Geschäftsmodell: So scheffelt Wish mit Billig-Ware aus China Geld
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GeschäftsmodellSo scheffelt Wish mit Billig-Ware aus China Geld

Auf Wish gibts Uhren für einen Franken oder Laptops für 60 Franken. Wie können diese Preise so tief sein? 20 Minuten klärt auf.

von
Dominic Benz

Darum sind die Produkte auf Wish so günstig (Video: 20 Min).

Schnäppchenjäger fahren auf Wish ab. Die Shopping-Plattform mit Sitz in San Francisco vertreibt hauptsächlich billige Ware von chinesischen Drittanbietern: Uhren für 1 Franken, Jeans für 18 Franken oder Laptops für 60 Franken. In der Schweiz gehört Wish bereits zu den zehn grössten Onlineshops.

Doch wie kann Wish diese Produkte zu solchen Schleuderpreisen anbieten? Und wie verdient das Unternehmen damit Geld?

«Alle Kostentreiber ausgehebelt»

Der Trick ist, dass die Händler in China ihre Produkte über Wish direkt den Kunden aus aller Welt verkaufen können. Dafür müssen sich die Händler lediglich auf der Plattform registrieren. «Als Konsumenten haben wir dadurch die Möglichkeit, bei einem Hersteller irgendwo in China quasi direkt einzukaufen», sagt Ralf Wölfle, Experte für E-Business an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, zu 20 Minuten.

So können die Chinesen ihre extrem günstig produzierte Ware ohne Label weltweit verkaufen. Ausgaben für Branding, Qualitätssicherung oder Zwischenhandel fallen weg. «Auf Wish werden all die Kostentreiber ausgehebelt. Kunden bezahlen so fast nur noch für die tiefen Produktionskosten», sagt Wölfle. Die tiefen Preise würden allerdings mit einer unkalkulierbaren Qualität der Produkte einhergehen.

Schlanke Distribution

Um die Distribution müssen sich die chinesischen Händler aber nicht kümmern. Diese übernimmt Wish. Das Unternehmen publiziert lediglich die Angebote auf seiner Plattform und lässt bei einem Kauf standardisierte und automatisierte Prozesse im Hintergrund laufen. Laut Wölfle gehen daher die Kosten für die Transaktion bei einem Kauf gegen null: «Wir haben hier die schlankste Distribution, die wir uns vorstellen könnten.»

Für die Dienstleistungen verlangt Wish von den Händlern eine Kommission. Diese fällt auf die einzelnen verkauften Produkte klein aus. Daher versucht Wish, so viel wie möglich zu Tiefstpreisen zu verkaufen. «Geld verdient das Unternehmen mit der Masse an Kommissionen», sagt Wölfle.

Tiefe Versandkosten

Letztlich kann Wish von günstigen Versandkosten profitieren. China galt aufgrund einer Regelung des Weltpostverbands UPU bis Ende 2017 als Entwicklungsland und kam daher in den Genuss von extrem niedrigen Tarifen für Postsendungen ins Ausland. Zwar wurden seither die Preise leicht angehoben, dennoch sind die Tarife noch immer sehr tief. Das sorgt für Unmut bei den Schweizer Onlinehändlern. Sie müssen sogar für eine Sendung innerhalb der Schweiz viel mehr bezahlen als die Chinesen für ein Päckli nach Europa.

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