Teure Krankenkassen: So leiden Wenigverdiener unter den Prämien

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Teure KrankenkassenSo leiden Wenigverdiener unter den Prämien

Krankenkassenprämien fressen das Einkommen von Versicherten weg, die wenig verdienen. Betroffene berichten.

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dob/vay
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Eine neue Studie des Bundesamts für Gesundheit belegt, dass Krankenkassenprämien einen immer höheren Anteil des Einkommens von Versicherten mit tiefem Einkommen aufgefressen haben, trotz Prämienverbilligungen.

Eine neue Studie des Bundesamts für Gesundheit belegt, dass Krankenkassenprämien einen immer höheren Anteil des Einkommens von Versicherten mit tiefem Einkommen aufgefressen haben, trotz Prämienverbilligungen.

Keystone/Christian Beutler
Der Schnitt aller Kantone lag im Jahr 2017 bei 14 Prozent des Einkommens. Im Jahr 2014 lag der Anteil noch bei 11 Prozent.

Der Schnitt aller Kantone lag im Jahr 2017 bei 14 Prozent des Einkommens. Im Jahr 2014 lag der Anteil noch bei 11 Prozent.

Keystone/Christian Beutler
2019 wächst die mittlere Prämie um 1,2 Prozent. Seit 2008 ist es der tiefste Wert.

2019 wächst die mittlere Prämie um 1,2 Prozent. Seit 2008 ist es der tiefste Wert.

BAG

Krankenkassenprämien steigen im nächstes Jahr vergleichsweise wenig an. Doch die Freude darüber hält sich in Grenzen, denn wie eine Auswertung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) zeigt, haben die Prämien in den letzten Jahren einen immer höheren Anteil des Einkommens von Wenigverdienern aufgefressen – auch wenn diese Prämienverbilligungen bezogen. Wie hoch die finanzielle Belastung für Wenigverdiener ist, erzählen Leser von 20 Minuten:

«Das Leben kostet schon genug»

Name: Dominique (29):

Einkommen: 2800 Franken

Prämie: 400 Franken

Verbilligung: 67 Franken

«Mir bleibt mit der hohen Prämie Ende Monat nicht viel vom Lohn übrig. Darum arbeite ich auch noch an Wochenenden. Resultat: ständige Müdigkeit und Stress. Eigentlich kostet das Leben in der Schweiz doch schon genug.»

«Ich gehe selten zum Arzt, um Kosten zu verhindern»

Name: Beatrice (45)

Einkommen: 4800 Franken

Prämie: 680 Franken

Prämienverbilligung 0 Franken

Ich bin alleinerziehend und habe zwei Kinder. Für alle zusammen bezahle ich 680 Franken Prämie monatlich. Ich selber bin allgemein und nicht wahnsinnig toll versichert. Gerade die 2500 Franken Selbstbehalt machen mir Sorgen. So gehe ich selten bis gar nicht zum Arzt, um Kosten zu verhindern. Ich kann mir den Selbstbehalt schlicht nicht leisten. Letztlich bleiben mir für Essen, Kleider und Auto noch gut 1400 Franken im Monat übrig.

«Versicherung bringt nichts»

Name: Mark (27)

Einkommen: 4500 Franken

Prämie: 800 Franken

Verbilligung: 0 Franken

«Wir bezahlen für meine Frau, meine vierjährige Tochter und für mich ein Vermögen an Prämien. Mir hat die Versicherung noch nie etwas gebracht. Ich habe eine Franchise von 2500 Franken im Jahr und musste bisher immer alles selber zahlen.»

«Wir sparen Wasser»

Name: Werner (68)

Einkommen: 3200 Franken

Prämie: 800 Franken

Verbilligung: 0 Franken

«Meine Frau und ich sind pensioniert und teilen uns das Einkommen. Es ist verrückt, dass wir 25 Prozent davon der Krankenkasse abgeben müssen. Wir versuchen, Strom und Wasser zu sparen. Eine Verbilligung bekommen wir nicht, weil wir ein Haus besitzen.»

Das wollen Politiker gegen steigende Prämien tun

Gesundheitsminister Alain Berset werten den Anstieg der mittleren Prämie um durchschnittlich 1,2 Prozent als Zeichen für die gute Arbeit des Bundesrates und des Parlaments in den letzten Jahren. Weil die Kosten aber weiter steigen werden, sind laut Berset zusätzliche Anstrengungen notwendig. Berset versprach: «Wir werden in den nächsten Monaten weitere Massnahmen präsentieren, um die Kostendämpfung im Griff zu haben.» Die SP entscheidet Anfang Dezember, ob sie eine Volksinitiative lanciert, mit der nur noch 10 Prozent des Einkommens in Krankenkassenprämien fliessen dürften. Die CVP lancierte in diesem Herbst eine Initiative, die eine Kostenbremse im Gesundheitswesen verlangt, falls die Prämien stärker als die Löhne steigen.

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