Aktien, Gold, Bitcoin  – So reagiert die Wirtschaft auf den Krieg in der Ukraine

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Aktien, Gold, Bitcoin So reagiert die Wirtschaft auf den Krieg in der Ukraine

Der Krieg in der Ukraine bringt die Börsen weltweit zum Absturz. Wie sollen Anlegerinnen und Anleger darauf reagieren? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

von
Marcel Urech
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Der Swiss Market Index (SMI) der Schweizer Börse hat bis am Donnerstagnachmittag (14.25 Uhr) rund 3,5 Prozent an Wert eingebüsst. Der SMI bildet die 20 bedeutendsten Schweizer Aktien ab.

Der Swiss Market Index (SMI) der Schweizer Börse hat bis am Donnerstagnachmittag (14.25 Uhr) rund 3,5 Prozent an Wert eingebüsst. Der SMI bildet die 20 bedeutendsten Schweizer Aktien ab.

20min/Michael Scherrer
Auch die Aktienbörsen in Russland, Japan, China, Deutschland und der USA sind im freien Fall.

Auch die Aktienbörsen in Russland, Japan, China, Deutschland und der USA sind im freien Fall.

AFP
Der Schweizer Franken gelte in Krisenzeiten ähnlich wie Gold als sicherer Hafen und sei nun gefragt, sagt Christian Gattiker, der Chef­stra­te­ge der Bank Julius Bär.

Der Schweizer Franken gelte in Krisenzeiten ähnlich wie Gold als sicherer Hafen und sei nun gefragt, sagt Christian Gattiker, der Chef­stra­te­ge der Bank Julius Bär.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Der Krieg in der Ukraine hat dazu geführt, dass alle grossen Aktienmärkte abgestürzt sind.

  • Auch Bitcoin und Kryptowährungen sind im Sinkflug.

  • Zudem steigen nun auch die Preise für gewisse Rohstoffe, weil der Nachschub aus Russland stocken könnte. 

Russland ist in die Ukraine einmarschiert – und die Finanzmärkte leiden. Warum? 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Kriegs.

Welche Auswirkungen hat der Krieg auf die Schweizer Börse?

Der Krieg verunsichert Anlegerinnen und Anleger – das drückt die Kurse in die Tiefe. Der Schweizer Aktienindex SMI, der die 20 bedeutendsten Schweizer Aktien abbildet, hat mit minus 2,45 Prozent in den Tag gestartet und sank zweitweise auf unter 11’500 Punkte. So tief notierte er zuletzt im September.

Was ist mit den Aktienmärten in den USA und Russland?

Auch die US-Börse leidet. Der Dow Jones, der 30 US-Firmen abbildet, startete mit mehr als minus zwei Prozent in den Tag. Auch der S&P 500, der 500 Firmen abdeckt, stürzte über Nacht mehr als 1,5 Prozent ab. Moskau setzte den Handel kurzfristig aus, die Anlegerinnen und Anleger ziehen sich zurück. Der RTS-Index, der 50 russische Firmen umfasst, verlor fast die Hälfte seines Wertes.

Wie sieht es in Deutschland und Asien aus? 

Auch nicht besser. Sämtliche 40 Werte im deutschen Aktienindex Dax waren am Donnerstagmittag rot. Zeitweise rutschte der Dax auf unter 13’900 Punkte. Auch die Börsen in Japan und China sind im Minus.

Ich halte Aktien und bin im Minus – was soll ich tun?

Ruhig bleiben und die Wertpapiere halten, rät Christian Gattiker, der Chef­stra­te­ge der Bank Julius Bär. Jetzt panikartig zu verkaufen, sei nicht clever. Das zeige die Erfahrung aus der Vergangenheit. Es sei wohl die bessere Strategie, den Ukraine-Schock auszusitzen und abzuwarten, bis sich die Situation kläre, so Gattiker.

Was passiert nun mit dem Schweizer Franken?

