«Yes We Scan»: So schützen Sie sich vor Internet-Schnüfflern
Aktualisiert

«Yes We Scan»So schützen Sie sich vor Internet-Schnüfflern

Wuala statt Dropbox, Threema statt iMessage: Weil populäre US-Dienste ihre Nutzer ans Messer liefern, gilt es sich nach sicheren Alternativen umzuschauen. Ein Überblick.

von
dsc/owi

Die Verschwörungstheoretiker haben recht bekommen. Im Namen der Terrorismusbekämpfung bespitzeln die USA unter Barack Obama die ganze Welt und machen dabei die bekanntesten Tech-Unternehmen wie Google oder Apple zu Komplizen. Wer seine Privatsphäre zu 100 Prozent schützen will, hat eigentlich nur eine Möglichkeit: den Stöpsel ziehen und ausschliesslich offline kommunizieren.

Natürlich steht dieser Schritt im Zeitalter der Smartphones und Tablets für viele Menschen nicht zur Debatte. Zu wichtig sind die Internet-fähigen Geräte im Alltag bereits geworden. Und so gilt es sich für einen Mittelweg zu entscheiden. Denn Fakt ist: Es gibt Alternativen zu den populären, aber mit Hintertüren versehenen Diensten der US-Unternehmen. Die Frage ist, ob man mit den Konsequenzen im Alltag leben will. Denn mehr Sicherheit bedeutet in der Regel zusätzlichen Aufwand und ist mit einer Einbusse an Nutzer-Komfort verbunden.

Globaler Datenverkehr

Wer nicht vom US-Geheimdienst NSA oder dem FBI ausspioniert werden will, muss sicherstellen, dass seine Daten nicht über amerikanische Server laufen. Das ist einfacher gesagt als getan. Denn der Datenverkehr ist längst global geworden. Wer mit seinem kostenlosen Gmail-Konto ein Mail abschickt, hat bereits verloren. Die Nachricht dürfte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit via Unterseekabel in die USA reisen und von dort über zahlreiche weitere Internet-Knotenpunkte zum Empfänger gelangen.

Das gleiche Problem stellt sich aber auch bei europäischen Webmail-Anbietern. Daraus ergibt sich die Konsequenz, dass jede Nachricht noch auf dem eigenen Computer verschlüsselt werden muss, wie der Schweizer Sicherheitsexperte Marc Ruef rät. Es gilt also eine Verschlüsselungs-Software wie TrueCrypt einzusetzen und gleichzeitig sicherzustellen, dass alle Empfänger den entsprechenden Schlüssel zur Verfügung haben (siehe Bildstrecke).

Ein sicherer Hafen?

Was das Speichern von digitalen Inhalten auf fremden Servern betrifft, dürften europäische Cloud-Anbieter Auftrieb erhalten. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte seine Daten nur noch Rechenzentren in Ländern anvertrauen, die über vergleichsweise strenge Datenschutzgesetze verfügen. Zwar müssen sich US-Unternehmen gemäss dem Safe-Harbor-Abkommen verpflichten, nicht gegen die europäischen Datenschutz-Richtlinien zu verstossen. Dabei handelt es sich allerdings um eine reine Selbstdeklaration.

Der Bundesrat hat gewarnt

Beim Eidgenössischen Datenschützer zeigt man sich auf Anfrage wenig überrascht von den jüngsten Enthüllungen. Die Sprecherin von Datenschützer Hanspeter Thür verweist auf eine kürzlich veröffentlichte Stellungnahme des Bundesrates. Darin warnte die Landesregierung vor den weitreichenden Möglichkeiten der US-Behörden in Zeiten moderner Technologien. Diese könnten von Unternehmen wie Google oder Facebook die Herausgabe von Personendaten verlangen. Wer soziale Netzwerke oder Online-Speicherdienste benutze, müsse sich der Risiken bewusst sein. Dazu gehörten der Kontrollverlust über einmal ins Internet gestellte Informationen sowie fehlende Einflussmöglichkeiten der schweizerischen Behörden.

Deine Meinung