Ordnung schaffen: So misten Sie endlich richtig, richtig aus
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Ordnung schaffenSo misten Sie endlich richtig, richtig aus

Schon wieder keinen Platz im Kleiderschrank? Eine aufräumwütige Japanerin hat einen Hype ausgelöst. Davon profitiert eine ganze Branche.

von
Claudia Landolt
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Manchmal kann man das eigene Chaos nicht mehr ertragen - dann ist Aufräumen angesagt.

Manchmal kann man das eigene Chaos nicht mehr ertragen - dann ist Aufräumen angesagt.

Die Japanerin Marie Kondo weiss, wie das geht. Ihr Bestseller «Magic Cleaning» thematisiert die Ekstase des Entrümpelns.

Die Japanerin Marie Kondo weiss, wie das geht. Ihr Bestseller «Magic Cleaning» thematisiert die Ekstase des Entrümpelns.

Wie verlören nämlich nicht nur im Chaos der Alltagsgegenständen den Überblick, sondern seien auch unfrei, weil uns all diese Dinge blockierten. Sagt Kondo.

Wie verlören nämlich nicht nur im Chaos der Alltagsgegenständen den Überblick, sondern seien auch unfrei, weil uns all diese Dinge blockierten. Sagt Kondo.

Ryan Mcvay

Marie Kondo beschreibt in ihrem Ratgeber «Magic Cleaning», wie man dauerhaft in seiner Wohnung Ordnung schafft und dabei glücklich wird. Das Buch hat sich weltweit drei Millionen Mal verkauft hat und ist seit vier Monaten auf Platz eins der «New York Times»-Bestsellerliste. Dieses Jahr wurde die 30-Jährige neben Angela Merkel und Kim Jong-un vom «Time»-Magazin gar zu einer der 100 einflussreichsten Personen des Jahres erklärt.

Die Kernaussage ihres Buches lautet: Es geht nicht darum, was man entsorgt, sondern was man behält. Nämlich nur das, was für tokimeku sorgt, wie es auf Japanisch heisst: Was das Herz hüpfen lässt. Also für Freude sorgt. Deshalb soll man jedes einzelne Kleidungsstück aus dem Schrank räumen und jedes einzelne Buch aus dem Regal, dann alles in die Hand nehmen und sich fragen: Macht mich das glücklich? Wenn nicht: weg damit.

Nach Kondos Erfahrungen soll man mindestens zwei Drittel des Haushalts entsorgen, am besten Kategorie für Kategorie in folgender Reihenfolge: Kleider, Bücher, Papiere, Kleinkram, Erinnerungsstücke. Die Dinge, die man behalten will, bekommen einen bestimmten Platz. In Videos zeigt sie, wie man Socken und Unterwäsche so zusammenfaltet, das sie aufrecht in der Schublade stehen können.

Ratgeber-Boom

Kondo ist bereits zum Synonym für die Ekstase des Entrümpelns geworden. «Ich habe meine Rezeptbücher gekondot», schrieb eine Kolumnistin. Der «Focus» produzierte ein Heft mit dem Titel «Räum dein Leben auf» – und verkaufte davon laut «Welt» fünfzig Prozent mehr als sonst. Es gibt Haushaltsbücher, Ordnungs-Blogs und sogar Aufräum-Apps. Was noch fehlte, waren Aufräumcoaches.

In Zürich gibt es nun einen. Selim Tolga hat schon als Kind lieber aufgeräumt als Chaos veranstaltet. «Es gab für mich nichts Schöneres, als stundenlang mein Schuletui ein- und aufzuräumen», erklärt er 20 Minuten. Später habe er Kollegen beim Ausmisten geholfen, bis er vor vier Jahren eine Coachingausbildung absolvierte und Aufräumspezialist wurde.

Im Unterschied zu Marie Kondo genügt es Tolga aber nicht, einfach nur die physischen Dinge einem Ordnungsprinzip unterzuordnen. «Eine aufgeräumte Wohnung nützt nichts, wenn man im Kopf nicht aufgeräumt hat», erklärt er.

Viele seiner Kunden fühlten sich unfrei, klagten über zu viel Arbeit, zu viel Stress und zu wenig Zeit. Es gehe darum, seine Vergangenheit aufzuräumen, damit die eigenen Werte wieder sichtbar würden. «Je älter wir werden, desto grösser wird unser Rucksack mit Dingen und Erfahrungen, die wir mit uns herumschleppen.» Das mache es immer schwieriger, herauszufinden, was wirklich glücklich mache.

Hausfrauen oder Unternehmer

Zu Tolgas Kunden gehören Unternehmer, Hausfrauen, Handwerker ab 45, die über Zeitmangel und Überforderung klagen. Bei einigen mistet er bloss den E-Mail-Posteingang aus, bei anderen räumt er zwei Wochen lang die Wohnung auf.

Kleiderschrank sei Aufräumort Nummer eins, gefolgt von Büchern und DVDs oder Musik-CDs und Büro. «Im Schnitt können wir 50 Prozent unserer Dinge wegwerfen», so Tolga. Das Ziel sollte immer sein: nur noch das zu haben, was man braucht. Tolgas Wohnung ist perfekt aufgeräumt, wie die Bildstrecke zeigt. Er besitze gar nicht so viele Dinge, um Unordnung zu erzeugen, sagte er. Nämlich nur rund 166 Dinge. Wie das genau geht, beschreibt er in seinem Ratgeber «Minimalismus – Ordnung Zeit Freiheit», der im November erscheint.

Die perfekte Unterwäsche-Schublade

Die Buchautorin Marie Kondo hat mit ihrem Aufräumbuch einen Besstseller gelandet. Im Video zeigt sie, wie man seine Unterwäsche perfekt faltet.

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