Aktualisiert 27.08.2012 08:48

Neulich auf dem Times SquareSo schnell wird ein Nobody zum «Star»

Wie schnell kann man eine Menschenmenge davon überzeugen, dass man berühmt ist? Student Brett Cohen hat die Promi-Probe aufs Exempel gemacht. Die Reaktion seiner Landsleute war erschreckend.

von
phi

Der junge Mann steht im Eingang des New Yorker Rockefeller Center und lässt sich geduldig von den Paparazzi fotografieren. Sein Assistent tritt zu ihm und raunt ihm etwas ins Ohr. Verfolgt von einem Kamerateam macht sich der Schönling auf den Weg, den ihm seine beiden Bodyguards frei räumen. Immer wieder muss er anhalten, um mit Menschen zu posieren.

TV-Journalisten fragen einige Teenager, woher sie Brett Cohen kennen. «Aus Spiderman», antwortet einer und bekundet, wie gut der vermeintliche Schauspieler in dem Streifen gewesen sei. Ein anderer Passant verrät, dass er die erste Single des jungen Mannes gehört habe. «Und sie war gut.» Ein Polizist platziert sich genau so neben dem «Star» wie eine Gruppe geifernder Mädchen, die schon ganz verliebt aussehen. Ein Erwachsener prognostiziert: «Er hat eine grosse Zukunft im Film-Business.»

«Es war total verrückt»

Allein: Der Knabe ist ein Niemand. Zumindest in Bezug auf seine Star-Qualitäten. Brett Cohen ist weder Schauspieler, noch Musiker. Er ist ein Student an der State University of New York, der im März 2012 mit seinem Kommilitonen Edward Sturm eine Schnapsidee hatte. «Der Plan war: Ich wette, dass alle Leute durchdrehen, wenn wir mit Bodyguards und Fotografen durch die Gegend laufen. Und genau das ist passiert», erläuterte der 21-Jährige auf Nachfrage der «New York Daily News».

Cohens 15-köpfige Entourage tat dabei zwar so, als sei Brett eine ganz grosse Nummer, log jedoch keine Passanten an. «Das einzige, was ich den Leuten gesagt habe, war mein Name. Wir wollten wirklich, dass sie eigene Antworten liefern. Ich musste so tun, als sei alles normal, aber es war verrückt. Es war hart, die ganze Zeit ein ernstes Gesicht aufzusetzen.» Das dürfte besonders für die Szenen gelten, in denen «Reporter» Edward Sturm Groupies über den Promi befragte.

«Wir sind von Stars und Ruhm besessen»

Das Theater auf New Yorks Strassen dauerte drei Stunden. Cohen glaubt, in der Zeit 300 Mal fotografiert worden zu sein. «Ich habe einen Geschmack vom Ruhm bekommen, aber das ist nichts, was ich mir jeden Tag wünschen würde», fand der Student. Beim Sender ABC bezeichnete er die Aktion gar als «soziales Experiment»: «Es bestätigt die Theorie, dass unsere Kultur sehr von Stars und Ruhm besessen ist.»

Anfangs sei die Crew noch nervös gewesen, doch bevor die Kameras seiner Freunde angeschaltet waren, kamen schon die ersten Autogrammwünsche. Einen kurzen Schrecken bekam Brett Cohen am Times Square, als die Staatsgewalt auftauchte. «Zwei Cops kamen auf mich zu und ich war so nervös, aber sie fragten einfach nur, ob sie ein Foto mit mir machen können.» Seine Tarnung war einfach besser, als die Promi-Polizei erlaubt.

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