Vierte Corona-Welle - So reagieren unsere Nachbarländer auf die explodierenden Fallzahlen
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Vierte Corona-WelleSo reagieren unsere Nachbarländer auf die explodierenden Fallzahlen

Nicht nur in der Schweiz steigen die Fallzahlen und die Sorge vor der neuen Virusvariante Omikron dominiert. Mit scharfen Massnahmen versuchen unsere Nachbarländer, die Situation in den Griff zu bekommen.

von
Florian Osterwalder
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Noch-Kanzlerin Angela Merkel und ihr Nachfolger Olaf Scholz diskutieren am 30. November 2021 über schärfere Massnahmen in Deutschland. 

Noch-Kanzlerin Angela Merkel und ihr Nachfolger Olaf Scholz diskutieren am 30. November 2021 über schärfere Massnahmen in Deutschland.

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Eines der Wahrzeichen Wiens ist leer. Der Prater, ein riesiger Vergnügungspark, ist aufgrund des landesweiten Lockdowns leer. 

Eines der Wahrzeichen Wiens ist leer. Der Prater, ein riesiger Vergnügungspark, ist aufgrund des landesweiten Lockdowns leer.

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In Frankreich kontrollieren die Behörden sogar in Aussenbereichen den Gesundheitspass. 

In Frankreich kontrollieren die Behörden sogar in Aussenbereichen den Gesundheitspass.

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Darum gehts

  • Seit Beginn der Pandemie gab es noch nie so viele Corona-Fälle in Deutschland wie jetzt gerade.

  • In Österreich gilt der landesweite Lockdown für Geimpfte noch bis zum 12. Dezember.

  • In Italien und Frankreich gilt eine Impfpflicht für Pflegepersonal.

Europaweit schnellen die Zahlen der Corona-Neuinfektionen in die Höhe. In der Schweiz wurden alleine am Dienstag 8422 Corona-Fälle gemeldet. Der Bundesrat tagt am Dienstag in einer ausserordentlichen Krisensitzung und wird wohl neue Massnahmen verkünden. Wir zeigen dir auf, wie unsere Nachbarländer bisher reagiert haben und welche Corona-Beschränkungen dort gelten.

Deutschland

Bei unserem nördlichen Nachbarn schnellen die Neuansteckungen durch die Decke. Seit Beginn der Pandemie gab es noch nie so viele Corona-Fälle wie jetzt gerade. Alleine am Montag vermeldete Deutschland 50’745 neue Fälle. In einzelnen Kliniken werden bereits elektive Operationen verschoben, da sich die Lage auf den Intensivstationen derweil zuspitzt, und erste Patienten verlegt werden müssen. Nicht überall in Deutschland ist die Lage gleich angespannt. Die Bundesländer mit überlasteten Intensivstationen sind laut «NDR» Sachsen, Thüringen und Bayern. Schwerkranke Intensivpatienten werden in Kliniken in Norddeutschland verlegt, wo noch Intensivbetten verfügbar sind.

Erste Bundesländer verkünden, dass es zum Beispiel in Fussballstadien Geisterspiele gibt, Grossveranstaltungen verboten werden und eine Maskenpflicht an Schulen gilt. Doch es werden auch Rufe nach noch härteren Massnahmen laut. So fordern einige einen Lockdown für Ungeimpfte oder Beschränkungen für das ganze Land und nicht nur regional.

Noch-Kanzlerin Merkel berät sich mit ihrem Nachfolger Olaf Scholz und den Regierenden der Bundesländer am Dienstag über die möglichen Verschärfungen. Bereits beschlossene Massnahme ist, dass Personen aus dem südlichen Afrika nicht mehr einreisen dürfen, ausser sie haben einen Wohnsitz in Deutschland. Dies wegen der neuen Omikron-Variante. Dazu muss jede einreisende Person aus einem solchen Gebiet für 14 Tage in Quarantäne, egal, ob geimpft oder ungeimpft.

