Homohass: So reagieren Passanten auf Schwule und Lesben
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HomohassSo reagieren Passanten auf Schwule und Lesben

Böse Blicke und dumme Sprüche: Wir begleiteten mit einer versteckten Kamera ein lesbisches Paar und zwei Schwule durch Zürich.

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dk/jdk

Unterwegs mit zwei Schwulen und einem lesbischen Paar in Zürich (Video: jdk/tem/dk).

«Schwule können mit Schlägen geheilt werden»: Diese Aussage machte ein junger Mann vor einigen Wochen gegenüber 20 Minuten. Er ist nicht der einzige Schwulenhasser im Zürcher Nachtleben, sagt Devin* (24). Vor allem am Wochenende gleiche ein Spaziergang Hand und Hand mit seinem Partner einem Spiessrutenlauf. «Daher verzichte ich in der Öffentlichkeit bewusst darauf zu zeigen, dass ich schwul bin.» Loris* (30) nickt zustimmend. «Das bringt nur Ärger.» Beide sind schon beleidigt, bespuckt und sogar angegriffen worden.

Die beiden haben sich bereit erklärt, mit 20 Minuten an einem Samstagabend durch Zürich zu laufen. Mit dabei sind auch Vera* (19) und Tereza * (23). Sie wollen zeigen, wie es ist, wenn sich Homosexuelle Hand in Hand oder küssend durch die Öffentlichkeit bewegen. Um die Sicherheit der Beteiligten sicherzustellen, begleiten uns der Sicherheitsexperte Remo Michel und ein Mitglied seines Teams.

«Das ist nicht gut»

Kurz nach 22 Uhr geht es los. Devin und Loris blicken sich nervös an, geben sich die Hand und laufen los. Mit einer versteckten Kamera folgen wir ihnen vom Stauffacher über die Sihlstrasse zum Paradeplatz. Keine 50 Meter weiter, schon kurz nach der Sihlbrücke, erblicken Devin und Loris rund sieben junge Männer vor einer Subway-Filiale. «Oh Mann», entfährt es Loris. «Das ist nicht gut.»

Die beiden versuchen sich an der Gruppe vorbeizuschlängeln, doch wie auf Kommando heften sich diese an ihre Fersen. «Schwuchteln», sagt einer von ihnen. Ein anderer tut so, als würde er ihnen einen Faustschlag verabreichen wollen. Sein Kollege täuscht einen Kick mit dem Fuss vor. Vor dem Fussgängerstreifen drängt sich die Männergruppe mit nur wenigen Zentimetern Abstand um die beiden. Erst als die Gruppe sieht, dass sich die Sicherheitsleute in Position bringen, lassen sie sich zurückfallen.

«Von vielen als Sexobjekt betrachtet»

Auch bei Vera und Tereza, die seit zweieinhalb Jahren ein Paar sind, dauert es nicht lange, bis sie angesprochen werden. Als sie vor dem Fussgängerstreifen bei der Sihlstrasse auf grünes Licht warten, rollen die Insassen eines VW ihre Fenster runter. «Öhhh geil, seid ihr Lesben?!» grölen sie. Vera wendet sich ab, Tereza zeigt ihnen den Mittelfinger.

«Wir werden von vielen einfach als Sexobjekt betrachtet», sagt Tereza. «Ich werde immer wieder gefragt, ob ich Lust auf einen Seitensprung oder einen Dreier hätte. Viele meinen, ich dürfe meine Freundin betrügen, weil wir ja ‹nur› Lesben sind.» Zu Übergriffen sei es bei ihnen noch nie gekommen, aber Sprüche müssten sie sich immer wieder anhören.

An dumme Sprüche gewöhnt

Zu verschiedenen Sprüchen kommt es auch auf dem Weg vom Zürcher Hauptbahnhof ins Niederdorf. «Darf ich auch mal Händchen halten?», fragt etwa ein Mann beim Central und streicht Tereza dabei am Arm. «Also so nett wurden wir schon lange nicht mehr doof angemacht», sagt Vera.

Anders reagieren einige Leute im Niederdorf auf die Präsenz von Devin und Loris. «Heute mussten wir uns Sprüche wie Schwulette, schwule Sau, Schimpfwörter auf arabisch oder serbisch anhören. Dazu kamen die bösen Blicke von überall – wir haben uns daran gewöhnt», sagt Devin. Als wir beim Club Heaven in der Nähe des Zähringerplatzes ankommen, fällt er erleichtert einer Kollegin in die Arme. «Schwulsein ist leider für viele noch eine Provokation. Es wäre schön, wenn sich das irgendwann ändern würde.»

*Name geändert

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