Roger Federer: So schlecht wie schon lange nicht mehr
Aktualisiert

Roger FedererSo schlecht wie schon lange nicht mehr

Drei Siege in den Monaten März und April: So schlecht war Roger Federer letztmals als 17-Jähriger. Die Weltnummer 1 ist unter Zugzwang.

von
Reto Fehr

Das Jahr begann für Roger Federer mit dem Sieg in Melbourne beim Australian Open nach Mass. Doch seither gibts nicht mehr viele positive Nachrichten von der Weltnummer 1. Für den Davis-Cup und das (Heim-)Turnier in Dubai musste er wegen einer Lungen-Infektion Forfait erklären. Seine Rückkehr auf die Tour war ungewiss: «Es könnte bis zu sechs Wochen dauern», sagte der Baselbieter Ende Februar.

Doch bereits zwei Wochen später stand der 16-fache Grand-Slam-Sieger in Indian Wells wieder auf dem Court und besiegte Hanescu in drei Sätzen. In den Monaten März und April sollten nur noch zwei weitere Siege hinzukommen. In Miami schaltete er Nicolas Lapentti und Florent Serra aus. Dazu setzte es drei Niederlagen ab: Marcos Baghdatis war in Indian Wells zu stark, Tomas Berdych in Miami und zuletzt Ernests Gulbis in Rom.

Klar, gegen alle drei darf man auch mal verlieren. Trotzdem nahm Federers Stimmung zusehends ab. «Kein Grund zur Panik», beruhigte er nach dem Spiel gegen Baghdatis, «Mir fehlt ein wenig das Selbstvertrauen», erklärte er nach der Pleite gegen Berdych und nach dem Aus gegen Gulbis wusste er: «Ich muss es nun erzwingen.»

Wer stoppt Nadal?

Die Gelegenheit dazu bietet sich Federer bereits ab Mittwoch in Estoril. Womöglich kommt ihm das 250er-Turnier gerade gelegen. Bei seiner bisher einzigen Teilnahme 2008 holte er den Titel. Jetzt wären die 250 Punkte im Kampf um den ATP-Thron wohl nur ein Tropfen auf den heissen Stein, aber fürs Selbstvertrauen und die schwierigen Aufgaben in Madrid und beim French Open könnte ein Triumph Gold wert sein. Bei diesen beiden Turnieren ist der Schweizer Titelverteidiger und muss 3000 Zähler verteidigen.

Zum Vergleich: Nadal holte in der letzten Saison nur 780 Punkte in beiden Turnieren. In der aktuellen Form des Mallorquiners bleibt er der heisse Favorit auf alle Sand-Titel. «Wenn Nadal so spielt wie heute, dann kann ihn niemand schlagen», erkannte schon Fernando Verdasco nach dem Endspiel in Monte Carlo. Seither scheint die Formkurve Nadals eher noch weiter nach oben gestiegen zu sein. Wenn Federer Sampras' Rekord von 286 Wochen als Weltnummer 1 nach Roland Garros brechen will, bleibt nur eines: Eine klare Leistungssteigerung. Sonst muss sich der Schweizer mit dem Erreichen eines seiner grossen Saisonziele gedulden.

Nur 1999 schlechter

Ob Federer Sampras schon am 14. Juni als Spieler mit den meisten Wochen auf dem Tennisthron ablöst, steht noch in den Sternen. Klar ist dagegen: Seit Federer 1998 Profi wurde, hat er in den Monaten März und April nur einmal weniger als drei Siege geholt. Das war 1999 – damals kannte den 17-Jährigen Schweizer noch praktisch niemand. In Grenoble erreichte er vor elf Jahren dank dem Sieg gegen Rodolphe Gilbert die Achtelfinals. Sonst gab es Startniederlagen in Miami, Monte Carlo und Espinho (Portugal). Seit seinem grossen Durchbruch 2003 verliess Federer im März/April den Court jeweils mindestens siebenmal als Sieger. Rekordergebnis sind 20 Erfolge im Jahr 2006.

Man soll die jüngste Pleitenserie nicht überbewerten. Die Lungen-Infektion kann noch nachwirken und bis zum French Open bleiben noch gut drei Wochen Zeit. Um die Sandsaison aber erfolgreich zu gestalten und Nadal sowie Djokovic in der Weltrangliste auf Distanz zu halten, könnte der 28-Jährige in Estoril die ersten Schritte machen. Dort ist er noch ungeschlagen. Am Mittwoch trifft der Schweizer auf Björn Phau oder Marc Lopez.

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