Der Schweizer Franken hält am Donnerstag seinen Kurs. Langfristig dürfte er aber an Wert gewinnen. «Der Franken gilt in Krisenzeiten ähnlich wie Gold als sicherer Hafen und ist nun gefragt», sagt Gattiker. Der Aufwertungsdruck könnte darum anhalten. Das hätte wohl auch negative Folgen für Schweizer Unternehmen, die stark vom Export abhängig sind.

Wie sieht es mit anderen Währungen aus?

Die Nachfrage nach dem Yen und dem US-Dollar könnte nun steigen, sagt Gattiker. Währungen in den grossen Industrieländern seien jetzt im Vorteil. Der russische Rubel ist gegenüber dem Dollar hingegen um über sechs Prozent eingebrochen. Auch der Euro gab nach. Ein Euro kostet aktuell etwa 1,03 Schweizer Franken.

Warum steigt nun der Goldpreis?

Gold gilt bei den Anlegern in unsicheren Zeiten als sicherer Hafen. Darum geht der Kurs nun rauf: Eine Feinunze Gold (31,1 Gramm) kostet am Donnerstag um 14.30 Uhr rund 1800 Franken – so viel wie seit Januar 2021 nicht mehr.

Wie reagieren Bitcoin, Ethereum & Co. auf den Krieg?

Fans bezeichnen den Bitcoin oft als «digitales Gold». Doch während Gold steigt, stürzt Bitcoin gerade ab. «Auch Kryptowährungen sind keine Versicherung gegen schlechte Tage», sagt Gattiker. Stattdessen seien nun «sichere Häfen» wie Staatsanleihen, der Schweizer Franken und der US-Dollar gefragt.

Steigen jetzt die Preise für Rohstoffe?

Ja. Der Preis für Aluminium ist an der Börse in London zum Beispiel auf ein Rekordhoch gestiegen: Eine Tonne kostet zeitweise über 3390 US-Dollar. Das sind etwa 1,5 Prozent mehr als in der Vorwoche. Anlegerinnen und Anleger befürchten, dass der Nachschub aus Russland nun stockt. 

Was bedeutet der Krieg für den Öl- und Benzinpreis?

Ein Fass Öl kostet erstmals seit über sieben Jahren über 100 Dollar. Das ist auch an Schweizer Tankstellen spürbar: Einige haben ihre Preise erneut erhöht und durchbrechen wohl bald die Zwei-Franken-Schwelle. Damit summiert sich das Plus beim Öl in diesem Jahr auf rund 30 Prozent, nachdem sich der Kurs bereits im vergangenen Jahr verdoppelt hatte, wie die Nachrichtenagentur DPA schreibt.

So entsteht der Benzinpreis

Der Benzinpreis setzt sich aus Abgaben, Beschaffungskosten und Vertriebskosten zusammen. Auch die Lagerung, der Transport, die Logistik und das Marketing kosten. Relevant sind auch der Erdölpreis und der Franken-Dollar-Kurs. Staatliche Abgaben verursachen laut dem Verband der Treibstoffimporteure Avenergy über die Hälfte des Benzinpreises. Zusätzlich gibt es eine Mehrwertsteuer von 7,7 Prozent.

Werden Lebensmittel nun teurer?

Ja. Der Preis für Weizen ist laut AFP auf einen neuen Höchststand gestiegen. An der europäischen Börse Euronext kostete eine Tonne Weizen zur Lieferung im März am Donnerstagmittag 344 Euro. Das sind etwa 30 Euro mehr als im letzten November. Auch der Preis für Mais stieg innerhalb einer Woche um über fünf Prozent auf über sieben US-Dollar an. Der Grund dafür ist, dass die Ukraine ein wichtiger Getreidelieferant ist.

Soll ich jetzt in Kunst investieren?

«Wegen einer geopolitischen Krise in Kunst zu investieren, ist keine gute Idee», sagt Gattiker. Diese Strategie habe sich nicht bewährt. Der Markt sei komplex und nicht ohne Risiken, warnt der Chefstratege von Julius Bär.

Hast du ein Trauma oder Gewalt erlitten? Hier findest du Hilfe

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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