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«Norwegischer Trainer steckte den Kurs»So reagiert der Adelboden-Rennleiter auf die schlimmen Ski-Stürze

Das Ski-Wochenende in Adelboden ist vorbei. Die Bilanz: Spannende Rennen, ein gutes Schweizer Teamergebnis – und viele Stürze. Wir haben mit dem Rennleiter Hans Pieren gesprochen.

von
Nils Hänggi

Das ist er, der schlimme Sturz des US-Fahrers Tommy Ford.

Video: SRF

Darum gehts

  • Am Wochenende fanden die Adelboden-Rennen statt.

  • Viele Fahrer stürzten.

  • Das sagt der Adelboden-Rennleiter Hans Pieren dazu.

Der Anblick: furchtbar. US-Fahrer Tommy Ford liegt am Pistenrand. Den Kopf zur Seite gedreht, einen Arm nach hinten gekrümmt, die Beine noch im Fangnetz. Ford bewegt sich nicht. Sekunden vergehen, bis Helfer herbeieilen und beginnen, sich um den amerikanischen Skirennfahrer zu kümmern. Gar ein Helikopter muss kommen, der ihn abtransportiert. Der Schock, der war riesig. Die Ski-Fans weltweit bangten um den 31-Jährigen.

Immerhin: Der US-Verband konnte mittlerweile leichte Entwarnung geben. So teilte der Verband mit, dass sich Ford nur leichte Kopf- und Nackenverletzungen zugezogen habe. Ausserdem habe der US-Amerikaner eine Knieverletzung unbestimmten Grades erlitten. Alles gut also? Nun – nicht ganz.

Ford war nämlich nicht der einzige Fahrer, der schlimm stürzte. Am Freitag hatten über 20 Fahrer das Rennen nicht beendet, 18 waren es im zweiten Riesenslalom am Samstag. Die drei Norweger Timon Haugan, Atle Lie McGrath und Lucas Braathen verletzten sich schwer. Braathen könnte wegen seines kaputten Knies gar über ein halbes Jahr lang ausfallen. Er kam nach der Zieldurchfahrt zu Fall, schlug hart mit dem Kopf auf. Teamkollege Aleksander Aamodt Kilde fand heftige Worte. Als er Braathens Unfall sah, er meinte: «Als ich die Bilder sah, war ich richtig geschockt.»

Und so tobten mehrere Fahrer. Der Norweger Henrik Kristoffersen etwa. Gegenüber dem Sender TV2 sprach er von einer «komplett kopflosen» Kurssetzung. Er kritisierte, dass die Fahrer deshalb extrem schnell wurden, und das just in einem so steilen Abschnitt wie dem berüchtigten Schlusshang von Adelboden. «Wenn der Schnee dann noch so aggressiv ist, ist das lebensgefährlich», schimpfte der Norweger. Und: «Das ist echt eine Schande, weil es unnötig ist.» Und auch die Schweizer äusserten sich skeptisch. Marco Odermatt nannte den Zielhang einen «Saucheib», Semyel Bissig, der auch an jenem Hang stürzte, meinte, in Adelboden könne man nicht einfach nur runterfahren. «Hier muss man aktiv sein und angreifen – sonst greift dich das Chuenisbärgli an.»

Das meinte Marco Odermatt zum Zielhang.

Video: SRF

«Der norwegische Trainer steckte den schnellsten Lauf»

Hans Pieren, Adelboden-Rennleiter, ist anderer Meinung. Er sagt: «Das Wort «Saucheib» von Odermatt war doch nicht negativ gemeint. Und die Worte von Kristoffersen? Er ist gerade angeschlagen, kommt nicht in Fahrt. Die Kritik äusserte er direkt nach dem Rennen, also zu einem Zeitpunkt, wo er emotional sehr aufgewühlt war.» Und: «Ich finde so Sachen immer schwierig. Emotionsgeladene Zitate müsste man eigentlich streichen und erst 24 Stunden nach dem Rennen mit den Betroffenen reden, wenn sich alle Gemüter beruhigt haben.»

Angesprochen auf die Schwierigkeit des Hangs meint Pieren: «Er ist, wie er ist. Das macht den Chuenisbärgli zum Klassiker und zum schwierigsten Hang des Weltcups. Die Kurssetzung ist entscheidend, ob es gefährlich wird.» Dass der Hang aber schuld an den Stürzen sei, sei Unsinn. «Ohne den Start- und Zielhang ist die Strecke eine rote Piste. Eine Piste, die im restlichen Jahr offen für alle Skifahrerinnen und Skifahrer ist», so Pieren. Und: «Der norwegische Trainer, also der Trainer von Kristoffersen, hat den schnellsten Lauf des Wochenendes gesteckt.»

Der Rennleiter vermisste die Fans

Aber natürlich, so der Rennleiter weiter, belaste ihn jeder Sturz. Es tue ihm weh, wenn sich ein Fahrer verletze. «Ich bin einfach froh, dass die Helfer bei jedem Sturz so schnell reagiert haben», sagt Pieren. Das sei doch das Wichtigste.

Und damit liegt er richtig. Scheint es also nur in den TV-Bildern so, als ob die Helfer lange brauchen, bis sie zu Ford kommen? Pieren zumindest ist zufrieden mit den Helfern, mit den Abläufen – ja, mit dem ganzen Wochenende. «Mein persönliches Highlight? Das ganze Weekend. Alles passte, auch die Piste. Sie war perfekt. So bekommen wir sie vielleicht nur alle 10 Jahre hin», freut sich Pieren. Alles gut also? Nicht ganz. Der Adelboden-Rennleiter gibt zu: «Die Zuschauer, die habe ich vermisst.»

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64 Kommentare
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Märku46

12.01.2021, 11:42

Purzelnde Fahrerinnen und Fahren wären eigentlich ganz lustig, wenn die schlimmen Verletzungen nicht wären.

C. Igaja

12.01.2021, 11:23

Ich war dabei, als ganze Schulklassen die Piste am Chuenis mit den Schuhen feststampften (2x am Tag), und am Renntag bewunderten wir Kinder die tollen Pullover und 'Tony Sailer-Mützen der Rennfahrer! Heute tun sie mir leid, diese gepanzerten Kampfmaschinen auf dem Kunsteis, die ihre Muskeln und Gelenke opfern - und am Ziel eine Maske vors Gesicht hängen müssen.

Tesflash

12.01.2021, 11:17

Das hat doch nichts mehr mit Sport zu tun! Nur noch irrsinnig.