Aktualisiert 06.02.2019 10:52

Sicherheit

So reagiert Flixbus auf die Handy-Lenker

Chauffeure am Handy und ein tragischer Unfall: Sind die Fernbusse noch sicher? Das Unternehmen nimmt Stellung und sagt, wie es mit Handy-Lenkern umgeht.

von
Stefan Ehrbar

Nachdem mehrere Flixbus-Fahrer während des Fahrens am Handy erwischt wurden und nach dem Unfall in Zürich mit zwei Todesopfern nimmt Flixbus Stellung. Sprecher Martin Mangiapia erklärt, weshalb die Busse sicher sind und wieso keine Schweizer Firmen für Flixbus fahren.

Herr Mangiapia, allein in den letzten zehn Monaten berichteten uns Leser aus der Schweiz von fünf Flixbus-Fahrern, die während der Fahrt ihr Handy bedienten. Welche Regeln gelten bei Flixbus?

Die Busfahrer sind bei unseren Partnern angestellt. Diese werden von uns vertraglich zur Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen verpflichtet. Das betrifft natürlich auch die Nutzung des Handys – zur Sicherheit der Fahrgäste und der Fahrer gleichermassen. In regelmässigen Schulungen für die Fahrer trainieren wir nicht nur Service-, sondern auch Sicherheitsaspekte.

Mit welchen Konsequenzen muss ein Flixbus-Fahrer rechnen, wenn er mit dem Handy erwischt wird?

Verstösse gegen Sicherheitsbestimmungen werden von uns keinesfalls toleriert und wir gehen jedem Hinweis konsequent nach. Wir können immer sofort eine Nachschulung veranlassen, um die Fahrer für das Thema weiter zu sensibilisieren, und unsere Buspartner sprechen in der Regel umgehend eine Abmahnung aus.

Die Verkehrsbetriebe Zürich kündigen Busfahrern fristlos, die mit dem Handy erwischt werden. Wieso machen sie das nicht auch?

In vielen Schweizer Betrieben des öffentlichen Verkehrs wird in solchen Fällen erst einmal abgemahnt und erst bei einer Wiederholungstat gekündigt. Letztlich liegt die Entscheidung darüber bei unseren Buspartnern.

Viele Busfahrer bei Flixbus kommen aus Osteuropa. Ein deutscher Busfahrer verdient zudem durchschnittlich nur etwa 2300 Euro brutto pro Monat. Sind da solche Fälle nicht vorprogrammiert?

Unsere Partner bezahlen ihre Fahrer nach national üblichen Tarifen. Gehälter und Lebenshaltungskosten sind in der Schweiz höher als etwa in Polen. Sobald wir innerhalb von Deutschland Passagiere befördern, bezahlen wir den deutschen Mindestlohn. In vielen deutschen Bundesländern gibt es Tarifverträge, die weit über dem gesetzlichen Mindestlohn liegen. Darüber hinaus kämpft die Branche mit Fahrermangel. Busunternehmer können es sich gar nicht leisten, schlecht zu bezahlen, weil die Fahrer sonst den Arbeitgeber oder Job wechseln.

Nach wie vor hat aber Flixbus keinen einzigen Schweizer Buspartner. Die Vermutung liegt nahe, dass das auch an den hohen Löhnen und Standards liegt.

Für das Schweizer Inlandnetz haben wir mit Eurobus einen starken Partner. Wegen der Kabotage-Regelung sind für die Schweiz ansonsten nur internationale Verkehre möglich. Die meisten Halte einer Verbindung liegen damit ausserhalb der Schweiz. Die Zusammenarbeit mit Buspartnern aus umliegenden Ländern ist damit praktikabler und aus operativen Gesichtspunkten sinnvoller.

Nach dem Unfall in Zürich mit zwei Todesopfern wurde Kritik an Flixbus laut. Wie garantieren Sie die Sicherheit?

Die Sicherheit hat für uns oberste Priorität. Schwere Unfälle mit dem Fernbus kommen ausserordentlich selten vor. Die Unfallquote lag 2016 bereits unter jener von 2012, die Unfallzahlen sind rückläufig.

Was unternimmt Flixbus konkret?

Der TÜV Süd Auto Plus prüft in unangemeldeten Kontrollen klar definierte Aspekte wie Bereifung, Karosserie oder Beleuchtung. Durch klar geregelte Lenk- und Ruhepausen stellen wir sicher, dass die Fahrer immer konzentriert am Steuer sitzen. Eine rund um die Uhr besetzte Betriebssteuerung steht den Fahrern zur Verfügung. Sie überwacht den Verkehr und kann den Fahrern Hilfe leisten. Ausserdem werden jeden Monat mehrere Mystery-Checks durchgeführt. Die Ergebnisse werden den Partnerunternehmen via App übermittelt. Darüber hinaus ermöglicht die Digitalisierung der Busflotte Kontrollen in Echtzeit und eine präzise Auswertung der Fahrtdaten.

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