Intrigen und Kündigungen : So risikoreich lieben die Leser ihre Chefs
Aktualisiert

Intrigen und Kündigungen So risikoreich lieben die Leser ihre Chefs

Der McDonald's-Chef musste gehen, weil er sich in eine Mitarbeiterin verliebt hatte. Ähnlich ging es auch vielen Lesern. Ein Karriere-Experte mahnt zur Vorsicht.

von
miw
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Der Arbeitsplatz gleicht einer Liebesfabrik: Immer wieder verlieben sich Kollegen. Wenn zwischen den beiden Liebenden ein Abhängigkeitsverhältnis besteht, wird es aber brenzlig.

Der Arbeitsplatz gleicht einer Liebesfabrik: Immer wieder verlieben sich Kollegen. Wenn zwischen den beiden Liebenden ein Abhängigkeitsverhältnis besteht, wird es aber brenzlig.

abc
Der Arbeitsplatz gleicht einer Liebesfabrik: Immer wieder verlieben sich Kollegen. Wenn zwischen den beiden Liebenden ein Abhängigkeitsverhältnis besteht, wird es aber brenzlig.

Der Arbeitsplatz gleicht einer Liebesfabrik: Immer wieder verlieben sich Kollegen. Wenn zwischen den beiden Liebenden ein Abhängigkeitsverhältnis besteht, wird es aber brenzlig.

© Vivian Zink/ abc
Aufkeimende Gefühle im Büro wurden jetzt etwa dem Chef von McDonald's zum Verhängnis: Steve Easterbrook muss seinen Posten räumen, weil er im Büro eine Liebesbeziehung mit einer Mitarbeiterin hatte.

Aufkeimende Gefühle im Büro wurden jetzt etwa dem Chef von McDonald's zum Verhängnis: Steve Easterbrook muss seinen Posten räumen, weil er im Büro eine Liebesbeziehung mit einer Mitarbeiterin hatte.

AP/Richard Drew

Der oberste McDonald's-Chef stolpert über eine Liebesafäre. Weil sich Steve Easterbrook in eine Mitarbeiterin verliebt hatte, musste er den Fastfood-Riesen verlassen. Dass aus einer professionellen Arbeitsbeziehung eine Lovestory geworden ist, davon bereichten auch einige Leser. Dabei zeigt sich: Viele haben wegen der Liebe den Job gewechselt.

Jasmin (27), Luzern

Ich liebte meinen Chef. Heute ist er nicht mehr mein Chef, aber wir lieben uns noch immer. Die Beziehung hält jetzt schon fünfeinhalb Jahre. Nach eineinhalb Jahren Beziehung wechselten wir beide den Job. Das Gschnorr ging echt auf die Nerven.

Beat (38), Sarnen

Ich habe mich Anfang 2018 in eine meiner Angestellten verliebt. Jedoch hat auch die Geschäftsleitung Wind davon bekommen und hat uns eine riesige Szene gemacht. Ich sollte sie entlassen – was ich aber nicht tat. So habe ich dann selbst gekündigt. Meine Partnerin trennte sich dann von ihrem damaligen Mann und wir zogen zusammen. Meine Partnerin arbeitete noch fast ein Jahr im Betrieb, jetzt ist sie auch weg. Wir sind sehr glücklich und dankbar, dass wir diesen Weg gegangen sind.

Markus (41), Westschweiz

Ich hatte eine zweijährige Affäre mit einer Kollegin. Wir wussten beide, dass dies uns den Job kosten würde, wenn es rauskommt. Da ich in der Deutschschweiz lebte und sie in der Romandie, konnten wir unsere Beziehung gut vor der Firma geheimhalten. Die Beziehung ging dann auseinander. Der Grund war aber nicht die Firma.

R. (27), Rotkreuz

Ich hatte bei meinem früheren Arbeitgeber ein Verhältnis mit meinem Vorgesetzten. Das Verhältnis hatte bereits vor meinem offiziellen Stellenantritt begonnen, da ich vorher schon bei einigen Events der Firma mitgeholfen hatte und wir uns so schon näher gekommen waren. Wir fühlten uns beide sehr voneinander angezogen und konnten die Finger nicht voneinander lassen. Auch während der Arbeitszeit. Gefühle waren im Spiel, aber trotzdem konnten wir uns schliesslich auf keine Beziehung einlassen.

Ruth (57), Bern

Wir arbeiteten in einer Druckerei, ich als Abteilungsleiterin, er als Buchbinderei-Mitarbeiter. Fünf Jahre lang grüsste man sich, wenn man sich begegnete, und an Firmenanlässen sass man nicht wirklich beieinander, weil zumindest ich an ihm nichts Interessantes fand. Doch eines Tages – aus keinem ersichtlichen Grund – veränderte sich meine Sichtweise: Plötzlich erschien er mir als sehr attraktiver, interessanter und netter Mann. Von da an nahm ich jede Gelegenheit wahr, in seine Abteilung zu gehen. Es zeigte sich, dass auch er Interesse an mir hatte. Die Konsequenz daraus? Unsere heute 27-jährige, bildschöne Tochter, die jetzt gerade ihr Studium erfolgreich beendet hat!

Der Expert rät: «Finger weg!»

Während eine Leserin meint, das Ganze sei kein Problem – «Beide müssen nur vernünftig genug sein» –, rät Karriere-Experte Heinz Wyssling aus Zürich zur Vorsicht. Vor allem, wenn zwischen den beiden Liebenden beruflich ein direktes Hierarchie-Abhängigkeitsverhältnis besteht. «Das ist sehr heikel», warnt Wyssling. «In solchen Fällen: Finger weg!», meint Wyssling gar.

Doch einfacher gesagt als getan: Sollten die Gefühle nämlich nicht zu unterdrücken sein, rät der Experte zur Offenheit: «Die beiden sollten von Anfang an ehrlich miteinander kommunizieren.» Sämtliche Szenarien und Eventualitäten sollten die Liebenden miteinander besprechen, um ein Drama bei einem allfälligen Liebes-Aus am Arbeitsplatz zu vermeiden.

Vorsicht vor Kündigung

Und wenn es die wahre Liebe ist und bleibt? «Dann ist es am besten, wenn einer der beiden Partner, bei einem hierarchischen Abhängigkeitsverhältnis, den Betrieb verlässt», sagt Wyssling. Konfliktsituationen am Arbeitsplatz seien bei solchen internen Liebeskonstellationen nämlich kaum zu vermeiden: «Andere Mitarbeiter fühlen sich dann sofort benachteiligt, es entstehen Gerüchte, und es wird gelästert», sagt Wyssling. Durch die Kündigung würde es sich also auch erübrigen, den Betrieb über die aufkeimende Liebe zu informieren.

Auch könnten sich plötzlich höhere Vorgesetzte einmischen: «Man wird sich im Betrieb dann fragen, inwiefern die Objektivität des involvierten Chefs noch gewährleistet ist», sagt Wyssling. Und da nach Schweizer Recht kein konkreter Kündigungsgrund angegeben werden muss, könnte so auch bald der blaue Brief ins Haus schneien.

Viel gelassener sieht es laut Wyssling aus, wenn sich Angestellte in Kollegen verlieben, die zwar in derselben Firma arbeiten, jedoch in einer anderen Abteilung oder in einem anderen Team tätig sind. «Dann steht der Liebe eigentlich nichts im Weg», sagt der Experte. Auch sei man in solche Fällen nicht gezwungen, die Beziehung öffentlich bekannt zu geben: «Das ist und bleibt Privatsache.»

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