Wegen Corona: So reagiert Davos auf die WEF-Absage

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Wegen CoronaSo reagiert Davos auf die WEF-Absage

Zuerst sollte das WEF lediglich verkürzt werden, jetzt wird es verschoben. Nun droht der Region Davos ein massiver Einbruch.

von
Fabian Pöschl
Sandro Spaeth
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Das WEF 2021 findet nicht wie gewohnt im Januar statt.

Das WEF 2021 findet nicht wie gewohnt im Januar statt.

KEYSTONE
Die Veranstalter haben den Wirtschaftsevent wegen der Corona-Krise verschoben.

Die Veranstalter haben den Wirtschaftsevent wegen der Corona-Krise verschoben.

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Neu soll das WEF 2021 an einem noch unbekannten Datum im Sommer stattfinden.

Neu soll das WEF 2021 an einem noch unbekannten Datum im Sommer stattfinden.

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Darum gehts

  • Das WEF 2021 findet nicht im nächsten Januar statt.
  • Die Veranstalter haben die kommende Ausgabe wegen Corona verschoben.
  • Neu soll das nächste WEF im Sommer 2021 stattfinden.

Es war eine Absage auf Raten: Schon im Juni kündigte das WEF für die Ausgabe 2021 Veränderungen an. Tausende junger Leute sollten online mit den Forumsteilnehmern in Dialog treten können. Anfang August wurde schliesslich bekannt, dass beim WEF im kommenden Januar nur 500 statt 3000 Personen teilnehmen werden.

Am Mittwochmittag teilte das WEF nun offiziell mit, das Jahrestreffen 2021 – es hätte unter dem Motto «Der grosse Neustart» gestanden – auf Anfang nächsten Sommer zu verschieben. Die Organisatoren sind aufgrund der unsicheren Pandemie-Entwicklung zum Schluss gekommen, dass eine sichere Durchführung der Veranstaltung nicht garantiert werden kann.

Absage als logischer Schritt

Für den Davoser Tourismusdirektor Reto Branschi ist die Absage der Veranstaltung vom Januar 2021 ein harter Schlag: «Ich habe die verschiedenen Szenarien gekannt. Es gab die Möglichkeiten eines WEF mit 1500, 200 oder Null Gästen.» Vom Aus erfahren hat er am Mittwochmorgen. «Die Absage war ein logischer Schritt. Die Organisatoren konnten gar nicht anders», so Branschi, der trotzdem bis zum Schluss gehofft hat. «Leider musste die Hoffnung der Realität weichen», so der Touristiker zu 20 Minuten.

Viele Firmen verbieten laut Branschi intern bereits das Reisen bis weit ins Jahr 2021. «Da kann der Chef keinesfalls ans WEF reisen.» Zudem drohten den WEF-Teilnehmern Quarantäne und Einreisesperren.

Davos droht massiver Einbruch

Das WEF bringt der Region Davos in einer Woche eine Wertschöpfung von rund 60 Millionen Franken. «Jetzt droht uns ein massiver Einbruch», so der Tourismusdirektor. Hart getroffen würden die Hotels und die Ferienwohungsanbieter. Diesen Verlust könne man mit anderen Gästen nicht kompensieren. Insgesamt bringt der Winter in Davos eine Wertschöpfung von 600 Millionen Franken.

Branschi wäre aber nicht Tourismusdirektor, würde er nicht auch eine Chance sehen: «In den letzten Jahren wurde das WEF von vielen schlecht behandelt und als Milchkuh ausgenutzt. Hoffentlich bekommt das WEF bald wieder jene Behandlung, die es verdient.»

Auch der Bündner Tourismus-Förderer Graubünden Ferien bedauert den Ausfall des WEF im Januar. Zum volkswirtschaftlichen Ausfall kommen die Auswirkungen auf den Bündner Tourismus hinzu. Das WEF habe eine enorme Strahlkraft, indem es den Namen von Davos und die schönsten Winterbilder in die ganze Welt hinaus trage, sagt ein Sprecher von Graubünden Ferien zu 20 Minuten. Davon profitiere der ganze Bündner Tourismus.

94 Millionen Franken Umsatz

Das ist das WEF

Das WEF ist eine der wichtigsten wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Veranstaltungen der Welt. Es findet für gewöhnlich Ende Januar in Davos statt. Bisher haben jeweils rund 3000 Personen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kultur daran teilgenommen. Sie stammten aus rund 90 Ländern. Rund 500 Medienschaffende berichten für in- und ausländische Medien über das Geschehen in Davos. Das 4-tägige Forum kostet den Steuerzahler offiziell mindestens 9 Millionen Franken an Sicherheitskosten. Das WEF verfügt über ein Eigenkapital von 310 Millionen Franken. Laut einer Studie der HSG St. Gallen beträgt der durch das WEF ausgelöste Gesamtumsatz in Davos rund 60 Millionen Franken und in der gesamten Schweiz rund 94 Millionen Franken.

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