Home-Office: «So müssen Angestellte bald am Sonntag arbeiten»
Aktualisiert

Home-Office«So müssen Angestellte bald am Sonntag arbeiten»

Ein Vorstoss fordert, dass Heimarbeiter mehr und länger arbeiten können. Gewerkschafter befürchten eine Ausbeutung.

von
B. Zanni
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Für die Sonntagsarbeit bei Home-Office soll keine behördliche Bewilligung mehr nötig sein. Auch sollen die Angestellten nicht mehr nur 14 Stunden, sondern 17 Stunden Zeit haben, um ihre Tagesarbeit von meistens acht Stunden aufteilen zu können.

Für die Sonntagsarbeit bei Home-Office soll keine behördliche Bewilligung mehr nötig sein. Auch sollen die Angestellten nicht mehr nur 14 Stunden, sondern 17 Stunden Zeit haben, um ihre Tagesarbeit von meistens acht Stunden aufteilen zu können.

Keystone/Gaetan Bally
Für die Sonntagsarbeit bei Home-Office soll keine behördliche Bewilligung mehr nötig sein. Auch sollen die Angestellten nicht mehr nur 14 Stunden, sondern 17 Stunden Zeit haben, um ihre Tagesarbeit von meistens acht Stunden aufteilen zu können.

Für die Sonntagsarbeit bei Home-Office soll keine behördliche Bewilligung mehr nötig sein. Auch sollen die Angestellten nicht mehr nur 14 Stunden, sondern 17 Stunden Zeit haben, um ihre Tagesarbeit von meistens acht Stunden aufteilen zu können.

Perig Morisse
Thierry Burkart, Nationalrat der FDP: Die heutige Situation stehe der Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Weg. «Das Gesetz ist für die Fliessbandarbeit der vorletzten industriellen Revolution geschaffen.»

Thierry Burkart, Nationalrat der FDP: Die heutige Situation stehe der Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Weg. «Das Gesetz ist für die Fliessbandarbeit der vorletzten industriellen Revolution geschaffen.»

Keystone/Gaetan Bally

Home-Office liegt im Trend: Über ein Viertel der Schweizer arbeitet laut einer Studie des Beratungsunternehmens Deloitte mindestens einen halben Tag pro Woche von zu Hause aus. Laut FDP-Nationalrat Thierry Burkart wird das Arbeitsgesetz den Bedürfnissen der Arbeitnehmer des Home-Office aber zu wenig gerecht. «Das Gesetz ist für die Fliessbandarbeit der vorletzten industriellen Revolution geschaffen», sagt Burkhart. In einem Vorstoss fordert er eine Anpassung.

Neu sollen die Angestellten nicht mehr nur 14 Stunden, sondern 17 Stunden Zeit haben, um ihre Tagesarbeit von meistens acht Stunden aufteilen zu können. Während der Ruhezeit von elf ununterbrochenen Stunden zwischen zwei Arbeitstagen will er gelegentliche Arbeitsleistungen von kurzer Dauer ermöglichen. Und für die Sonntagsarbeit bei Home-Office soll keine behördliche Bewilligung mehr nötig sein.

Arbeitsverbot ab 21 Uhr

Die heutige Situation stehe der Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Weg, sagt Burkart. «Beginnt man um 7 Uhr, darf man ab 21 Uhr nicht mehr arbeiten.» So sei es etwa einem Arbeitnehmenden, der seine Arbeit frei einteilen kann und um 17 Uhr sein Kind in der Krippe abholt, nicht erlaubt, sich ab 21 Uhr, wenn das Kind im Bett ist, nochmals an die Arbeit zu setzen.

«Schreibt jemand um 22 Uhr noch kurz ein E-Mail, darf er durch die Ruhezeit zudem am nächsten Tag seine Arbeit frühestens um 9 Uhr aufnehmen.» Genauso realitätsfremd sei es, die Sonntagsarbeit für Home-Office einer behördlichen Bewilligungspflicht zu unterstellen. «Viele Leute sind froh, wenn sie ihre Arbeitszeit frei einteilen und zum Beispiel am Sonntag Mails beantworten können.»

«Aufgeweichter Arbeitnehmerschutz»

Bei den Vertretern der Arbeitnehmer schrillen die Alarmglocken. Würden die Arbeitszeiten für das Home-Office auf 17 Stunden pro Tag ausgedehnt, drohe diesen Arbeitnehmenden eine weitere Präkarisierung und Verschlechterung ihrer bereits heute wenig geschützten Arbeitsweise, kritisiert Corrado Pardini, SP-Nationalrat und Leiter Sektor Industrie der Gewerkschaft Unia. Das neue Gesetz würde den Arbeitnehmerschutz extrem aufweichen. «So kommt es so weit, dass die Angestellten bald auch am Sonntag arbeiten müssen.»

Pardini fordert mehr andere Rechte für Home-Office-Angestellte. «Dazu gehört das Recht auf Nicht-Erreichbarkeit.» Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssten die besten Lösungen aushandeln und dabei die Bedürfnisse der Menschen und nicht des Profits ins Zentrum stellen.

«Gefahr, sich mehr aufzuladen»

Der Schweizerische Arbeitgeberverband hingegen hat Verständnis für den Vorstoss. Befürchtungen, dass die Angestellten durch die Modernisierung des Home-Office ausgebeutet würden, seien nicht berechtigt, sagt Daniella Lützelschwab, Ressortleiterin Arbeitsmarkt und Arbeitsrecht. «Die Schutzbestimmungen des Arbeitsgesetzes gelten auch mit den vorgeschlagenen Änderungen. Sie passen aber besser auf die heutigen Ansprüche der Mitarbeitenden und der Arbeitgeber.»

Auch Beraterin und Coach Andrea Ruh Woodtli erachtet ein angepasstes Gesetz als Chance für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wichtig sei aber, sich Grenzen zu setzen. «Es besteht die Gefahr, dass man sich mehr auflädt oder aufladen lässt, nur weil man mehr Zeit zum Arbeiten zur Verfügung hat.» Zur Genüge kenne sie etwa Teilzeitangestellte, die aus grosser Motivation oder Angst, die Stelle zu verlieren, etliche Überstunden leisteten.

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