Aktualisiert 29.06.2016 11:56

Pädophile im NetzSo merken Sie, ob Ihr Kind im Netz angemacht wird

Digitale Medien sind im Alltag von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Experten sagen, worauf man achten muss.

von
swe
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Werner C. hat im Jahr 2016 einen 12-Jährigen aus dem Kanton Solothurn nach Düsseldorf in seine Wohnung entführt.

Werner C. hat im Jahr 2016 einen 12-Jährigen aus dem Kanton Solothurn nach Düsseldorf in seine Wohnung entführt.

Aus diesem Haus wurde der Bub am 26.. Juni 2016 nachts schliesslich von der Polilzei befreit.

Aus diesem Haus wurde der Bub am 26.. Juni 2016 nachts schliesslich von der Polilzei befreit.

Daniel Bothe
Wie er nach Düsseldorf kam, konnten sich die Ermittler damals nicht erklären.

Wie er nach Düsseldorf kam, konnten sich die Ermittler damals nicht erklären.

Daniel Bothe

Über eine Woche galt der zwölfjährige Paul aus Gunzgen SO als vermisst. Dann wurde er in der Wohnung eines Mannes in Deutschland gefunden. Kennengelernt hatte der Schüler seinen mutmasslichen Entführer im Internet, in einem Diskussionsforum zum Game «Minecraft».

Dass der Kontakt nicht in einem einschlägigen Chat, sondern in einem Forum zu einem Game zustande kam, zeigt, dass im Internet an vielen Orten Gefahren für Kinder drohen. Es ist deshalb von grosser Wichtigkeit, Kinder in Schule und Elternhaus darauf zu sensibilisieren.

Schulen lehren Medienkompetenz

Die Schulen sind sich laut Beat W. Zemp, Präsident des Dachverbands Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, ihrer Verantwortung bewusst. Demnach ist der Umgang mit Medien ein wichtiges Thema in der Schule. «Den Schülern wird beigebracht, dass sie im Internet nicht unvorsichtig Daten preisgeben», so Zemp. Unter anderem werde zu diesem Zweck ein Spielprogramm von Microsoft namens «Security4Kids» eingesetzt.

Allerdings werde die entsprechende Ausbildung von Kanton zu Kanton, von Gemeinde zu Gemeinde, manchmal sogar von Schulhaus zu Schulhaus anders gehandhabt. Im neuen Lehrplan 21 werde künftig mehr Wert auf die Medienkompetenz gelegt, sagt Zemp. Denn es sei ein wesentlicher Punkt, dass sich Kinder sicher im Internet bewegen können.

Eltern müssen Kinder begleiten

Laurent Sédano von der Pro Juventute gibt Workshops im Bereich Medienkompetenz für Schülerinnen und Schüler, Eltern und Fachpersonen. Er empfiehlt den Eltern, mit ihren Kindern über das Erlebte im Internet genauso zu reden wie über Vorkommnisse auf dem Spielplatz oder Schulweg. «Man sollte das Kind zum Beispiel fragen, was passiert ist, wie es ihm geht und mit wem es gesprochen hat.»

Eine gute Beziehung ist das A und O, sagt Sédano. Über den Nachwuchs informiert zu sein, ist demnach eine gesunde Art der Kontrolle. Die Eltern müssen die Kinder begleiten, sich mit ihnen austauschen und ihnen mit Rat zur Seite stehen.

Prinzipiell seien die meisten Kinder über die grundlegenden Regeln informiert, allerdings seien sie oft sorglos und würden nicht immer über Folgen nachdenken. «Deshalb ist die Rolle der Eltern so wichtig», sagt Sédano.

Darauf müssen Sie achten

Laut dem Pro-Juventute-Experten gibt es verschiedene Anzeichen dafür, dass mit einem Chatpartner vielleicht etwas nicht stimmt; beispielsweise wenn das Gegenüber das Kind fragt, ob es sich gut mit den Eltern versteht oder ob diese anwesend sind. Dann müssen die Alarmglocken läuten. Es ist aber auch verdächtig, wenn Geschenke angeboten werden, die Frage nach einem persönlichen Treffen auftaucht oder die Person eine übermässige Fürsorge zeigt.

Falls sich ein Nutzer tatsächlich auffällig oder aufdringlich verhält, sollte man sich gemäss Chantal Billaud von der Schweizerischen Kriminalprävention an die Polizei oder die Schweizerische Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik) wenden: «Die Polizei nimmt solche Hinweise sehr ernst, ist aber darauf angewiesen, dass man auch Informationen zum Fall hat.»

So soll man beispielsweise einen Screenshot von seltsamen Annäherungsversuchen in Chatprotokollen machen und den Zeitpunkt der Kontaktaufnahme notieren. Zudem könne man die betreffende Person blockieren und den Plattform-Betreiber über das Verhalten des Nutzers informieren.

Hier gibt es Hilfe

Weitere Infos im Bereich Medienkompetenz finden Sie auf der Seite der Schweizerischen Kriminalprävention. Bei Pro Juventute gibt es Merkblätter für Kinder, Jugendliche und Eltern über das Gamen im Internet.

Kinder und Jugendliche können sich auch anonym unter der Nummer 147, dem Beratungstelefon der Pro Juventute, melden.

Laurent Sédano ist Programmverantwortlicher für Medienkompetenz bei Pro Juventute. Pro Juventute engagiert sich seit 2007 in der Vermittlung von Medienkompetenz. Seit 2012 führte die Jugendorganisation mehr als 1800 Medienprofis-Workshops für Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern durch.

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