20.03.2017 16:37

Bitcoin, Auftragsmörder, NerdsSo realistisch war der Darknet-«Tatort»

Borowski sucht im neuesten Fall im dunklen Netz nach einem Auftragskiller. IT-Sicherheitsexperte Marc Ruef erklärt, wie glaubwürdig die Darstellung ist.

von
swe
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Der Leiter der Cybercrime-Abteilung des Landeskriminalamtes Kiel wird Opfer eines Mordanschlags. Die Kommissare Borowski und Brandt übernehmen die Ermittlungen.

Der Leiter der Cybercrime-Abteilung des Landeskriminalamtes Kiel wird Opfer eines Mordanschlags. Die Kommissare Borowski und Brandt übernehmen die Ermittlungen.

NDR/Christine Schroeder
Das Problem: Der Mordauftrag wurde über das Darknet erteilt. Bei der Suche nach dem Täter helfen deshalb Kollegen, die sich mit der Materie auskennen.

Das Problem: Der Mordauftrag wurde über das Darknet erteilt. Bei der Suche nach dem Täter helfen deshalb Kollegen, die sich mit der Materie auskennen.

NDR/Christine Schroeder
Die Cybercrime-Spezialisten Cao und Dennis überprüfen mit Borowski das Handy des Toten.

Die Cybercrime-Spezialisten Cao und Dennis überprüfen mit Borowski das Handy des Toten.

NDR/Christine Schroeder

Herr Ruef, Sie haben sich die «Tatort»-Folge «Borowski und das dunkle Netz» angesehen. Ihr erster Eindruck?

Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass es sehr schwierig ist, ein technisch komplexes Thema wie Cybercrime einem fachfremden Publikum schmackhaft zu machen. Deshalb war ich umso mehr erstaunt, dass man hier überdurchschnittlich gute Arbeit geleistet hat. Die Folge hat mir eigentlich auf ganzer Linie gefallen, ein Kompliment an die Macher.

Im Film geht es um das Darknet und Cyberkriminalität. Wie realistisch werden diese Themen dargestellt?

Die technischen Hintergründe wurden gut illustriert. Das Vorgehen der Täter und die Möglichkeiten der Ermittlungsbehörden entsprechen dem Stand der Dinge. Abgesehen von technischen Aspekten wurde aber auch den subkulturellen Eigenschaften mit einer hohen Liebe zum Detail Rechnung getragen. Es gab eine Menge Insider-Witze, die vielen Zuschauern verborgen geblieben sein dürften. Beispielsweise der Hinweis, dass man für die Cybercrime-Ermittlungen zu wenig Budget hat.

Kann man einem Täter, der sich im Darknet versteckt, überhaupt auf die Spur kommen?

Das Ziel ist, dass man im Darknet nicht einfach so identifiziert werden kann. Der Täter machte aber einen Fehler, eines der Videos auf seiner Website durch direkte Zugriffe erreichbar zu machen. Dadurch kann eine Deanonymisierung stattfinden, was ein üblicher Fehler in diesem Kontext ist. Schliesslich passieren solche Fehler über kurz oder lang. Entweder aus Unwissen oder aus Nachlässigkeit. Diesen einen Fehler müssen die Ermittlungsbehörden finden, eventuell muss man ständig am Puls der Aktivitäten dabei sein, um bei seinem Eintreten sofort zugreifen zu können.

Ein verstecktes Muster auf einer vom Laserdrucker ausgedruckten Seite führt schliesslich zur Lösung des Falles. Ist dies möglich?

Diese sogenannten Machine Identification Codes existieren tatsächlich und werden von handelsüblichen Druckern angebracht. Diese individuellen Signaturen bestehen normalerweise aus kleinen gelben Punkten, die man mit blossem Auge nicht identifizieren kann. Wie die Codierung genau durchgeführt wird, wird von den Drucker-Herstellern geheim gehalten.

Ist das Darknet wirklich ein Hort für kriminelle Aktivitäten?

Ein Grossteil der Aktivitäten im Darknet hat einen kommerziellen Hintergrund. Es gibt eine Vielzahl verschiedener Marktplätze und Angebote, die die Grenze zum Illegalen überschreiten: Drogen, Waffen, Falschgeld, verbotene Pornografie. Man darf aber nicht vergessen, und das wurde durch die beiden Spezialisten im «Tatort» ebenfalls festgehalten, dass durch Mechanismen wie Tor (ein Netzwerk zur Anonymisierung von Verbindungsdaten) eine unzensierte Kommunikation möglich wird. Das nutzen auch Whistleblower, Journalisten oder Dissidenten.

Auftragsmord als Dienstleistung im Darknet, existiert das tatsächlich?

Ja, es gibt verschiedene Angebote, bei denen man Leute für Geld umbringen, vergewaltigen oder verprügeln lassen kann. Viele davon lassen sich als Provokationen oder betrügerische Angebote entlarven. Es zeigt sich aber, dass dennoch auch echte Morde in Auftrag gegeben lassen werden können. Zum Beispiel hat das FBI einen sehr spannenden Chat-Mitschnitt veröffentlicht, der die Verhandlungen für einen solchen Auftragsmord aufzeigt.

Was spricht dafür, dass es das Darknet gibt?

Gesellschaftlich müssen wir uns einig werden, ob, was und wie viel überwacht und eingeschränkt werden soll. Wir sind erst am Anfang dieser Diskussion des digitalen Zeitalters, die vielleicht auch nie zu einem echten Ende kommen wird. Die Bedürfnisse nach Kontrolle und Sicherheit widersprechen den Bedürfnissen nach Freiheit und Kommunikationsmöglichkeit. Solange es die beiden Letztgenannten aber gibt, haben Systeme wie das Darknet ihre Daseinsberechtigung. Meines Erachtens ist das Einschränken von Kommunikation immer falsch.

Wie anonym ist man bei der Nutzung des Darknets tatsächlich?

Dies kommt auf die Aktivitäten und Vorkehrungen an. Mit genügend Aufwand und Disziplin ist die Deanonymisierung eines Täters sehr schwierig. Es gibt jedoch verschiedene technische Möglichkeiten, eine solche vorzunehmen. Dass die NSA dazu in der Lage ist, haben sie in der Vergangenheit mehrfach gezeigt. Die hiesigen Behörden können da in Bezug auf Budget und verfügbares Personal nicht mithalten.

Der Trailer zur «Tatort»-Folge «Borowski und das dunkle Netz»

«Borowski und das dunkle Netz»

In der neusten Tatort-Folge wird der Leiter der Cybercrime-Abteilung des Landeskriminalamtes Kiel Opfer eines Mordanschlags. Die Kommissare Borowski und Brandt übernehmen die Ermittlungen. Eine Herausforderung, da der Täter in keiner Beziehung zum Opfer steht und sich geschickt im Darknet zu verstecken weiss. Wegen einer Nachlässigkeit kommen sie dem Killer dennoch auf die Spur.

Weil die Vögel es nicht von den Dächern zwitschern

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