Karte: So rechts tickt die Schweiz
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KarteSo rechts tickt die Schweiz

Der Kanton Zürich rutscht nach rechts. Auch fast alle anderen Kantone sind in bürgerlicher Hand. In den Städten dagegen gilt: Je grösser, desto linker.

von
Th. Bigliel

Nach den Sitzgewinnen in Baselland und Luzern können die bürgerlichen Parteien auch in Zürich einen Wahlerfolg feiern: Mit der freisinnigen Carmen Walker-Späh eroberten die Bürgerlichen am Wochenende einen weiteren Sitz in der Zürcher Kantonsregierung – diesmal auf Kosten der Grünen. Damit kommt die Allianz aus CVP, FDP und SVP neu auf fünf Sitze, während sich die dezimierte Linke künftig mit zwei Stimmen in der Zürcher Regierung begnügen muss.

Wo ist die politische Linke sonst noch in der Defensive? Ein Blick auf die Karte zeigt: Die Mehrheit der Kantone wird von bürgerlichen Politikern gelenkt. Nur Bern, Neuenburg, Basel-Stadt und das Waadtland sind in linker Hand.

So wird die Schweiz regiert:

Quelle: Kantonale Regierungen / Eigene Darstellung

Die Übermacht der bürgerlich regierten Kantone ist eindrücklich. Von 26 Kantonen werden nur gerade drei von einer rot-grünen Mehrheit regiert. Wird sich dieses Bild in naher Zukunft ändern? «Kaum», meint Politgeograf Michael Hermann: «Wenn überhaupt, zeigt der Trend noch mehr nach rechts.» SP, Grüne und Grünliberale mussten deshalb in mehreren Kantonen bereits Federn lassen: In Baselland ist die SP das erste Mal seit 90 Jahren nicht mehr in der Regierung vertreten. Und in den Kantonen Schwyz, Nidwalden und Glarus ist die Linke komplett aus der Regierung geflogen. Grund sei, dass die bisher untereinander zerstrittenen Bürgerlichen wieder vermehrt an einem Strang ziehen. «Das gute Abschneiden der Bürgerlichen im Kanton Zürich ist beispielsweise massgeblich auf den Schulterschluss zwischen CVP, FDP und SVP zurückzuführen.»

Lesehilfe: Die Grafik zeigt, welcher politische Flügel in den Kantonsregierungen den Ton angibt. Kantone mit linker Regierungsmehrheit werden rot, solche mit bürgerlicher Mehrheit blau dargestellt. Als links gelten SP, Grüne und Grünliberale. CVP, FDP und SVP werden dem bürgerlichen Lager zugeordnet.

Auch auf lokaler Ebene geben bürgerliche Politiker mehrheitlich den Ton an:

Quelle: Statistisches Amt Kt. ZH / Eigene Darstellung

Das Beispiel des Kantons Zürich macht deutlich: Auf dem Land regieren entweder die Bürgerlichen oder die Parteilosen. Eine linke Mehrheit gibt es nur in der Stadt Zürich. «Auf dem Land und in den Agglomerationen spielt die Parteizugehörigkeit eine weniger wichtige Rolle als in der Stadt». Das würde vor allem daran liegen, dass die Kandidaten in vielen Fällen bereits bekannt sind und über ein gutes Beziehungsnetzwerk verfügen. «Etablierte Parteien können in einem solchen Umfeld nur schlecht Fuss fassen. In kleinen und mittelgrossen Gemeinden wird die Politik deshalb meist von Parteilosen oder lokalen Wählervereinigungen bestimmt.»

Lesehilfe: Bei den grau hinterlegten Gemeinden handelt es sich um Gemeinden, bei welchen kein politischer Block eine Mehrheit stellt. In der Regel deshalb, weil die politischen Ämter von Parteilosen besetzt werden.

Ein interessantes Bild zeigt sich auch in den Kantonshauptorten. Auffällig: Grosse Städte werden eher von linken Regierungen gelenkt.

Quelle: Gemeindeexekutiven / Eigene Darstellung

Ein anderes Bild zeigt sich in den Städten. Hier gilt: Je grösser die Stadt, desto linker die Exekutive. In Grossstädten wie Zürich, Genf, Basel, Lausanne und Bern haben linke Stadtregierungen das Sagen. Das könnte sich jedoch bald ändern. Städte wie Winterthur und Zug werden seit Kurzem wieder von einer bürgerlichen Mehrheit regiert. Politgeograf Hermann erklärt dies mit einer «veränderten räumlichen Verteilung der linken Wähler». Weil diese von den Zentren in die günstigeren Agglomerationen ziehen, steht die linke Vorherrschaft auch in den grossen Städten auf der Kippe. «Links-grüne Mehrheiten sind in den bürgerlichen dominierten Agglomerationen eher eine Seltenheit.»

Und in Europa? Die Auswertung von 20 Minuten zeigt: Auch hier sind rechtsgerichtete Regierungen klar in der Mehrheit.

Quelle: Landesregierungen / Eigene Darstellung

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