Prosit Neujahr!: So perlt der Champagner im Glas
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Prosit Neujahr!So perlt der Champagner im Glas

Mineral, Bier oder Champagner: Ihnen gemein sind die im Glas spritzig nach oben steigenden Bläschen. Warum sie das machen, haben sich Forscher ganz genau angeschaut.

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Hauptsache, es prickelt: Die meisten Champagner-Trinker machen sich wohl deutlich weniger Gedanken um ihr Getränk.

Hauptsache, es prickelt: Die meisten Champagner-Trinker machen sich wohl deutlich weniger Gedanken um ihr Getränk.

Keystone
Dabei gibt es viel Spannendes zu entdeckt, beispielsweise dass das Prickeln bis zu zehn kleine Tröpfchen aus dem Glas springen lässt.

Dabei gibt es viel Spannendes zu entdeckt, beispielsweise dass das Prickeln bis zu zehn kleine Tröpfchen aus dem Glas springen lässt.

Elisabeth Ghabache & Thomas Seon

Zerplatzende Bläschen sind in unserem Alltag allgegenwärtig. Im kleinen Massstab finden sie sich in Getränken, im grossen an Meeresküsten oder den Ufern stürmischer Seen – also dort, wo die Brandung ständig grosse Mengen Gischt in die Höhe schleudert.

Weil diese Gischt-Aerosole (siehe Box) eine grosse Rolle für den chemischen Austausch zwischen Ozean und Atmosphäre spielen, sind die aus platzenden Bläschen entstehenden Tröpfchen gut erforscht, erklärte Thomas Séon vom franösischen Institut Jean le Rond d'Alembert kürzlich am Jahrestreffen der «American Physical Society's Division of Fluid Dynamics» in San Francisco.

Ein etwas anderer Blick ins Glas

So weiss man beispielsweise, dass sich als Erstes die Kappe des Bläschens auflöst, wenn ein Bläschen aufsteigt und den dünnen Oberflächenfilm der Flüssigkeit durchbricht. Dadurch entsteht für kurze Zeit eine Art Krater in der Flüssigkeitsoberfläche. Dieser kollabiert sehr schnell und erzeugt dabei eine Fontäne, die ein paar winzige Tröpfchen freisetzt, wenn sie sich auflöst.

Wer braucht schon einen Korkenzieher?

Um herauszufinden, was unmittelbar vor und nach der Fontänenbildung passiert und welche Rolle die Eigenschaften der Flüssigkeit spielen, hat Seon gemeinsam mit seinen Kollegen den Vorgang mit einer Hochgeschwindigkeits-Mikrokamera gefilmt. Dafür experimentierten sie mit verschiedenen Flüssigkeiten.

Im Video wirkt das Champagner-Bläschen fast schon meditativ. (Video: Thomas Seon)

Perlende Überraschung

Dabei zeigte sich, dass der winzige Krater nicht wegen der Schwerkraft in sich zusammenfällt. Vielmehr sind Kapillarkräfte am Werk. Sie bringen die Wassermoleküle in den Wänden der Senke dazu, nach innen zu fliessen und so den Krater auszugleichen. Der Kollaps dieser Wellen erzeugt dann die Fontäne. Sie zerfällt in bis zu zehn kleine Tröpfchen, die als Aerosole eine kurze Zeit in der Luft schweben bleiben.

Weiteres Resultat: Je dicker eine Flüssigkeit ist, desto kleiner und schneller sind die beim Platzen der Bläschen entstehenden Tröpfchen. Das sei überraschend, so Seon. Denn bisher sei man davon ausgegangen, dass ein dünnflüssigeres Medium auch schneller fliesst und so schnellere Tröpfchen hervorbringt. Doch genau das Gegenteil ist der Fall.

Diese Erkenntnis lässt sich nach Ansicht der Forscher künftig ganz praktisch nutzen – um die Aerosolbildung bei Flüssigkeiten zu kontrollieren, aber auch, um das Mundgefühl des Champagners zu beeinflussen. Möglicherweise schmeckt der nächsten Silvester schon ganz anders. Schliesslich haben Forscher um Gérard Liger-Belair von der Universität von Reims-Champagne-Ardenne vor einigen Jahren schon herausgefunden, dass besonders die kleinen Blasen Champagner so geschmackvoll machen.

Womit stossen Sie auf das neue Jahr an? Mögen Sie es klassisch oder darf es auch etwas Ausgefallenes sein? Oder verzichten Sie sogar ganz auf Alkohol? Verraten Sie es uns in der Kommentarfunktion!

Was sind Aerosole?

Ein Aerosol ist eine Mischung aus einem Gas und einer fein verteilten Flüssigkeit oder einem fein verteilten Feststoff (Staub). Beispiele für Aerosole sind Dampf, Rauch und Nebel.

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