15 Prozent weniger Zahlungen – So schlimm ist das Zertifikat für Fitnessstudios und Restaurants
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15 Prozent weniger ZahlungenSo schlimm ist das Zertifikat für Fitnessstudios und Restaurants

Seit der Zertifikatspflicht sehen sich viele Betriebe in ihrer Existenz bedroht. Nun beginnt das grosse Zittern wegen der Abschaffung der Gratis-Tests.

von
Fabian Pöschl
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Seit der erweiterten Zertifikatspflicht am 13. September geht es vielen Gewerben schlecht.

Seit der erweiterten Zertifikatspflicht am 13. September geht es vielen Gewerben schlecht.

20min/Celia Nogler
Betroffen sind vor allem Restaurants und Cafés.

Betroffen sind vor allem Restaurants und Cafés.

20min/Marco Zangger
Seit 13. September machten sie über 15 Prozent weniger Transaktionen. Die Umsätze gingen in ähnlichem Ausmass zurück.

Seit 13. September machten sie über 15 Prozent weniger Transaktionen. Die Umsätze gingen in ähnlichem Ausmass zurück.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Seit 13. September gilt die ausgedehnte Zertifikatspflicht.

  • Fitnesscenter, Restaurants, Bars und Clubs leiden seither unter Besucherschwund.

  • Die Fitnesscenter befürchten einen schleichenden Prozess, der alles noch schlimmer macht.

Die Zertifikatspflicht lässt Geschäftsinhaber verzweifeln: Seit der Massnahmenverschärfung am 13. September haben Fitnesscenter, Cafés und Restaurants sowie Clubs und Bars deutlich weniger Verkäufe erzielen können. Das zeigt eine Analyse des Finanzdienstleisters Sumup.

Die Unternehmen in diesen drei Branchen haben in den zwei Wochen seit der Zertifikatspflicht 14,5 Prozent weniger Transaktionen mit dem weissen Kreditkartenterminal von Sumup durchgeführt (siehe Box). Das schreibt der Finanztechnologieanbieter in einer Mitteilung.

Cafés und Restaurants am meisten betroffen

Besonders gravierend ist der Zahlungsrückgang seit Einführung der Zertifikatspflicht von 15,29 Prozent bei Cafés und Restaurants. In Bars und Clubs ging die Anzahl Transaktionen über Sumup um 11,31 Prozent zurück und in Fitnesscentren um 5,24 Prozent. Angaben zur Entwicklung bei Bar-Zahlungen hat Sumup keine. Zahlungen mit Karte haben seit der Corona-Krise aber laut Sumup um zwölf Prozent zugenommen. So beobachte man die gleichen Rückgänge beim relativen Umsatz wie bei der Anzahl der Transaktionen. Ausgewertet wurden alle Betriebe in der Schweiz mit Sumup-Gerät. Wie viele das sind, gab das Unternehmen nicht bekannt. Weltweit zählt Sumup mehr als drei Millionen Händler.

Die Transaktionen gingen nicht überall gleich stark zurück. Besonders betroffen sind ländliche Gebiete, wo der Rückgang im Vergleich zur Stadt fast doppelt so gross ist. Ein Grund könnte laut Vera Pershina, Country Lead DACH bei Sumup, in den unterschiedlichen Impfquoten liegen.

In der zweiten Woche verzeichnete Sumup zwar einen Aufwärtstrend bei Transaktionszahlen in Bars, Clubs, Cafés und Restaurants. Auch bei den Umsätzen pro Händler erkenne Sumup einen Aufwärtstrend. Bei Fitnesscentern ging der Abwärtstrends aber auch in der zweiten Woche weiter.

Gyms kämpfen um ihre Existenz

Beim Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenterverband (SFGV) rechnet man mit einem Umsatzverlust von acht bis zwölf Prozent bis Ende Jahr. «Das ist existenzbedrohend», sagt Claude Ammann, Präsident des Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenterverband. Die Reserven seien schon «extrem strapaziert». Viele hätten gehofft, im Winter Reserven zu schaffen oder wenigstens Schulden abbauen zu können.

Nicht bei allen Centern gäbe es diese Probleme, aber bei manchen hätten 30 bis 40 Prozent der Kundinnen und Kunden kein Zertifikat hinterlegt. Ammann befürchtet weitere Rückgänge: «Das ist ein schleichender Prozess, da ja nicht alle Abos in diesem Monat ablaufen.»

«Das grösste Problem ist die Ungleichbehandlung», sagt Ammann. Denn für sportliche Aktivitäten, etwa in einem Verein, können bis zu 30 Leute in einem Raum Sport treiben, ohne dass es dafür ein Zertifikat bräuchte. Viele Kundinnen und Kunden hätten ihm deshalb schon gesagt, dass sie sich nicht impfen lassen werden, da sie ja in einem Verein Sport treiben könnten, so Ammann.

Bewährungsprobe bei kostenpflichtigen Tests

Beim Restaurant-Branchenverband Gastrosuisse heisst es, für eine aussagekräftige Bilanz sei es noch zu früh. Die Ergebnisse einer Studie der HSG würden aber auf einen Umsatzeinbruch von gut 20 Prozent in den Food-Service-Branchen hindeuten.

Vielerorts würden momentan dank des Spätsommers die Terrassenumsätze sowie das Mitnahme- und Liefergeschäft dabei helfen, das Schlimmste zu verhindern. Bei vielen Mitgliedern des Verbands seien die Umsätze aber seit der Zertifikatspflicht deutlich stärker eingebrochen. Zudem komme die Bewährungsprobe erst bei kaltnassem Wetter und wenn die Tests kostenpflichtig werden.

«Für die Bar unter der Woche zahlt man keinen Test»

Auch Alexander Bücheli von der Schweizer Bar & Club Kommission bereitet die Abschaffung der Gratis-Tests die grössten Sorgen. «Dann kommt es zum grossen Einschnitt. 20 Franken bezahlt man vielleicht für einen Test für den Besuch im Club am Wochenende, aber nicht für die Bar unter der Woche», sagt Bücheli.

Bei den Clubs herrscht schon seit Juni die Zertifikatspflicht. Das hat laut Bücheli funktioniert, «die Umsätze stimmen, die Akzeptanz ist vorhanden». Allerdings spüre man nun auch bei den Clubs eine Abnahme der Gäste, weil diese seit 13. September zusätzlich zum Zertifikat auch noch die Kontaktdaten angeben müssten: Das gehe vielen zu weit.

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