Ein Opfer berichtet: So mordete der «grauenvolle Schläfer»
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Ein Opfer berichtetSo mordete der «grauenvolle Schläfer»

Elf Opfer soll der Serientäter Lonnie David Franklin auf dem Gewissen haben. Eine Frau entkam der Attacke des «grauenvollen Schläfers». Sie schildert ihr Horror-Erlebnis.

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Am 7. Juli konnten das FBI und die Polizei von Los Angeles einen grossen Erfolg vermelden: Nach über 25 Jahren hatten sie endlich einen Serienmörder gefasst, der mindestens elf Frauen ermordet haben soll. Die meisten seiner Opfer waren afroamerikanische Prostituierte, die zwischen 1985 und 2007 tot an abgelegenen Plätzen und in Mülltonnen im Süden von Los Angeles gefunden wurden. Überführt werden konnte der 57-jährige Serientäter dank eines Stücks Pizza und des umstrittenen «familiären DNA-Suchprogramms», das im Jahr 2008 im Bundesstaat Kalifornien eingeführt worden war.

Zwischen 1988 und 2001 hatte Franklin keine Morde begangen. Dafür erhielt er von den Ermittlern den Spitznamen «The Grim Sleeper» (zu deutsch «Der grauenvolle Schläfer»). Am 20. November 1988 hätte Enietra Washington sein neuntes Opfer werden sollen, doch die junge Frau schaffte es, David Franklins Angriff zu entkommen. In einem Interview mit der Zeitung «L.A. Weekly» erzählte sie, wie sie ihrem Aggressor an jenem Abend begegnete.

Ihr Verhalten verwirrte den Mörder

Washington hatte an jenem Abend lange nicht gewusst, wen sie vor sich hatte. Als sie nach dem Angriff bei der Polizei Anzeige erstattete, beschrieb sie den Mann als einen «schlanken, gepflegten und angenehmen Afroamerikaner». Er sei vor ihr in einem «orangen Ford Pinto mit einem weissen Strich auf der Haube» vorgefahren. «Es sah aus wie ein Hot-Wheel-Auto», erzählte sie den Ermittlern später. Sie sei eingestiegen. Zu diesem Zeitpunkt sei er «durchaus freundlich» gewesen - noch.

Franklin fuhr mit der jungen Frau zum Haus eines Bekannten. «Er stieg aus und sprach kurz mit jemandem. Als er wieder ins Auto stieg, war er komplett verändert», so Enietra Washington weiter. «Er nannte mich beim Namen einer bekannten Prostituierten im Quartier.» Die verblüffte Washington liess sich die Verwechslung nicht gefallen: «Mit wem glauben Sie, dass Sie reden!», soll sie im harschen Ton gesagt haben. Das muss den Mörder verärgert haben.

Geschlagen, angeschossen und vergewaltigt

Danach ging alles sehr schnell: Franklin holte plötzlich eine kleine Pistole aus seinem Handschuhfach und schoss der Frau in die Brust. Washington fiel erstaunlicherweise nicht in Ohnmacht. Auch geriet sie nicht – wie viele Opfer - in Panik oder flehte um Hilfe. Sie dachte nur: «Wer wird auf meine Kinder aufpassen, wenn ich tot bin?» Danach habe sie den Blitz einer Polaroid-Kamera in ihren Augen gespürt. Ihr Aggressor schlug sie auf den Kopf und vergewaltigte sie.

Die junge Frau kämpfte ein paar Minuten lang. Als sie merkte, dass dies nichts nützte und er nicht von ihr abliess, bat sie ihn, sie in ein Spital zu fahren. Franklin fuhr mit ihr durch die Stadt. Schliesslich hielt er in einer dunklen Strasse an, schlug erneut mit der Pistole auf sie ein, bis sie das Bewusstsein verlor. Dann warf er sie aus dem Auto. Washington schaffte es, bis zum Haus einer Freundin zu gehen. Im Spital besuchte sie kurz nach ihrer Ankunft ein Beamter des Los Angeles Police Departement. Erst da wurde ihr bewusst, welches Glück sie gehabt hatte.

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