Aktualisiert 17.09.2019 08:16

Drohende MillionenverlusteSo leiden Superreiche unter den Negativzinsen

Wie viel Negativzinsen zahlen Roger Federer oder Michelle Hunziker? 20 Minuten hat mit zehn Schweizer Superreichen eine Milchbüechlirechnung gemacht.

von
Dominic Benz
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Vor allem die Konten von Reichen werden von Negativzinsen belastet. Folgende zehn Schweizer Superreiche haben zusammen ein Vermögen von rund 28,25 Milliarden Franken und dürften je nach Cash-Bestand besonders viel an die Banken zahlen müssen:

Vor allem die Konten von Reichen werden von Negativzinsen belastet. Folgende zehn Schweizer Superreiche haben zusammen ein Vermögen von rund 28,25 Milliarden Franken und dürften je nach Cash-Bestand besonders viel an die Banken zahlen müssen:

Keystone/Alessandro Della Bella
Tennisstar Roger Federer hat laut Bilanz ein Vermögen von bis zu 600 Millionen Franken.

Tennisstar Roger Federer hat laut Bilanz ein Vermögen von bis zu 600 Millionen Franken.

epa/Justin Lane
Dieter Meiers Vermögen wird auf bis zu 200 Millionen Franken geschätzt. Zu verdanken hat er dies vor allem geerbten Wertpapieren. Meier investiert das Geld fleissig in verschiedene Projekte wie seine Musik, aber auch Nussplantagen und seit neustem sein Schokoladenlabel Oro de Cacao.

Dieter Meiers Vermögen wird auf bis zu 200 Millionen Franken geschätzt. Zu verdanken hat er dies vor allem geerbten Wertpapieren. Meier investiert das Geld fleissig in verschiedene Projekte wie seine Musik, aber auch Nussplantagen und seit neustem sein Schokoladenlabel Oro de Cacao.

Keystone/Gian Ehrenzeller

Die Zinsen sind auf Rekordtief. Sparer erhalten für ihr Bargeld auf dem Konto daher fast nichts mehr. Im Gegenteil: Viele müssen sogar draufzahlen. Schuld sind unter anderem die Negativzinsen: Weil die Banken seit ihrer Einführung für ihre Einlagen bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bezahlen müssen, wälzen die Geldhäuser diese Strafzinsen vermehrt auf ihre Kunden ab.

Davon betroffen sind aber weniger die Kleinsparer als die Reichen mit grossen Cash-Beträgen auf dem Konto. So erhebt die Bündner Kantonalbank einen Minuszins von 0,75 Prozent ab 250'000 Franken auf einem neu eröffneten Konto. Damit gehen vom Ersparten pro Jahr 1875 Franken flöten. Die Grossbank UBS verrechnet erst ab einem Sparvermögen von 2 Millionen Franken einen Minuszins, Konkurrentin Credit Suisse ab 1 Million Franken (siehe Bildstrecke).

Milchbüechlirechnung

Wie viel Geld geht also den Superreichen in der Schweiz durch die Negativzinsen verloren? 20 Minuten hat eine Milchbüechlirechnung gemacht und dafür das Vermögen von zehn der reichsten Schweizer (siehe Bildstrecke) als Basis genommen.

In der Regel legen die Superreichen ihr Geld in Immobilien, Aktien, Anleihen oder Rohstoffe wie Gold an. Schliesslich wollen die Vermögenden, dass sich ihr Geld weiter vermehrt. Laut Daniel Kalt sollte aber immer auch noch genügend Cash vorhanden sein. «Für ein langfristig gedachtes Anlageportfolio empfehlen wir grundsätzlich eine Liquiditätsquote von 5 Prozent», sagt der UBS-Chefökonom zu 20 Minuten.

Vermögen von über 28 Milliarden Franken

Zwar dürften die Reichen ihr Geld meist bei privaten Vermögensverwaltern untergebracht haben, die teils andere Empfehlungen für den Cash-Bestand empfehlen. Nehmen wir aber dennoch an, dass die zehn Superreichen der Schweiz 5 Prozent ihres Vermögens in bar halten und wie bei der UBS einen Negativzins von 0,75 Prozent zahlen müssen.

Für die Modellrechnung von 20 Minuten wurden die Vermögen von Roger Federer, Dieter Meier, Urs Hölzle, Peter Spuhler, Michelle Hunziker, Philipp Plein, Jürg Marquard, Familie Blocher, Marina Ruiz-Picasso und Klaus-Michael Kühne zusammengezählt. Zusammen besitzen sie laut «Bilanz» rund 28,250 Milliarden Franken.

Bei einer Liquiditätsquote von 5 Prozent würden damit insgesamt 1,4125 Milliarden Franken in Cash auf den Bankkontos liegen. Werdeb auf diesen Bar-Bestand 0,75 Prozent Negativzinsen verrechnet, müssten diese zehn Superreichen zusammen also knapp 11 Millionen Franken im Jahr der Bank zahlen – oder rund 29'000 Franken im Tag.

Genügend Cash halten

Fakt ist: Die Cash-Reserven sollten so gross sein, dass man nicht in ungünstigen Zeitpunkt auf die Geldanlagen zurückgreifen und etwa Aktien verkaufen muss, wenn die Kurse gerade im Keller sind. «Um eine angemessene Höhe der Barbestände zu ermitteln, sollte man neben den jährlichen Ausgaben zum Leben auch vorhersehbare Ereignisse wie beispielsweise eine Hochzeit, Familiengründung sowie der Kauf eines Hauses oder Autos berücksichtigen», so Ökonom Kalt.

Die Höhe der liquiden Mittel ist also eine individuelle Sache. Man darf aber davon ausgehen, dass Superreiche viel Cash brauchen, um ihre Besitztümer wie Villen, Ländereien oder Autos überhaupt unterhalten zu können. Nicht zu vergessen sind die Ausgaben für Essen, Familie oder Bedienstete. Je nachdem könnten die Barbestände der Reichen also auch viel mehr als 5 Prozent des Vermögens betragen. «Vor allem in unsicheren Zeiten halten die Leute wieder vermehrt Cash», so UBS-Ökonom Kalt.

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