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Sadomaso-SzeneSo normal sein wie die Schwulen

Die Sadomaso- und Fetisch-Szene kämpft gegen ihr Image: Weg aus der Schmuddelecke hin zur gesellschaftlichen Akzeptanz. Das hat sich ein neu gegründeter Verein in der Schweiz auf die Fahne geschrieben. Das erste BDSM-Symposium ist bereits in Planung.

von
meg

Er nennt sich Hermann. Sie will ihren Namen nicht in einem Artikel lesen. Doch genau das soll sich irgendwann ändern. Dann wollen sie das Doppelleben nicht mehr führen müssen und das Versteckspiel nicht mehr aufrecht erhalten müssen. «Unser Wunsch ist es, die gesellschaftliche Akzeptanz von Sadomasochismus zu fördern. Dann ist es hoffentlich auch möglich, mit Gesicht und Name hinzustehen», sagt Hermann.

Symposium mit Ärzten, Therapeuten und Scheidungsanwälten

Hermann ist der erste Präsident des neu gegründeten BDSM-Vereins in der Schweiz. Zusammen mit insgesamt 16 sogenannten «Stammtischen» und Gruppen haben sich die Freunde der Sadomasochismus-Szene erstmals breit organisiert, «um die gesellschaftliche Akzeptanz zu fördern und die Interessen von BDSM-Liebhabern zu vertreten», sagt die Sprecherin. Der Verein will eine Austausch-Plattform – vor allem übers Internet (www.BDSM-Community.ch) – sein, die allen Privaten, BDSM-Organisationen und SM-Clubs offen steht. Im Sommer 2010 soll zudem das erste BDSM-Symposium stattfinden, das sich vorwiegend an Fachleute wie Ärzte, Therapeuten, Scheidungsanwälte und Behörden richtet.

Das Ziel ist klar und ehrgeizig: «Das Bild, das die Gesellschaft heute von Sadomasochismus hat, ist falsch. Mit Information und Öffentlichkeitsarbeit wollen wir eine Enttabuisierung herbeiführen, die beispielsweise in der Homosexuellenbewegung längst stattgefunden hat», sagt die Vereinssprecherin. Es ist das Bild vom perversen Schmuddelsex, praktiziert von «Kranken», das in der Öffentlichkeit immer noch stark verbreitet ist und den BDSM-Liebhabern zu Schaffen macht. Das Klischee von der strengen Domina, die ihrem perversen Kunden Befehle entgegen schreit, stört die Vereinsgründer. «Viele praktizieren SM in der Partnerschaft. Diese Neigungen werden fern ab vom Milieu in ganz normalen Schweizer Schlafzimmern ausgelebt», sagt Hermann.

Grenzen dürfen nicht gebrochen werden

Für die SM-Liebhaber ist «BDSM eine fantasievolle Form der Sexualität. Ein erotisches Machtspiel, in dem es ganz klare Tabus und Grenzen gibt, die nicht gebrochen werden dürfen». Sämtliche Formen würden nur einvernehmlich stattfinden, vorher genau abgesprochen und forderten ein hohes Mass an Verantwortungsbewusstsein. «Für BDSM-Liebhaber ist der Lustschmerz berauschend, mit Gewalt hat das nichts zu tun. Gewalt würde auch uns weh tun.» Auch der Basler Psychologieprofessor Udo Rauchfleisch sagte in einem Dokumentarfilm, der 2006 im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wurde: «Wenn die körperliche und seelische Integrität respektiert wird, ist eigentlich alles in Ordnung.»

Doch die Welt ist für die BDSM-Community noch nicht in Ordnung, was die Akzeptanz ihrer Neigung anbelangt. Die Sprecherin weiss von Sorgerechtsstreitereien, in denen die Sexuelle Präferenz gezielt als Druckmittel vor Gericht missbraucht worden sei. Die allermeisten praktizierenden SM-ler würden ein Doppelleben führen. Und: «Niemand von uns würde einen anderen zwangsouten.»

Hoffen auf aufgeklärte Gesellschaft

Wenn die BDSM-Community ihr Ziel erreicht, würde diese Regel zur Makulatur. Hermann sagt: «Vor zehn Jahren wäre der Schritt an die Öffentlichkeit noch zu früh gewesen. Heute allerdings ist die Gesellschaft aufgeklärter.»

Was ist BDSM?

Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism zusammen. Er umschreibt eine vielgestaltige Gruppe von meist sexuellen Verhaltensweisen, die unter anderem mit Dominanz und Unterwerfung, spielerischer Bestrafung sowie Lustschmerz oder Fesselungsspielen in Zusammenhang stehen können.

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