Planung: So sähen Städte aus, wenn Kinder sie planen würden
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PlanungSo sähen Städte aus, wenn Kinder sie planen würden

Was wäre, wenn Architekten nicht nur Männer mittleren Alters wären, sondern auch Frauen, Kinder, Senioren und Teenager?

von
Daniela Gschweng

Wie würden Städte aussehen, wenn sie nicht hauptsächlich von Männern mittleren Alters geplant würden, sondern auch von Müttern, Kindern und Senioren?

Die meisten Architekten sind Männer. Und von denen, die weiblich sind, hat der grösste Teil keine Kinder. Ein Fehler, findet die Architektin und Journalistin Christine Murray. Unsere Städte würden sehr viel anders aussehen, wenn die, die sie entwerfen, unterschiedlichen Alters und Geschlechts wären, schreibt sie in einem Kommentar im britischen «Guardian» und geht mit ihrer Heimatstadt London dabei hart ins Gericht. Was Murray schreibt, gilt aber für fast jede grössere Stadt der Welt.

Zuallererst gäbe es keine Treppen mehr. Architekten planten Rampen und dächten dabei an Rollstühle, beklagt sie sich. Das liege daran, dass die wenigsten von ihnen Kinder hätten. Mit zwei Kleinkindern und einem Neugeborenen im Kinderwagen am Fuss einer Treppe zu stehen, sei ein Moment der Verzweiflung. Kleine Kinder können noch nicht Treppen steigen. Und wer schon einmal versucht hat, den Kinderwagen allein die Treppen hinaufzubekommen, weiss, was es heisst, nebenbei noch auf ein Kind oder mehrere Kinder achtgeben zu müssen.

Überall Spielplätze und jede Menge Klos

Wenn die Kinder das Sagen hätten, würde es überall Spielplätze geben, die bis spätabends offen wären, und daneben hätte es eine einfach zu benutzende öffentliche Toilette. Da dürfte sich sogar mancher Normalbürger anschliessen. Es sei ein Skandal, dass man im urbanen Raum zwar an jeder Ecke Kaffee kaufen aber nirgends auf die Toilette gehen könne, findet Murray.

Im Stehen Kaffee schlürfen müsste auch niemand mehr. Ginge es nach den Senioren, hätten wir Platz zum Sitzen. Es gäbe mehr Bänke und Sitze, auf die man leicht absitzen und von denen man auch leicht wieder aufstehen könnte, nicht wie bei den zwar formschönen, aber rutschigen Designobjekten aus Plastik, die manche Bushaltestelle bietet. Es würde genügend Platz für Rollatoren geben, muss man hinzufügen, und weniger «Fallen», an denen die Gehhilfen hängen bleiben. An Ampeln und Zebrastreifen gäbe es ausschliesslich flache Randsteine.

«Ladestationen wären ein Menschenrecht»

«Wenn Teenager Städte designen dürften, wären Ladestationen für Handys ein Menschenrecht», fährt die Architektin fort. Dazu würde einem noch mehr einfallen: Städte hätten flächendeckend kostenloses WLAN, Prepaid-Karten für Jugendliche würden an jeder Ecke zu günstigen Preisen von der Stadt ausgegeben. Es gäbe mehr Gelegenheiten, trendige Sportarten wie Parcours auszuüben, und kein Verbot für Ballspiele.

Murray gibt aber zu, dass weder in London noch sonstwo alles schlecht ist. Es gebe in London auch Orte, die wundervoll und funktionell für alle gestaltet seien. Ihr Lieblingsort, verrät sie, sei die Millennium Bridge über die Themse, die die St Paul's Cathedral mit der Tate Gallery of Modern Art am anderen Ufer verbindet. Das heisst, es gibt Hoffnung – die Architekten von dieser waren nämlich Männer.

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