«Geschossen, um zu töten»: So lief der Amoklauf von Menznau ab
Aktualisiert

«Geschossen, um zu töten»So lief der Amoklauf von Menznau ab

Drei Wochen nach dem Amoklauf in der Firma Kronoswiss in Menznau kommt langsam Licht ins Dunkel, wie sich die Tat genau ereignet hat. Über das Motiv rätseln die Ermittler weiterhin.

von
jam/ann

Drei Wochen nach dem Amoklauf in der Firma Kronoswiss hat die Luzerner Polizei erstmals detailliert Auskunft zum Ablauf der Tat von Menznau gegeben, bei der insgesamt vier Menschen ums Leben kamen und sechs weitere Personen verletzt wurden. Zwei von ihnen befinden sich noch immer in kritischem Zustand. Die Polizei geht davon aus, dass am Tod des Amokschützen, Viktor B., keine Drittperson beteiligt war. Das Motiv der Tat bleibt allerdings weiterhin im Dunkeln.

Der Tatablauf in der Kantine kann mittlerweile relativ genau wiedergegeben werden. Dieser stützt sich hauptsächlich auf Auswertungen der Aussagen von Augenzeugen und der Auswertung der Spuren. Den rekonstruierten Ablauf hat Daniel Bussmann, Chef der Luzerner Kriminalpolizei, am Donnerstag vor versammelter Medienschar geschildert.

Demnach fuhr der mutmassliche Täter Viktor B., ein vorbestrafter Mitarbeiter der Kronoswiss, an seinem freien Tag um 8.41 Uhr auf das Areal des Holzverarbeiters, wo er wie immer seinen Wagen parkierte – für einmal allerdings auf dem Besucherparkplatz. Bevor er das Gebäude betrat, lädt Viktor B um 9.06 Uhr noch ein Bild einer Autowerbung auf sein Facebook-Profil.

Gedenkfeier für die Opfer von Menznau

Todesopfer befanden sich alle vor der Kantine

Dann begann das Grauen: Viktor B. betrat mit zwei Waffen den Kantinenbereich. Mit der illegalen Tatwaffe, einer Pistole, feuerte der 42-Jährige zunächst noch ausserhalb der Kantine auf einen Mann, den er schwer verletzte. Er befindet sich immer noch in Spitalpflege und ist in kritischem Zustand. Dann schoss er auf den Schwinger Benno Studer und traf ihn in den Hinterkopf. Der 26-Jährige starb noch an Ort und Stelle.

Die nächste Schussabgabe der insgesamt 18 Schüsse, die mit der Pistole der Marke Sphinx abgefeuert wurden, traf T.M. Er erlag am darauffolgenden Tag seinen Verletzungen. Auch das dritte Todesopfer, die 43-jährige C.N., wurde von Viktor B. noch vor der eigentlichen Kantine getroffen. Die Kantinenangestellte wollte vermutlich fliehen, wird vom Täter aber tödlich getroffen und stirbt noch vor Ort. Seine Opfer habe der Täter willkürlich ausgewählt, wie Bussmann mitteilt. Er habe allerdings eindeutig «geschossen, um zu töten».

Ein Mitarbeiter warf einen Stuhl gegen Viktor B.

Anschliessend stürmte Viktor B. in die Nichtraucherkantine, wo sich 17 Personen befanden. Dort schoss er weiter um sich und traf weitere drei Personen in Kopf und Oberkörper. Einer von ihnen ist noch heute im Spital und befindet sich ebenfalls in kritischem Zustand; die anderen beiden konnten aus der Spitalpflege entlassen werden. Dann schoss der Täter auf weitere Anwesende, die hinter Tischen Deckung gesucht hatten.

In der hintersten Tischreihe packte ein Mitarbeiter in Todesangst einen Stuhl und warf ihn gegen den Täter. Gleichzeitig schoss der Täter und traf ihn im Unterkiefer. Darauf umfasste der Mitarbeiter den Täter mit beiden Armen. Im Gerangel lösten sich zwei Schüsse. Eine Kugel aus der eigenen Pistole traf dabei den Täter tödlich. Die beiden taumelten und fielen zu Boden. Der Mitarbeiter spürte dass Viktor B. schwer war und sich nicht mehr bewegte, erklärte Bussmann. Ein weiterer Mitarbeiter, der flüchten wollte, schlug dem Täter am Boden nochmals einen Stuhl auf den Rücken.

Viktor B. hielt die Pistole noch in der Hand

Dann kommen zwei andere Mitarbeiter und wollen den Verletzten befreien, der unter dem Täter begraben ist. Dabei sehen sie die Tatwaffe auf Bauchhöhe des Täters. «Eine Person sah sie sogar noch in der Hand des Täters», so Bussmann. Danach warfen sie die Waffe aus dem Fenster und banden dem regungslosen Viktor B. mit einem Kabelbinder die Hände auf den Rücken.

Die Polizei schliesst aus, dass der Täter von einem Dritten niedergeschossen wurde. Vielmehr geht sie davon aus, dass sich im Gerangel entweder ein Schuss versehentlich löste und Viktor B. am Kopf traf, oder dass er sich selber gerichtet hat.

Über das Motiv des Täters tappt die Polizei weiterhin im Dunkeln. Der Täter stand gemäss der toxikologischen Untersuchung weder unter Alkohol- noch unter Drogeneinfluss. Die Staatsanwaltschaft hat ein forensisch-psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben.

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