Handhygiene - So nachlässig sind wir nach 14 Monaten Pandemie beim Händewaschen
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HandhygieneSo nachlässig sind wir nach 14 Monaten Pandemie beim Händewaschen

30 Sekunden, mit warmem Wasser und Seife – wie richtiges Händewaschen geht, dürfte nach mehr als einem Jahr Pandemie hinlänglich bekannt sein. Doch wird es auch beherzigt?

von
Fee Anabelle Riebeling
Christine Scharfetter
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Händewaschen ist wichtig. Das war auch schon in der Zeit vor dem Auftreten des Coronavirus Sars-CoV-2 so.  Doch in der Pandemie hat es an Bedeutung noch einmal dazu gewonnen. 

Händewaschen ist wichtig. Das war auch schon in der Zeit vor dem Auftreten des Coronavirus Sars-CoV-2 so. Doch in der Pandemie hat es an Bedeutung noch einmal dazu gewonnen.

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Kurzes Abspülen mit kaltem Wasser reicht da nicht: Empfohlen werden 30 Sekunden mit warmem Wasser und Seife. Dabei sollten auch die Zwischenräume zwischen den Fingern, Handrücken und Handgelenk nicht vergessen werden. Und regelmässig sollte es geschehen.

Kurzes Abspülen mit kaltem Wasser reicht da nicht: Empfohlen werden 30 Sekunden mit warmem Wasser und Seife. Dabei sollten auch die Zwischenräume zwischen den Fingern, Handrücken und Handgelenk nicht vergessen werden. Und regelmässig sollte es geschehen.

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Doch offenbar werden die Empfehlungen zur Handhygiene immer weniger ernst genommen. Das zeigt eine Studie aus den USA. Laut dieser wuschen sich die Amerikaner im Juni 2020 zwar doppelt so oft die Hände wie im Jahr zuvor. Doch schon nach kurzer Zeit sank die Emsigkeit wieder auf das Niveau von vor der Pandemie.

Doch offenbar werden die Empfehlungen zur Handhygiene immer weniger ernst genommen. Das zeigt eine Studie aus den USA. Laut dieser wuschen sich die Amerikaner im Juni 2020 zwar doppelt so oft die Hände wie im Jahr zuvor. Doch schon nach kurzer Zeit sank die Emsigkeit wieder auf das Niveau von vor der Pandemie.

Screenshot Jama Internal Medicine

Darum gehts

  • Seit etwas mehr als einem Jahr sollte allen Menschen bekannt sein, wie richtiges Händewaschen geht.

  • Doch handeln sie auch danach?

  • Ein US-Forschenden-Team ist dem nachgegangen.

Damit sich die Pandemie nicht unnötig verlängert, sollten wir bemüht sein, so viele Übertragungswege des Virus wie möglich zu kappen – um Leben zu retten und Überlebende vor Long-Covid-Schäden zu bewahren, aber auch um die Bildung weiterer, möglicherweise resistenter Virus-Mutanten zu verhindern. Für all das gibt es die auch als AHA-L-Regeln bekannten Massnahmen (siehe Box).

Ein wichtiger Bestandteil dieser kollektiven Virusabwehrbemühungen ist das Händewaschen. Zu Beginn der Corona-Pandemie betrieben einige Menschen das so intensiv, dass ihnen die Hände wund wurden. Doch mit so viel Akribie geht es in den Badezimmern und Toilettenvorräumen mittlerweile nicht mehr zu. Das zeigt eine im Fachjournal «Jama Internal Medicine» veröffentlichte Studie von Forschenden der University of Chicago.

So wuschen sich die Amerikaner im Juni 2020 zwar doppelt so oft die Hände wie im Jahr zuvor. Doch schon nach kurzer Zeit sank die Emsigkeit wieder auf das Niveau von vor der Pandemie.

Was heisst AHA-L?

Die AHA-L-Regel bezeichnet – vor allem in Deutschland – die zur Eindämmung der Corona-Pandemie empfohlene Kombination der Vorsorge-Massnahmen. Mitunter wird die Regel noch um ein C ergänzt. Dafür stehen die Buchstaben:

A – Abstandsregeln einhalten

H – Hygieneregeln beachten

A – (Alltags-) Maske tragen

L – Regelmässig und richtig lüften

C – Corona-Warn-App nutzen

Intensive Handhygiene hielt nur vier Monate an

Ort der Studie war ein Spital in Chicago, in dem die Verwendung von Seife und Desinfektionsmitteln über jeden Ein- und Ausgang des Zimmers rund um die Uhr elektronisch verfolgt wird. Die Aufzeichnungen zeigen, dass die Mitarbeiter zu Beginn der Pandemie zu 100 Prozent regelkonform waren. «Unsere Mitarbeiter im Gesundheitswesen waren sehr besorgt – sie wussten nicht, wer Covid hatte und wer nicht – und waren daher äusserst vorsichtig mit ihrer Händehygiene», erzählt Co-Autorin Emily Landon, gegenüber CNN.

Allerdings dauerte es nur vier Monate bis das Spitalpersonal wieder in seine alten Hygiene-Muster zurückfiel und im Vergleich zum Vorjahr nur noch halb so oft die Hände gewaschen oder desinfiziert werden. Landons Erklärung: «Händehygiene ist eine Gewohnheit. Es ist, als würde man sich anschnallen, sich gesund ernähren oder regelmässig Sport treiben. Daran muss man sich erst gewöhnen.»

Bilder sprechen Bände

Wie wichtig – und möglicherweise lebensrettend – korrektes Händewaschen ist, veranschaulichte US-Schauspielerin Kristen Bell im März 2020 auf Instagram. Ihr Post zeigt sechs Aufnahmen ein und derselben Hand, die zuvor mit einer speziellen Creme eingerieben wurde, die Keime unter UV-Licht sichtbar macht. Einziger Unterschied zwischen den Fotos: Der Zustand, in dem die Hand fotografiert wurde.

Hatte sie auf der ersten Aufnahme noch keinerlei Berührung mit Wasser und ist hochgradig keimbelastet (weiss), ist sie vor der zweiten zumindest kurz mit Wasser abgespült und danach kurz abgeschüttelt worden. Die Erregersituation auf der Hand verbessert das aber kaum. Nur winzige Stellen sind reiner geworden. Ein wirklicher Fortschritt ist auch auf dem dritten Bild nicht zu erkennen. Dabei wurde die Hand hierfür immerhin gewaschen – jedoch ohne Zuhilfenahme von Seife, was offensichtlich auch nicht wirklich viel bringt. Die weissen und damit keimbesiedelten Flecken überwiegen immer noch.

Erst durch die Reinigung mit Seife, das zeigt die von Bell gepostete Aufnahmenserie deutlich, wird die Hand sauberer: Wer sich mit ihr sechs Sekunden die Hände wäscht, sieht bereits einen ersten Unterschied und 15 Sekunden liefern fast das gewünschte Ergebnis. Doch erst nach einer halben Minute ist die Hand wirklich keimfrei.

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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