Aktualisiert 14.11.2011 11:59

Polizei räumt FavelaSo luxuriös lebten Rios Drogenbosse

Die Drogenmafia in Rio de Janeiros Armenviertel Rocinha war reich und mächtig. Nach der Grossrazzia vom vergangenen Wochenende wird deutlich, wie königlich die Bosse hausten.

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Brasiliens Polizei hat die grösste Favela des Landes, die Armensiedlung Rocinha in Rio de Janeiro, besetzt. Rund 3000 Polizisten und Marinesoldaten nahmen nach offiziellen Angaben am Sonntag in den frühen Morgenstunden an der Operation teil. Der Einsatz begann um 4 Uhr. «Um 6 Uhr war die Mission der Rückeroberung von Rocinha, Vidigal und Chácara do Céu erfüllt, ohne dass ein einziger Schuss abgefeuert wurde», sagte Pinheiro Neto, einer der Polizei-Einsatzleiter, bei einer Pressekonferenz. Am Abend bestätigte er die Festnahme von vier Verdächtigen.

Die Nachbarn von Rocinha hatten den ganzen Tag die Aktionen der Polizei verfolgt. Tauchten Kamerateams von lokalen Fernsehsendern auf, schrien sie aus den Fenstern: «Erzählt der Welt, dass wir hier nicht alle Drogenkriminelle sind. Die meisten von uns sind ehrliche Arbeiter, die nun befreit werden.»

Rocinha liegt im Süden Rios, eingeklemmt zwischen den Nobelvierteln Leblon und Ipanema. Der Slum gilt als einer der grössten und lukrativsten Drogenumschlagplätze der Stadt. Es wird spekuliert, dass die dort herrschende Drogenbande «Amigos dos Amigos» («Freunde der Freunde») mehr als 50 Millionen Dollar pro Jahr einnimmt.

Jacuzzis, Pool – und ein einziges Buch

Bei der Razzia entdeckte die Polizei in einer Nebenstrasse das Haus von Drogenboss Sandro Luiz de Paula Amorim, auch «Peixe» genannt. Amorim war nur wenige Tage zuvor während einer Polizeikontrolle gefasst worden. Er galt als Nummer zwei hinter dem am Mittwoch ebenfalls gefassten «Nem» Bonfim Lopes.

«Peixes» dreistöckiges Haus stand im deutlichen Kontrast zu den ärmlichen Behausungen rundherum. Die Bäder waren mit Jacuzzis ausgestattet, die Terrasse mit einem riesigen Swimmingpool. Im Wohnzimmer standen mehrere Hi-Tech-Geräte – und ein einziges Buch: der chinesische Klassiker «Die Kunst des Krieges».

Alle wussten, was kommen würde

Vergangenen Mittwoch begannen einige Bewohner von Rocinha ihre Häuser zu verlassen. Sie zogen zu Verwandten und Freunden - aus Angst, in Schiessereien zwischen Drogenbanden und Polizei zu geraten. «Ab Donnerstag sollten alle zuhause bleiben», sagte ein Krimineller gegenüber der brasilianischen Tageszeitung «O Globo» im Auftrag seines Bosses. Bandenchef «Nem» Bonfim Lopes hatte von den Plänen der Polizei Wind bekommen und versuchte offenbar, sich vor der Gemeinde als Held und Wohltäter darzustellen.

«Nem» selbst haben die Vorwarnungen nichts genützt: Er wurde im Kofferraum seines Toyota Corolla bei einer Kontrolle gefasst.

«Nem» hatte Aussicht über ganz Rio

Nems spektakuläre Verhaftung

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