einige kannten sie unter den Namen Tarik und Arshad Khan, zwei Cousins aus dem Nordwesten des Landes. Andere Nachbarn kannten sie unter anderen Namen und hielten sie für Brüder. Arshad war der ältere. Beide sprachen mehrere Sprachen, darunter die in diesem Teil Pakistans gebräuchlichen Sprachen Paschtu und Urdu. Bin Laden selbst wurde nie von jemandem gesehen.

Tochter sah wie Bin Laden erschossen wurde

Die 12 oder 13 Jahre alte Safia war gemäss Informationen des pakistanischen Geheimdienstes dabei, als die US-Spezialeinheit Bin Laden liquidierte. Laut dem TV-Sender «Al Arabiya» und der britischen Zeitung «The Telegraph» soll sie ausgesagt haben, ihr Vater sei lebendig gefasst und kurz danach erst erschossen worden sein. Einsatzkräfte des pakistanischen Geheimdienstes hätten auf dem Gelände vier Leichen angetroffen und zwei Frauen sowie sechs Kinder im Alter zwischen zwei und 12 Jahren verhaftet. Sie seien ins Militärspital in Rawalpindi gebracht worden. Die US-Streitkräfte hätten im Helikopter nicht nur den toten Bin Laden, sondern auch seinen Sohn mitgenommen.

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