Kartoffel, Kartoffel, Kartoffel: So sähe das Menü bei Selbstversorgung aus
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Kartoffel, Kartoffel, KartoffelSo sähe das Menü bei Selbstversorgung aus

Keine Pasta, kein Bier, kein Kaffee, kaum Fleisch: Eine neue Studie zeigt, wie sich die Schweiz ernähren müsste, würde sie die Grenzen dichtmachen.

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daw
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Mehr Brot, weniger Fleisch und Alkohol, dazu weniger Kalorien: Bei Selbstversorgung wären die Einschränkungen gross.

Mehr Brot, weniger Fleisch und Alkohol, dazu weniger Kalorien: Bei Selbstversorgung wären die Einschränkungen gross.

Ein typisches Menü: Kartoffeln, Brot und nur noch wenig Fleisch, dafür mehr Milch.

Ein typisches Menü: Kartoffeln, Brot und nur noch wenig Fleisch, dafür mehr Milch.

Stevan Bukvic / Tilllate.com
Die stärkehaltige Kartoffel hat viele Kalorien und würde entsprechend im grossen Stil angebaut.

Die stärkehaltige Kartoffel hat viele Kalorien und würde entsprechend im grossen Stil angebaut.

Die Volksinitiative «Für Ernährungssouveränität» kommt im September an die Urne. Sie verlangt, dass sich die Schweiz vorwiegend mit einheimischen Lebensmitteln versorgt.

Doch was wäre, wenn die Schweiz ganz auf Importe verzichten müsste? Diese Frage hat der Bund nun in einer neuen Studie klären lassen. Laut den Modellrechnungen von Agroscope im Auftrag des Bundesamtes für wirtschaftliche Landesversorgung wäre die Selbstversorgung der Bevölkerung möglich. Allerdings müssten die Menschen den Gürtel enger schnallen. Pro Tag und Einwohner gäbe es höchstens 2340 Kilokalorien.

Kaum Fleisch, viel Stärke

Dieser Wert liegt deutlich unter dem heutigen Durchschnittskonsum von 3015 kcal. Allerdings liege er noch oberhalb der meisten Richtwerte der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung.

Auf dem Teller landen würde aber nicht mehr das Gleiche. Einschränken müsste sich die Bevölkerung vor allem beim Fleisch. Schweine- oder Geflügelfleisch würde «eine verschwindend kleine Rolle spielen», wie es heisst. Auch Fisch aus Zucht läge nicht mehr drin. Zudem würde am Zucker und an Speiseölen gespart, Eier und Pasta kämen selten auf den Teller, und Bier wäre tabu. Auch Schokolade und Kaffee gäbe es nicht mehr. Dafür könnte man auf Kartoffeln, Backwaren und einheimisches Gemüse ausweichen, wie aus der Studie hervorgeht. Rösti und Gschwellti stünden also häufig auf dem Speiseplan. Beim Obst und Gemüse würde die Auswahl viel kleiner.

Statt als Käse würde die Milch vermehrt frisch verzehrt werden. Deshalb würden alle verfügbaren Grünlandflächen genutzt, um Milch zu produzieren. Ein Teil der heutigen Naturwiesen würde zudem wie während der Anbauschlacht im Zweiten Weltkrieg als Ackerland genutzt.

Poulet höchstens noch an Weihnachten

Auch die Tierbestände würden sich drastisch verändern, heisst es in dem Bericht weiter. Auf Tiere, die hauptsächlich Kraftfutter fressen, kann eher verzichtet werden als auf Tiere, die Raufutter verwerten können. Dadurch würden sich die Bestände an Mastschweinen und Geflügel um annähernd 90 Prozent reduzieren.

Der Rückgang der tierischen Produktion lässt sich damit erklären, dass die direkte Verwertung pflanzlicher Nahrung energetisch effizienter ist als die Veredlung über eine Verfütterung an Nutztiere, wie es heisst.

Schweres Mangelszenario

Die Studie der Wissenschaftler Ali Ferjani, Stefan Mann und Albert Zimmermann von Agroscope, die demnächst Gegenstand eines Artikels im Fachjournal «British Food Journal» sein wird, steht in der Tradition des 1990 letztmalig publizierten Ernährungsplans. Darin werden mit einem mathematischen Modell Szenarien schwerer Mangellagen simuliert, wie sie beispielsweise nach grösseren Ernteausfällen oder «infolge restriktiver Wirtschaftspolitiken anderer Nationen, vor allem grosser Exportstaaten» auftreten könnten.

Als wichtig erwiesen sich in dem Zusammenhang die Fruchtfolgeflächen. Es zeigte sich, dass sie im heutigen Umfang von rund 440'000 Hektaren nötig sind, um das Ziel der Selbstversorgung zu erreichen.

In den Berechnungen wurde vorausgesetzt, dass neben dem Land und dem Know-how der Landwirte auch alle sonstigen Ressourcen, die zur Produktion benötigt werden, vorhanden sind. Bruteier für die Geflügelproduktion und Dünge- und Pflanzenschutzmittel wurden als importierbar angenommen, andere Importe oder Exporte aber ausgeschlossen.

(daw/sda)

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