16.10.2015 16:03

Wahlen 2015

So schlugen sich die Parteien im Wahlkampf

Mit welchen Themen konnten die Parteien punkten, wie haben sie den Wahlkampf gemeistert, und was könnte den Erfolg verhindern? Ein Überblick.

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SVP: Wahlsieg dank Flüchtlingswelle?

Die Erfolgschancen: Die Rechtskonservativen kamen 2011 auf einen Wähleranteil von 26,6 Prozent – am Sonntag dürften sie laut Umfragen zulegen. Die neuste Umfrage von 20 Minuten und der Forschungsstelle Sotomo sagte letzte Woche einen Wähleranteil von 29 % voraus, das SRG-Wahlbarometer rechnet mir 27,9 %. Um bis zu sechs Sitze soll die Partei zulegen können.

Der Wahlkampf: Schlagzeilen hat die Partei vor allem mit ihren Wahlkampfvideos gemacht. Die politischen Inhalte waren in den Songs aber Mangelware, was innerhalb der Partei für Kritik sorgte: «Das Lied und der Plüschhund sind doch eher gaga und eine Trivialisierung. Politik ist eine ernsthafte Sache», sagte etwa der Zürcher Nationalrat Alfred Heer. Dabei wären die Themen da: Im Wahlkampf forderte die Partei im Hinblick auf die Flüchtlingswelle zum Beispiel eine Wiedereinführung der Grenzkontrollen.

SP: Mobilisierung per Telefon

Die Erfolgschancen: Die Sozialdemokraten konnten bei den letzten Parlamentswahlen 18,7 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Umfragen zufolge bleibt der Wähleranteil der Partei stabil. Während die SP laut 20 Minuten-Umfrage leicht verliert (18,4 % Wähleranteil), gewinnt sie laut Wahlbarometer (19,2 % Wähleranteil) leicht.

Der Wahlkampf: Die SP setzte im Wahlkampf dieses Mal verstärkt auf die Mobilisierung von Sympathisanten per Telefonanruf. Rund 100'000 SP-Sympathisanten wurden per Telefon kontaktiert und zum Wählen motiviert. Dafür investierte die Partei rund die Hälfte ihres Wahlkampfbudgets. Die Themen der SP sind klassisch linke Anliegen: Bezahlbare Mieten, faire Löhne, Spekulationsstopp auf Nahrungsmitteln. Das im Wahlkampf dominierende Thema der Flüchtlingsströme in Europa haben die Sozialdemokraten aber weitgehend ignoriert und das Feld den anderen Parteien überlassen.

FDP: Erster nationaler Wahlerfolg seit 30 Jahren?

Die Erfolgschancen: Die FDP kam bei den letzten Wahlen auf 15,1 Prozent, dieses Mal darf die Partei auf einen Wahlsieg hoffen. Sowohl die 20 Minuten-Umfrage (Wähleranteil: 15,8 %) als auch das Wahlbarometer (16,7 % Wähleranteil) bescheinigen der Partei leichte Stimmengewinne. Im Frühjahr schnitt die Partei bei Umfragen noch besser ab, weil sie bei Themen wie Frankenstärke und Europa für viele Wähler kompetenter als die SVP agierte. Ob der Unfall von Philipp Müller, bei dem er eine 17-jährige Rollerfahrerin verletzte, der Partei schadet, ist noch unklar.

Der Wahlkampf: Die Partei stieg mit den drei Kampfbegriffen Freiheit, Gemeinsinn und Fortschritt in den Wahlkampf. Bei der FDP wurde der Wahlkampf ebenfalls gross inszeniert, am Parteitag regnete es Ballone und eine Hüpfburg wurde aufgebaut. Auch wenn das Asyl-Thema die Europafrage abgelöst hat: Die Freisinnigen können mit Sitzgewinnen rechnen.

CVP: Geht der Sinkflug geht weiter?

Die Erfolgschancen: Die CVP kam 2011 auf 12,3 % Wähleranteil. Den Sinkflug der letzten Jahre kann die Partei auch 2015 wahrscheinlich nicht stoppen: In den neusten Umfragen schneidet die Partei schlecht ab: Nur noch 11,4 % legen gemäss 20 Minuten und Sotomo ihre Stimme für die CVP ein, laut Wahlbarometer wollen noch 11, 5 % die CVP wählen.

Der Wahlkampf: Die CVP stieg wie die SP mit ihren klassischen Themen wie der Familienpolitik in den Ring und überraschte mit Guerilla-Aktionen. Die Flüchtlingsthematik wurde am Sommerparteitag diskutiert, und eine fünfköpfige Gruppe um Gery Pfister und Urs Schwaller forderte in einem Positionspapier unter anderem ein Bargeldverbot und Arbeitspflicht für Asylbewerber.

Grüne: Umweltthemen nicht aktuell

Die Erfolgschancen: Die Grünen holten bei den letzten Wahlen 8,4 % der Stimmen, dieses Mal dürften es leicht weniger sein: 20 Minuten sagt 7,4 % Wähleranteil voraus, laut SRG-Wahlbarometer wollen noch 7,2 % der Wähler die Grünen wählen.

Der Wahlkampf: Die Grünen haben neben Themen der Umweltpolitik auch auf die Asyldebatte reagiert, und auch gegen den Überwachungsstaat wehte sich die Partei, doch offenbar werden die Grünen immer noch sehr stark mit Umweltthemen in Verbindung gebracht, und auf dem Sorgenbarometer stehen andere Themen als Atomausstieg und Klimawandel.

BDP und GLP: Bienenfleissig und still

Die Erfolgschancen: Die neue Mitte dürfte laut den Umfragen Mühe haben, ihre Wähleranteile zu halten. Kamen beide Parteien 2011 auf 5,4 Prozent Wähleranteil, wollen jetzt jeweils knapp 5 Prozent der Wähler eine neue Mittepartei wählen. Die GLP kann nicht mehr auf die gleichen Listenverbindungen setzen wie vor fünf Jahren. Dies dürfte sie mehrere Sitze kosten.

Der Wahlkampf: Die BDP stieg mit der Biene als Wahlkampfmaskottchen in den Ring. Dieses soll Werte wie Fleiss, Ausdauer, Gemeinschaftssinn und Engagement verkörpern. Bei der GLP war es nach der historischen Abstimmunsniederlage bei der Initiative «Energie- statt Mehrwertsteuer» auffällig still.

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