27.01.2020 21:09

Aktien, Öl und GoldSo reagiert die Wirtschaft auf das Coronavirus

Das Coronavirus hat auch Folgen für die Schweizer Wirtschaft: Es bremst die Börse aus, schadet dem Tourismus und Schweizer Luxusmarken.

von
B. Scherer
1 / 9
Das Coronavirus drückt nicht nur auf die Börse in China ...

Das Coronavirus drückt nicht nur auf die Börse in China ...

Kimimasa Mayama
... auch der Schweizer Leitindex ist am Montag um 1,07 Prozent auf 10'733 Punkte abgesackt.

... auch der Schweizer Leitindex ist am Montag um 1,07 Prozent auf 10'733 Punkte abgesackt.

Keystone/Ennio Leanza
Unter der Ausbreitung des Virus in China leiden besonders die Luxus-Marken: Der Branchenindex hat am Montagmorgen 1,8 Prozent verloren. Die Swatch-Aktie hat 2,9 Prozent verloren.

Unter der Ausbreitung des Virus in China leiden besonders die Luxus-Marken: Der Branchenindex hat am Montagmorgen 1,8 Prozent verloren. Die Swatch-Aktie hat 2,9 Prozent verloren.

Keystone/Gaetan Bally

Das Coronavirus breitet sich weiter aus: Inzwischen sind in Frankreich, Österreich und möglicherweise sogar der Schweiz Menschen an dem Virus erkrankt. Das verängstigt viele und hat auch direkte Folgen für die Schweizer Wirtschaft:

Luxusmarkt gelähmt

Unter der Ausbreitung des Virus in China leiden besonders die Luxusmarken: Der Branchenindex hat am Montagmorgen 1,8 Prozent verloren. Einerseits ziehen sich Anleger zurück, andererseits wirkt sich das Reiseverbot für chinesische Gruppen negativ aus. «Schliesslich wird ein wesentlicher Teil von Luxusgütern auf Reisen gekauft», erklärt ZKB-Analyst Patrik Schwendimann. Das bekommen auch Schweizer Marken zu spüren: Die Swatch-Aktie hat 2,9 Prozent verloren. Die Lage sei ähnlich wie 2002 beim Sars-Ausbruch. «Damals haben die Luxusgüterumsätze einige Monate stark unter dem Virus gelitten, haben sich danach aber wieder rasch erholt. Ich denke, das könnte beim Coronavirus ähnlich verlaufen», so Schwendimann.

Börse stürzt ab

Auch die Börse bleibt vom Coronavirus nicht verschont: Am Montag fiel der Schweizer Leitindex SMI teilweise um 1,12 Prozent auf 10'642 Punkte. Laut UBS-Analysten ist das Coronavirus der Hauptgrund für diesen Absturz. Das bestätigt auch Claude Maurer, Analyst der Credit Suisse, 20 Minuten: «Die Angst auf dem Finanzmarkt ist zu sehen.» Jedoch sei dieser Rückschlag noch nicht problematisch. Denn aufgrund der politischen Lage auf der Welt sei unabhängig vom Coronavirus mit temporären Rückschlägen auf dem Finanzmarkt zu rechnen gewesen.

Pharmafirmen profitieren

Während die Börse und Luxusmarken unter der Verbreitung des Virus leiden, steigen die Aktien bei US-Pharmafirmen, die an Mitteln gegen das Coronavirus forschen, in die Höhe: Die Aktie von Biocryst ist am Montag im vorbörslichen Geschäft um 8,5 Prozent gestiegen. Beim Impfstoffanbieter Novavax ist der Wert um knapp 20 Prozent gestiegen. Auch die US-Firma Alpha Pro Tech, die Mundschutz und Schutzmasken anbietet, profitiert: Die Aktie ist innerhalb mehrerer Tage über 24 Prozent auf 7,48 Dollar angestiegen. Auch in der Schweiz wird an einem Impfstoff gegen das Coronavirus geforscht, wie der Pharmaverband Interpharma bestätigt. Die Entwicklung eines Impfstoffs sei aber sehr komplex und dauere rund ein Jahr.

Tourismusbranche leidet

Weil das chinesische Tourismusministerium den Verkauf von Gruppenreisen ins Ausland gestoppt hat, leidet der Schweizer Tourismus. So sind beispielsweise die Aktien der Jungfraubahn um bis zu 3,8 Prozent eingesackt. «Orte wie Luzern, Zürich und Interlaken werden das Reiseverbot sicher zu spüren bekommen», sagt Urs Wagenseil, Tourismusexperte an der Hochschule Luzern, zu 20 Minuten. Dort sei der Anteil der chinesischen Touristen hoch. Einbrechen werde die hiesige Tourismus aber nicht. «Menschen aus aller Welt besuchen die Schweiz und reduzieren damit die Abhängigkeit von einem Land.»

Billiges Öl

Wegen des Coronavirus spekulieren einige Anleger mit einer geringen Nachfrage aus China. Das sendet Rohstoffe wie Öl auf Talfahrt: So verbilligte sich die Ölsorte Brent am Montagmorgen um 2,25 Prozent auf 59,38 Dollar pro Fass. An den Schweizern Tanksäulen spürt man das aber nicht sofort: Denn neben dem Ölpreis spielen andere Faktoren wie staatliche Abgaben eine wichtige Rolle im Benzinpreis, was grössere Schwankungen an der Zapfsäule limitiert, wie UBS-Analysten auf Anfrage erklären.

Gold noch teurer

Viele Anleger sind durch die Ausbreitung der Krankheit aus China verunsichert und investieren deshalb in sichere Währungen wie Gold. So ist der Goldpreis um 1 Prozent innerhalb weniger Stunden angestiegen: Eine Feinunze war am Montag bis zu 1586,43 Dollar wert, wie Reuters schreibt. Auch der Franken gilt als stabile Währung und ist deshalb leicht erstarkt. Corina Hennig, Anlagespezialistin bei der Bank Cler, geht aber davon aus, dass es sich hierbei um eine temporäre Entwicklung handelt, denn der Goldpreis sei in den letzten Wochen aufgrund des Iran-Konflikts schon stark gestiegen. Allerdings: «Eine verstärkte Unsicherheit könnte den Aufwärtsdruck beim gelben Metall durchaus verstärken.»

Bleiben Sie über Wirtschaftsthemen informiert

Wenn Sie die Benachrichtigungen des Wirtschaftskanals abonnieren, bleiben Sie stets top informiert über die Entwicklungen der Business-Welt. Erfahren Sie dank des Dienstes zuerst, welcher Boss mit dem Rücken zur Wand steht oder ob Ihr Job bald durch einen Roboter erledigt wird. Abonnieren Sie hier den Wirtschafts-Push (funktioniert nur in der App)!

Social Media

Sie finden uns übrigens auch auf Facebook, Instagram und Twitter!

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.