Corona-Infektionsgefahr: So riskant ist der Arbeits-Zmittag
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Corona-InfektionsgefahrSo riskant ist der Arbeits-Zmittag

Weshalb das Mittagessen Covid-Ansteckungspotenzial bietet – und was ein Kantonsarzt und eine Konsumforscherin nun raten, um nicht einsam essen zu müssen.

von
Céline Krapf
Dominic Benz
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«Wir sind es seit der Kindheit gewohnt, in gewissen Situation näher zusammen zu sein, und empfinden das als angenehm und gemütlich», sagt Thomas Steffen, Kantonsarzt Basel-Stadt.

«Wir sind es seit der Kindheit gewohnt, in gewissen Situation näher zusammen zu sein, und empfinden das als angenehm und gemütlich», sagt Thomas Steffen, Kantonsarzt Basel-Stadt.

KEYSTONE/Peter Schneider
Thomas Steffen sprach an einem Point de Presse zur Coronavirus-Lage, am Dienstag, 20. Oktober 2020, in Bern. 

Thomas Steffen sprach an einem Point de Presse zur Coronavirus-Lage, am Dienstag, 20. Oktober 2020, in Bern.

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Das Problem am Mittagstisch seien vor allem die Tröpfchen, wenn der Abstand oder auch der Raum mit vielen Leute zu klein sei.

Das Problem am Mittagstisch seien vor allem die Tröpfchen, wenn der Abstand oder auch der Raum mit vielen Leute zu klein sei.

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Darum gehts

  • Die Experten des Bundes gaben am Dienstagnachmittag Auskunft über die aktuelle Lage bezüglich des Coronavirus.

  • Schutzmassnahmen seien auch beim Zmittag einzuhalten, sagt der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen.

  • Das gemeinsame Mittagessen stille unsere geselligen Sehnsüchte, sagt Konsumforscherin Susan Shaw – und empfiehlt digitale Lunches.

Wenn die gesellige Oase am Arbeitsplatz plötzlich zum Risikofaktor wird: «Es wird immer gefährlich, wenn es heimelig wird», sagt Thomas Steffen. Der Kantonsarzt von Basel-Stadt und weitere Experten des Bundes warnten bei der Medienkonferenz am Dienstagnachmittag vor lockeren Situationen – so zum Beispiel dem gemeinsamen Zmittag bei der Arbeit. «Wir sind es seit der Kindheit gewohnt, in gewissen Situation näher zusammen zu sein, und empfinden das als angenehm und gemütlich», sagt Steffen. Dann, wenn es etwas lockerer werde, seien aber schnell alle Regeln vergessen: «Wir suchen Nähe – und dort reisst der Film.»

Das Problem am Mittagstisch seien vor allem die Tröpfchen, wenn der Abstand oder auch der Raum mit vielen Leute zu klein sei. «Hinzu kommt, gerade wenn mehrere Leute im Raum sind, dass wir automatisch lauter sprechen und damit auch mehr Tröpfchen verteilen, falls der Abstand nicht stimmt», sagt der Basler Kantonsarzt.

Der Zmittag als «Oase»

Konsumforscherin Susan Shaw hat eine Erklärung für das riskante Verhalten am Mittagstisch: «Im Büro sitzt man den ganzen Tag vor dem Computer an digitalen Sitzungen. Den Austausch mit Kollegen findet man beim Essen», erklärt die Geschäftsführerin des Marktforschungsunternehmen GIM Suisse. «Diese Mittagessen sind gerade jetzt Oasen, die man vermisst.» In diesem Rahmen kippten Corona-Regeln schnell. «Auch tendieren wir dazu, anzunehmen, dass Freunde und Kollegen gesund sind, weil diese doch vernünftig sind. Doch das ist ein Trugschluss.»

Wie der Gastronomiekonzern SV Group, Betreiber von schweizweiten Firmenrestaurants mitteilt, hat er in seinen Mensen gemeinsam mit den Firmen überall strenge Schutz- und Hygienemassnahmen eingeführt, «sodass die Gäste sicher zu uns essen kommen können».

Soll man nun allein essen?

Statt sich dem Risiko auszusetzen, solle man die «geselligen Sehnsüchte» für eine gewisse Zeit ins Digitale versetzen, rät Konsumforscherin Shaw. «Man kann etwa Fotos vom Mittagessen mit den Kollegen teilen.» Zu Beginn der Krise habe man das für eine Spielerei gehalten. «Doch es kann durchaus unser soziales Grundbedürfnis befriedigen», sagt die Konsumforscherin.

Kantonsarzt Steffen empfiehlt eine Umorganisation der Mensa-Einrichtung: Tische und Stühle sollten so aufgestellt werden, dass automatisch genügend Abstand eingehalten werde – aber die Personen weiterhin guten Blickkontakt hätten und miteinander reden könnten. Denn: «Zusammen essen hat auch eine wichtige soziale Bedeutung», sagt Thomas Steffen. «Mit genügend Abstand muss niemand auf das gemeinsame Essen verzichten.»

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