Aktualisiert 04.02.2019 15:39

Zu wenig SchreibtischeSo muss man bei der UBS um den Büroplatz kämpfen

Die UBS setzt auf Desk-Sharing. Doch oft gibt es zu wenig Arbeitsplätze. Um dennoch einen Tisch zu ergattern, müssen die Banker tricksen.

von
Dominic Benz
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Bei der UBS gibt es viele Abteilungen, in denen es flexible Arbeitsplätze gibt.

Bei der UBS gibt es viele Abteilungen, in denen es flexible Arbeitsplätze gibt.

Keystone/Steffen Schmidt
Die Banker haben also keine eigenen Pulte.

Die Banker haben also keine eigenen Pulte.

Keystone/Martin Ruetschi
Das setzt einige Mitarbeiter unter Stress, wie Leser von 20 Minuten berichten. Denn sie müssen jeden Tag von Neuem einen Platz suchen.

Das setzt einige Mitarbeiter unter Stress, wie Leser von 20 Minuten berichten. Denn sie müssen jeden Tag von Neuem einen Platz suchen.

Keystone/Ennio Leanza

Flexible Arbeitsplätze gelten als modern. Das sogenannte Desk-Sharing bieten Konzerne wie AXA, die Post oder die Swisscom an. Auch bei der UBS haben viele Mitarbeiter kein eigenes Pult mehr und müssen jeden Tag aufs Neue einen Platz suchen. Die Bank nennt das «Workplace Now».

Doch das Konzept verärgert UBS-Angestellte. Wie Leser von 20 Minuten berichten, muss man sich einen Arbeitsplatz regelrecht erkämpfen. «Die Bank geht davon aus, dass nicht alle Mitarbeiter zur gleichen Zeit im Büro sind», sagt ein Leser. Die Rechnung gehe oft nicht auf. So habe es an bestimmten Tagen weniger Pulte als Mitarbeiter. Dann müsse man sich an Hochtischen auf einen Barhocker setzen, was niemand wolle. «Die Platznot ist belastend», meint ein anderer Leser.

Müssen auch Sie täglich um Ihren Arbeitsplatz kämpfen? Wie gehen Sie vor?

Um dennoch einen Platz zu ergattern, greifen die Banker laut Lesern zu folgenden Tricks:

Der Frühaufsteher-Trick

«De Schnäller isch de Gschwinder.» Die Methode ist simpel, aber effektiv: Am Morgen einfach früher als die Kollegen aufstehen. Wer dann auf dem Arbeitsweg die potenzielle Platz-Konkurrenz sieht, sollte sich beeilen. «Viele beschleunigen dann ihren Schritt», sagt ein Leser.

Der Fokus-Trick

Alles, was zählt, ist ein guter Platz. Daher unbedingt alles andere ausblenden. Im Büro angekommen, begibt sich der Banker daher direkt zum gewünschten Pult. Erst die Jacke aufhängen, den Kaffee holen oder aufs WC gehen liegt nicht drin.

Der Personalisierungstrick

Der Trick ist ein Klassiker, ist aber laut UBS-Hausregel verboten: Den ergatterten Platz mit der Wasserflasche, Kaffeetasse oder sonstigem Krimskrams personalisieren. Das lässt man abends liegen. Am nächsten Morgen hat man für den stutzigen Kollegen eine Ausrede parat: «Ich musste gestern schnell los und hatte keine Zeit, alles wegzuräumen.»

Der Software-Trick

Um den hart erkämpften Platz behalten zu können, klebt der Banker eine Notiz an den Computer. Darauf steht, dass ein wichtiges Programm läuft, das man nicht unterbrechen darf. Der Trick ist effektiv, funktioniert aber nur ein- oder zweimal. Danach ist er unglaubwürdig.

Der Teamleiter-Trick

Als Teamleiter kann man einen bereits besetzten Platz für sich beanspruchen. Das geht mit folgendem Satz: «Ich muss in der Nähe des Teams sitzen.» Die Banker machen dem Ranghöheren den Platz kaum mehr streitig. «Auch bei geteilten Arbeitsplätzen gibt es eine Hackordnung», erklärt ein Leser.

Der Einschleim-Trick

Gewisse Teams müssen in separaten und abgesicherten Räumen ihre Arbeit erledigen. So schreibt es das Bankengesetz vor. Wer in Ruhe in einem solchen Raum einen Platz haben will, muss die richtigen Leute kennen. Ein Leser erklärt: «Wer sich beim Team einschleimt, hat gute Chancen auf einen ruhigen Arbeitsplatz.»

Die UBS beschwichtigt: Es gebe grundsätzliche immer genügend Arbeitsplätze. «In Ausnahmefällen kann es vorkommen, dass der bevorzugte Arbeitsplatz nicht zur Verfügung steht und daher auf einen Arbeitsplatz in der Nachbarschaft oder in der naheliegenden Umgebung ausgewichen werden muss», sagt die Sprecherin auf Anfrage.

Auf «Workplace Now» setzt die UBS auch bei neuen Standorten wie an der Europaallee in Zürich. Das Konzept ermögliche den Mitarbeitenden, zwischen verschiedenen Arbeitsumgebungen auszuwählen und damit optimal auf die jeweilige Tätigkeit auszurichten.» Dabei werden weniger Plätze als Mitarbeiter benötigt. Der Grund: Laut Statistiken seien mehr als ein Fünftel der Arbeitsplätze aufgrund von Ferien, Krankheit, Militär, Geschäftsreisen und Mutterschaftsurlaub nicht besetzt, so die Sprecherin.

Klar ist: Vom Desk-Sharing profitieren vor allem die Unternehmen. Denn geteilte Arbeitsplätze sind billiger. Experten schätzen, dass sich rund 30 Prozent der Infrastrukturkosten mit geteilten Flächen sparen lassen.

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