26.07.2020 16:45

Reisen

So planst du jetzt trotz Quarantänepflicht deine Ferien

Ob plötzlicher Coronavirus-Ausbruch oder zweite Welle: Auch Ferienländer können ohne Warnung auf der Quarantäne-Liste landen. Was bedeutet das für die Ferienplanung?

von
Raphael Knecht
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Seit Anfang Juli müssen sich Schweizer Reisende aus Risikoländern 10 Tage in Quarantäne begeben.

Seit Anfang Juli müssen sich Schweizer Reisende aus Risikoländern 10 Tage in Quarantäne begeben.

KEYSTONE
Personen werden bei der Einreise in die Schweiz am Grenzübergang informiert, dass sie sich in Quarantäne begeben müssen.

Personen werden bei der Einreise in die Schweiz am Grenzübergang informiert, dass sie sich in Quarantäne begeben müssen.

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Welche Länder auf der Liste sind, kann sich aber plötzlich ändern.

Welche Länder auf der Liste sind, kann sich aber plötzlich ändern.

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Darum gehts

  • Die Quarantänepflicht kann plötzlich auf weitere Länder ausgeweitet werden.
  • Wer in die Nachbarländer der Schweiz reist, hat die besten Chancen.
  • Besonders Outdoor-Aktivitäten sind zu empfehlen.
  • Wer jetzt schon an die Herbstferien denkt, sollte auf die Annullationsbedingungen achten.

Böse Überraschung mitten in den Ferien: Grossbritannien hat über Nacht eine zweiwöchige Quarantäne für Reisende aus Spanien verordnet. Jetzt müssen sich Heimkehrer also zu Hause isolieren – selbst wenn man davon zum Antritt der Reise noch nichts wusste.

Auch andere europäische Länder, darunter Frankreich und Deutschland, warnen mittlerweile vor Reisen in bestimmte spanische Regionen. Österreich rät seinen Einwohnern, Spanien überhaupt nicht mehr zu besuchen, sofern die Reise nicht unbedingt notwendig ist.

Bisher hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) keine ähnliche Warnung für Spanien ausgesprochen – aber auch die Schweiz aktualisiert regelmässig ihre Liste der Risikoländer. Rückkehrer aus diesen Destinationen müssen sich 10 Tage in Quarantäne begeben. Die Liste mit zurzeit 42 Staaten und Gebieten ist online einsehbar. Das musst du jetzt wissen, wenn du gerade Ferien planst:

Welche Länder bleiben von Quarantänepflicht verschont?

Eine Garantie gibt es nicht, betont Tourismus-Professor Urs Wagenseil von der Hochschule Luzern (HSLU). Ein plötzlicher Ausbruch oder eine zweite Welle könnten in jedem Land dazu führen, dass man nach der Heimreise in Quarantäne muss. «Aber bei den direkten Nachbarländern ist man aktuell vermutlich am ehesten auf der sicheren Seite», ist Wagenseil überzeugt.

Was, wenn ich schon verreist bin?

Christian Laesser, Tourismus-Professor an der Hochschule St. Gallen (HSG), empfiehlt, während der Ferien die Infektionszahlen im Auge zu behalten: «Wenn sie plötzlich auf 60 Neuinfektionen pro 100’000 Einwohner steigen, packt man den Koffer und reist zurück.» Denn wenn diese Zahl während 14 Tagen über 60 liegt, gilt das Land laut BAG als eines mit erhöhtem Infektionsrisiko. Eine plötzliche Abreise ist natürlich einfacher, wenn man mit dem Auto unterwegs ist und nicht etwa den Flug umbuchen muss.

Arbeitsrecht

Nach Ferien droht Lohnausfall

Ist im Job kein Homeoffice möglich, kann das dazu führen, dass man während der Quarantänezeit trotz fortbestehendem Arbeitsverhältnis keinen Lohn erhält. Alternativ kann der Angestellte während der Quarantäne Ferien nehmen – dazu kann er aber nicht gezwungen werden.

