Tourismuseinbruch: So schlimm steht es wirklich um die Reisebranche
Die Tourismusbranche vermisst uns Reisende genauso wie wir diese schönen Momente.

Die Tourismusbranche vermisst uns Reisende genauso wie wir diese schönen Momente.

Ryan Christodoulou/Unsplash
Publiziert

TourismuseinbruchSo schlimm steht es wirklich um die Reisebranche

Wöchentlich erreichen uns neue Verlustmeldungen aus der Reisebranche. Wir haben die tiefroten Zahlen gebündelt. Es steht schlecht um den Tourismus – auch den inländischen.

von
Martin Hoch

Die Hiobsbotschaften reissen nicht ab. Es war absehbar, dass die Umsätze durch die Coronakrise im grossen Stil einbrechen werden. Während die Coronakrise für die einen bedeutete, auf ihre langersehnten Ferien zu verzichten, trifft sie viele in ihrer Existenz. Laut dem Welttourismusverband WTTC hängt weltweit jeder zehnte Job vom Tourismus ab. 8,9 Billionen US-Dollars generierte die Tourismus- und Reisebranche 2019, als Corona noch kein Thema war.

An einst gut besuchten Tourismusdestinationen wie dem Machu Picchu in Peru herrscht aktuell gähnende Leere.

An einst gut besuchten Tourismusdestinationen wie dem Machu Picchu in Peru herrscht aktuell gähnende Leere.

Unsplash

Die Flugzeuge bleiben am Boden

Die beliebte Schweizer Ferien-Airline Edelweiss verbuchte 2019 einen Umsatz von 652 Mio. Franken. 2020 waren es nur noch 250 Mio. Franken, was einem Umsatzrückgang von über 60 Prozent entspricht. Die Swiss traf es ähnlich hart. Der Umsatz von Swiss brach 2020 gegenüber dem Vorjahr um 65,2 Prozent ein, der operative Verlust betrug 654 Mio. Franken. Das Passagiervolumen ist auf ein Viertel von 2019 geschrumpft.

Eine Aussicht, die in den vergangenen Monaten nur noch wenige Passagiere und Passagierinnen genossen.

Eine Aussicht, die in den vergangenen Monaten nur noch wenige Passagiere und Passagierinnen genossen.

Unsplash, Daria Shevtsova

Keine Flugpassagiere bedeutet leere Flughäfen

2020 sind 8,34 Millionen Passagiere und Passagierinnen über den Flughafen Zürich geflogen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einer Abnahme von 73,5 Prozent. Der Konzernverlust für das abgeschlossene Geschäftsjahr betrug 69,1 Millionen Franken.

Derart leer wie die letzten Monaten kannte man den Flughafen Zürich früher nicht.

Derart leer wie die letzten Monaten kannte man den Flughafen Zürich früher nicht.

Unsplash, Anna Shvets

Es trifft gross und klein

Die grossen Reiseveranstalter traf die Krise unvermittelt. Erst hiess es, alle Touristen und Touristinnen zurück in die Schweiz zu holen, es folgte ein Berg an Arbeit mit Buchungsstornierungen und Umbuchungen und schliesslich kam die Quittung: So verbuchte Hotelplan Schweiz einen Umsatzrückgang von 63 Prozent im 2020 im Vergleich zu 2019. Wobei das Geschäftsjahr bei Hotelplan jeweils bereits im November startet und dadurch in der Rechnung 2019 noch ertragsreiche Vor-Corona-Monate mit einberechnet wurden.

Ein deutlicheres Bild zeigt DER Touristik Schweiz, zu dem mitunter Kuoni gehört. Hier beginnt das Geschäftsjahr Anfang Januar und endet Ende Dezember. Der Umsatzrückgang belief sich 2020 im Vergleich zu 2019 auf satte 75 Prozent.

TUI Suisse hat das Jahr 2020 wie die meisten in der Branche äusserst stark begonnen. Nach Beginn der Pandemie im März hat TUI Suisse im Jahr 2020 einen Umsatzrückgang von 80 Prozent im Vergleich zu 2019 verbucht. Auch die Schweizer Asienanbieter Diethelm Travel und Tourasia weisen mit Umsatzrückgängen von über 70 Prozent ähnliche Zahlen aus.

Davon träumen die meisten aktuell nur.

Davon träumen die meisten aktuell nur.

Unsplash, Michael Block

Und wie meistens, wenn die Grossen husten, liegen die Kleinen mit Fieber im Krankenbett. Nachdem wir während des Lockdowns im Mai 2020 mit Reiserbüroinhaber Tomi Biedermann über die schwierige Situation sprachen, kontaktieren wir ihn die Tage erneut. Er habe die Hoffnung noch immer nicht verloren, sagt er. Anhand der Geschäftszahlen hätte er aber jeden Grund dafür gehabt: Sein unabhängiges Reisebüro B&B Travel erlitt 2020 einen Umsatzrückgang im Vergleich zu 2019 von gegen 90 Prozent.

Und der inländische Tourismus?

Auf den letztjährigen Lockdown folgte der Sommer. So kam nach der Wiederaufnahme des Betriebs anfangs Juni wieder Hoffnung auf. Schweizerinnen und Schweizer machten begeistert Ferien in den Bergkantonen. Mit fünf Millionen Hotel-Logiernächten schrieb man von Juli bis Oktober ein Plus von 46 Prozent.

Im Coronajahr 2020 entdeckten wir alle unsere Schweiz – schon ziemlich idyllisch.

Im Coronajahr 2020 entdeckten wir alle unsere Schweiz – schon ziemlich idyllisch.

Unsplash, Patrick Robert Doyle

Doch diese kurze Zeitspanne liefert übers gesamte Jahr ein trügerisches Bild ab. Denn die Logiernächte gingen 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent zurück. Die verschiedenen Kantone traf es unterschiedlich hart. Während der Bergkanton Graubünden bei den Logiernächten einen Rückgang von 9,2 Prozent verbuchte, waren es in der Region Genf 67,5 Prozent. Es zeigt: Am stärksten litten die Städte. So präsentierte Chur Tourismus erst heute die aktuellen Zahlen – im Januar und Februar dieses Jahres resultierte bei den Churer Logiernächten ein Minus von 70 Prozent.

Hättest du gedacht, dass es der Branche derart schlecht geht? Oder bist du eher erstaunt, dass überhaupt noch Umsatz mit Reisen gemacht wird? Gefällt es dir, dass aktuell weniger um die Welt geflogen wird? Hau in die Tasten und hinterlasse uns in den Kommentaren deine Meinung.

Deine Meinung

34 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Jetair

17.03.2021, 12:15

Die Natur kann sich erholen, somit sehe ich Reiseeinschränkungen positiv.

Eberhard

16.03.2021, 19:26

Der Virus macht mir weniger Angst als dass was noch kommen wird.

Rolf Leutwiler

16.03.2021, 19:13

Die Reiseanbieter, Flüghäfen und Fluggesellschaften müssen jetzt in den Konkurs geschickt werden. Was einmal war wird nicht mehr wieder in absehbarer Zeit. Es braucht jetzt eine Bereinigung der Branche - und zwar ohne staatliche Hilfe.