Aktualisiert 11.09.2019 12:35

Reaktionen auf Hess' Nickerchen

«So richtet er keinen Schaden an»

Während der Herbstsession am Dienstagnachmittag nickte Erich Hess ein und wurde dabei fotografiert. Viele Leser verzeihen ihm sein Schläfchen. Einige haben dagegen wenig Verständnis.

von
sul
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Während der Ratsdebatte gönnte sich Erich Hess am Dienstagnachmittag ein Nickerchen.

Während der Ratsdebatte gönnte sich Erich Hess am Dienstagnachmittag ein Nickerchen.

zvg
Eine Ratskollegin hielt den Dösenden fotografisch fest.

Eine Ratskollegin hielt den Dösenden fotografisch fest.

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Hess sagt, er sei längst nicht der Einzige, der während einer Debatte eingeschlafen sei.

Hess sagt, er sei längst nicht der Einzige, der während einer Debatte eingeschlafen sei.

Keystone/Peter Klaunzer

Der Grossratsdebatte am Dienstagnachmittag konnte Erich Hess augenscheinlich nicht ganz folgen: Der SVPler gönnte sich nämlich ein Schläfchen. Eine politische Gegenspielerin nutzte die Gunst der Stunde und fotografierte den Dösenden, wie er sich in Schräglage in seinem Sessel fläzt. Auf die unrühmliche Pose angesprochen, verteidigte sich Hess: «Ich bin sicher längst nicht der Einzige, der während einer Session eingenickt ist.»

Englische Vorbilder

Damit hat der Stadt-, Gross- und Nationalrat natürlich recht. Jüngst waren es vor allem britische Parlamentarier, die mit deplatzierten Nickerchen für Schlagzeilen sorgten. Anfang September quittierte Brexit-Hardliner Jacob Rees-Mogg sein offensichtliches Desinteresse an der Parlamentsdebatte, indem er sich halb ausgestreckt über mehrere Plätze legte und immer wieder die Augen schloss.

Letztes Jahr war der konservative Abgeordnete Desmond Swayne während einer Rede eines Parteikollegen über die Folgen des Brexit eingenickt. Hierzulande war Alt-Bundesrat Johann Schneider-Ammann berüchtigt für seine Power-Naps.

«Die einen schlafen, die anderen lesen Zeitung»

Und so nehmen denn auch viele Leser Erich Hess sein Schläfchen nicht übel, wie sich in den rund 500 Leser-Kommentaren zeigt: «Was ist daran so schlimm? Die einen schlafen, die anderen lesen Zeitung, sind am Handy, kurz am Telefonieren und gar nicht im Saal. Zur Abstimmung sind dann alle sofort wieder da, denn die Meinung ist schon lange vorher gemacht», meint etwa Userin Lola. Auch Peter Meier hat Verständnis: «Bei diesem stundenlangen Palaver ohne Entscheidung schläft jeder normal verdrahtete Mensch ein!»

Leser Balzli teilt einen ironischen Seitenhieb gegen die Politikerin aus, die das Nickerchen festhielt: «Ist doch wohlwollend, einem Ratskollegen eins auszuwischen. Die Fotografin war sicher auch nicht beim Thema, das gerade behandelt wurde.»

«Sitzungsgeld gehört gestrichen»

Dennoch gibt es auch kritischere Stimmen. «Und für das bezieht der Herr Honorar», schreibt Peterpan. Und Franz Büchi meint: «Solchen Parlamentariern gehört das Sitzungsgeld gestrichen. Es kann ja nicht sein, dass man vom Volk gewählt wird, um dann in Bern ein Schläfchen zu machen!»

Schliesslich gibt es noch jene Leser, die Hess seinen Sessionsschlaf zwar gönnen – allerdings aus wenig schmeichelhaften Gründen. So zum Beispiel Ruedi, der schreibt:

«Soll er schlafen, dann richtet er keinen Schaden an.»

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