Grundsätzlich hat der Arbeitgeber auch kein Mitspracherecht bei der Wahl der Feriendestination, sagt Michèle Stutz, Arbeitsrechtexpertin des Beratungsunternehmens MME Legal Tax Compliance: «Steht ein wichtiger Event bevor, und es ist klar, dass der Arbeitnehmer dann nicht zur Arbeit erscheinen kann wegen der Quarantäne, könnte das Probleme geben.» Darauf könne der Arbeitgeber hinweisen. Nimmt der Arbeitnehmer keine Rücksicht, könnte er damit seinen Job riskieren.

Was ist beim Buchen zu beachten?

In der Krise lohnen sich Pauschalreisen etwas mehr, sagt Wagenseil: «Bucht man alles einzeln, etwa im Internet, ist das Risiko grösser, dass man irgendwo strandet, weil etwa der Flug ausfällt.» Mit einem Reisebüro habe man immerhin eine zusätzliche Absicherung und einen Ansprechpartner in Fällen von unliebsamen Geschehnissen. Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reiseverbands, betont zudem: «Alle grossen Reiseveranstalter haben zugesichert, dass kurzfristige Umbuchungen kostenlos möglich sind, wenn sich die Situation in einem Land verändert.»

Sind Schweiz-Ferien sicherer?

«Grundsätzlich besteht in der Schweiz dasselbe Ansteckungsrisiko wie in unseren umliegenden Nachbarländern und Schengenstaaten», sagt Kunz. Wichtig sei darum das Einhalten der Hygienemassnahmen – ob in der Schweiz oder im Ausland.

Welche Kantone sollte man meiden?

«Man kann nicht sagen, dass das Ansteckungsrisiko in einer Region oder einem Kanton höher ist als anderswo», sagt Wagenseil von der HSLU. Höhere Fallzahlen in einzelnen Kantonen hätten vor allem mit der Personendichte und der Anzahl durchgeführter Tests zu tun. Es kommt also weniger darauf an, wo man in der Schweiz Ferien macht – sondern eher, was für eine Art Ferien. Wagenseil sieht Aktivitäten wie Wanderungen und Velofahren oder auch Städtebummel, wo man sich viel im Freien bewegt, als besonders unproblematisch. «Riskanter ist es, wenn es Ballungen gibt – etwa in Hotspots wie an Seepromenaden oder in Badeanstalten.»

Ist es zu früh für die Herbstferien-Planung?

Welche Länder im Herbst auf der Quarantäneliste stehen, können die Experten nicht einschätzen. Ob man bucht, kommt darum vor allem auf die Stornierungsbedingungen an, sagt Laesser von der HSG: «Je nach Anbieter ist es schwierig, sein Geld zurückzubekommen, wenn man von sich aus von einer gebuchten Reise zurücktritt.» Er rät, eher zu warten, wenn eine Rückerstattung nicht problemlos möglich ist. «Der Nachteil ist, dass man dann später vielleicht nicht mehr genau das bekommt, was man sich wünschte – oder dass der Preis steigt.»

Das Problem mit Mehrfachbuchungen

Manche Touristen buchen gleich mehrere Aufenthalte für dieselbe Zeit, bloss weil eine kurzfristige Annullation möglich ist. Das hält Tourismus-Professor Urs Wagenseil von der HSLU allerdings für problematisch: «Wer mehrere Zimmer oder Wohnungen blockiert und beabsichtigt, sie am Ende einfach zu stornieren, schädigt mit grosser Wahrscheinlichkeit das Geschäft der eh schon gebeutelten Tourismus-Betriebe.» Er appelliert darum an die Fairness der Schweizer Touristen – wer vorausbucht, solle das nur mit ernsthaften Absichten tun.

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108 Kommentare
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Bayern Sepp

27.07.2020, 11:45

Wow,wer hätte das gedacht,das es der Timmendorfer Strand (Bild 1) tatsächlich in die Fotogalerie schafft?!?!

Chris

27.07.2020, 08:19

Wer in ferne Länder reisen will, der sollte das jetzt noch tun. Nächstes Jahr werden viele Destinationen geschlossen und die Preise für den Rest deutlich höher sein.

Corona Sparfuchs

27.07.2020, 07:59

Ich bleibe zu Hause im Garten. Echt cool wie viel Geld ich Dank Corona sparen kann. Denk Dank der teilweisen Masken Pflicht kann man auch sonst kein Geld ausgeben. Der Lohn kommt auf aufs Konto seit Monaten und bleibt da liegen.