Österreich

Die Regierung in Österreich hat bereits vor mehr als einer Woche die Notbremse gezogen. Seit dem 22. November gilt ein Lockdown für das ganze Land. Bis jetzt wurde der Lockdown für Geimpfte bis auf den 12. Dezember terminiert. Für Ungeimpfte soll er länger dauern. Bis jetzt hat der Lockdown auch bereits positive Auswirkungen.

Die Fallzahlen in Österreich sind rückläufig. Dennoch wird in den Intensivstationen in Niederösterreich eine Zunahme an Covid-Patienten erwartet, wie das «ORF» berichtet. Dort wurden bereits planbare medizinische Leistungen zuletzt «deutlich reduziert».

Trotz Lockdown gibt es bereits eine erste bestätigte Infektion mit der neuen Omikron-Variante. Dies im Bundesland Tirol. Dazu kommt, dass es mehrere Verdachtsfälle der Variante aus dem südlichen Afrika gibt.

Frankreich

Auch in Frankreich steigen die Corona-Fallzahlen drastisch an. Am 22. November wurden 18’479 Fälle gemeldet. Eine Woche später sind es bereits 29’297 neue Ansteckungen. Die Covis-Patienten, die auf der Intensivstation behandelt werden müssen, wird laut einer Hochrechnung des französischen Gesundheitsamtes Mitte Dezember ein ähnliches Niveau wie bei der ersten Welle erreichen, sollte die Ansteckungsrate weiter steigen.

In Frankreich sind bereits 88 Prozent der über Zwölfjährigen vollständig geimpft. Dazu kommt, dass Senioren und Risikopatienten eine Boosterimpfung brauchen, sonst verlieren sie ihren Impfstatus im französischen Gesundheitspass. Ohne den Gesundheitspass, das Pendant zum Schweizer Covid-Zertifikat, ist an eine Teilnahme am öffentlichen Leben kaum zu denken. In Frankreich kontrollieren die Behörden sogar in Aussenbereichen.

Auch in anderen Bereichen hat der französische Staat durchgegriffen. So gilt seit Mitte September eine Impfpflicht für Personen, die im Gesundheitswesen arbeiten.

Italien

Auch in Italien hat die Belegung auf Intensivstationen zugenommen, etwa in den Regionen Kalabrien und Emilia-Romagna. Besonders in letztere machen sich die Behörden Sorgen, wie «Modena Today» berichtet. «Wir rechnen in der nächsten Woche mit 35 Prozent mehr Fällen als in dieser Woche», sagte der Gesundheitsdirektor der Region Giuseppe Diegoli.

Dies, obwohl Ministerpräsident Mario Draghi bei unserem südlichen Nachbarn einen Militär-General zum Covid-Sonderkommissar Italiens berufen hat. Seit Paolo Figliuolo das Zepter in der Hand hat, schreitet die Impfkampagne zügig voran, berichtet das ZDF. In Italien wird man per SMS oder Benachrichtigung in der Covid-App zur Boosterimpfung aufgerufen. Vorrang haben vor allem Pflegepersonal, Lehrer und Risikogruppen. Ab Dezember dürfen dann auch die über 40-Jährigen die Boosterimpfung abholen. Auch in Italien gilt eine Impfpflicht für das Pflegepersonal, dies bereits seit April 2021.

Hinzu kommt, dass im ganzen Land in den öffentlichen Verkehrsmitteln und an den Arbeitsplätzen die sogenannte 3G-Regel herrscht. Und das bereits seit Mitte Oktober. Italien hat zudem eine Green-Pass-Pflicht auf den Skipisten angekündigt. Obwohl auch Italien eine Zunahme von Neuinfektionen vermeldet, ist das Gesundheitssystem nicht überlastet. Italienische Spitäler haben sogar Corona-Patienten aus Bayern aufgenommen.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Corona-Zeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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