«Parkkünstler» auf Facebook: So schlecht parkiert die Schweiz

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«Parkkünstler» auf FacebookSo schlecht parkiert die Schweiz

Ein Rheintaler hat die Facebook-Gruppe Parkkünstler Schweiz gegründet. Darin zeigt er, wie schlecht in der Schweiz parkiert wird. Sein Ziel: Er will die Lenker erziehen.

von
taw

«Ich bin viel mit dem Auto unterwegs. Dabei fiel mir der pure Egoismus vieler Autofahrer auf wenn es ums Parkieren geht», so der 30-jährige Rheintaler und Initiant der Facebook-Seite Parkkünstler Schweiz. Es werde kreuz und quer parkiert, jeder mache, was er wolle. Oft seien es Fahrer, die Angst haben, dass ihr «Bonzenkarren» eine Beule bekommt und ihn deshalb völlig blöd abstellen. «Ich habe dann begonnen, Fotos von den Situationen zu machen. Irgendwann kam mir der Gedanke einer Facebook-Seite.»

In einem zweiten Schritt fertigte er extra Flyer für die Parksünder an. Darauf zu sehen sind verschiedene Szenen von Falschparkern und etwa Aufschriften wie «Gratulation. Einer von denen bist du». Daneben steht die Adresse der Facebook-Seite. «Diese Flyer kommen so gut an, dass ich pro Woche rund zwei bis drei Sendungen verschicke an Leute, die sie sie dann selber verteilen», so der Rheintaler, der anonym bleiben möchte.

Schon bedroht worden

Ausserdem spreche er die Parkkünstler auch immer mal wieder persönlich auf ihr Verhalten an. «Wieso soll ich schön parkieren, andere machen das auch so» oder «Ich muss doch nur schnell...» und andere Ausreden bekomme er dann zu hören. «Vielen ist ihr Verhalten nicht einmal peinlich», sagt der 30-Jährige. Er sei aber auch schon bedroht worden von Autofahrern, doch das sei ihm egal. «Ich mache weiter so, verteile Flyer und hoffe bei den Autofahrern auf ein Umdenken.»

Auch die Stadtpolizei St. Gallen schlägt sich regelmässig mit Falschparkierern herum. «Wir haben schon alles erlebt. Egal, ob in der Wiese parkiert, quer oder nur halb im Feld», sagt Sprecher Dionys Widmer. Besonders mühsam sei es etwa in der Bahnhofstrasse, wenn Leute so schlecht parkieren, dass die Appenzeller Bahnen nicht durchkommen.

Büssen kann die Polizei nur bei öffentlichen Parkplätzen. Wer nicht innerhalb der Markierung parkiert, erhält eine Ordnungsbusse von 40 Franken. Wenn er länger als zwei Stunden falsch steht, wird es laut Widmer teurer. Auch wer ganz ausserhalb eines Feldes parkiert, kassiert 40 Franken Busse. Es sei denn, er steht zusätzlich im Halteverbot oder ähnlich. Wenn das Fahrzeug so schlimm steht, dass es abgeschleppt werden muss, werden zusätzlich 250 Franken Abschleppgebühr verrechnet. «Wer über zehn Stunden falsch steht wird angezeigt», sagt Widmer.

Matthias Leuzinger, Geschäftsführer der CityParking St. Gallen AG, die in der Stadt drei Parkgaragen unterhält, sieht Falschparker ebenfalls nicht gerne. Dennoch drücke man ein Auge zu. «Wenn die Autos kein Hindernis darstellen, werden wir sie nicht büssen oder abschleppen lassen», so Leuzinger.

Breitere Parkplätze als Lösung?

Ende September sorgten die fehlenden Parkierkünste einiger Autofahrer in der blauen Zone an der Flurhofstrasse in St. Gallen für Kopfschütteln. Für den Leser-Reporter war das verschwenderische Parkieren ebenfalls nicht nur Ausdruck von mangelndem Können, sondern von einer Portion Egoismus der Autofahrer.

Eine Lösung für gewisse Parkierprobleme könnte die Vergrösserung der Parkplätze sein. Wie der «Tages-Anzeiger» kürzlich schrieb, wird das Durchschnittsauto der Schweizer immer grösser. Nun reagieren Verkehrsfachleute darauf: Im Schnitt soll ein Standard-Parkplatz rund fünf Zentimeter breiter und auch etwas länger werden. Betroffen von der neuen Norm sind alle Parkplätze der öffentlichen Hand – auf Strassen und in Parkhäusern.

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