29.06.2020 07:50

«Regelrechter Sicherheitsapparat»

So schützt das Weisse Haus den US-Präsidenten vor dem Virus

Präsident Donald Trump will die Corona-Epidemie am liebsten vergessen und vergessen machen. Das Weisse Haus muss «dramatische Massnahmen» ergreifen, um den US-Präsidenten vor einer Ansteckung zu schützen.

von
Ann Guenter
1 / 12
Masken halten, ja, aber Masken tragen kommt für ihn nicht infrage: US-Präsident Donald Trump.

Masken halten, ja, aber Masken tragen kommt für ihn nicht infrage: US-Präsident Donald Trump.

Keystone
An dieser Pressekonferenz Mitte Mai bittet Trump einen Reporter, die Maske abzunehmen, da er ihn nicht hören könne. Der US-Präsident macht immer wieder deutlich, dass er von dieser Schutz- und Vorsichtsmassnahme nichts hält.

An dieser Pressekonferenz Mitte Mai bittet Trump einen Reporter, die Maske abzunehmen, da er ihn nicht hören könne. Der US-Präsident macht immer wieder deutlich, dass er von dieser Schutz- und Vorsichtsmassnahme nichts hält.

Keystone
«Es ist, als wäre sein ganzes Gesicht bedeckt. Es ist, als hätte er einen Rucksack über sein Gesicht gestülpt, macht sich der US-Präsident über Joe Biden lustig, dem designierten Herausforderer der Demokraten im Rennen um die Präsidentschaft.

«Es ist, als wäre sein ganzes Gesicht bedeckt. Es ist, als hätte er einen Rucksack über sein Gesicht gestülpt, macht sich der US-Präsident über Joe Biden lustig, dem designierten Herausforderer der Demokraten im Rennen um die Präsidentschaft.

Keystone

Darum gehts

  • Um Donald Trump vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen, wurde ein regelrechter Sicherheitsapparat errichtet.
  • In aufwendigen Reinigungsarbeiten wird jeder Weg, jeder Gang und jeder Raum, den der Präsident betritt, gereinigt.
  • Fun-Fact: Trump hat seit April nicht mehr an den Sitzungen der Corona-Taskforce teilgenommen.

Die Corona-Fälle nehmen in den USA weiter zu: Allein am Samstag stieg die Zahl der Neuinfektionen um mehr als 40’000 und lag nach einer Reuters-Zählung bei über 2,5 Millionen. Die Zahl der bekannten Todesfälle überschritt die Marke von 125’000, mehr als in jedem anderen Land.

Während US-Vizepräsident Mike Pence Wahlkampfveranstaltungen in den Corona-Hotspots Arizona und Florida absagte, weigert sich der US-Präsident nach wie vor, eine Maske anzuziehen. Er sieht dies offensichtlich als ein Zeichen der Schwäche und lässt keine Gelegenheit aus, sich über Joe Biden lustig zu machen, dem designierten Herausforderer der Demokraten im Rennen um die Präsidentschaft. «Es ist, als wäre sein ganzes Gesicht bedeckt. Es ist, als hätte er einen Rucksack über sein Gesicht gestülpt», sagte Donald Trump kürzlich in einem Interview über den maskentragenden Biden.

«Regelrechter Sicherheitsapparat»: Reinigen, desinfizieren, testen

Ginge es nach Trump, wäre die Corona-Epidemie in den USA durch und gegessen und die Normalität könnte wieder Einzug halten. So verkauft er es gern seinen Anhängern. Doch hinter den Kulissen sieht es dann doch anders aus: «Die Massnahmen, die ergriffen werden, um den Präsidenten vor einer Ansteckung mit dem Virus zu schützen, wurden dramatisch erhöht», so CNN. Mittlerweile sei ein regelrechter Sicherheitsapparat um den Präsidenten entstanden.

So kommen bei Reisen des Präsidenten zu den standardmässigen Sicherheitschecks auch aufwendige Reinigungsarbeiten hinzu. Jeder Weg, jeder Gang und jeder Raum, den der Präsident betritt, wird im Voraus von medizinischen Teams auf mögliche Ansteckungsgefahren geprüft, jeder Raum und jedes Badezimmer nicht nur gereinigt, sondern auch desinfiziert und jeder Mitarbeiter, der mit Trump in Berührung kommen könnte, auf das Coronavirus getestet.

Wehe dem, der jetzt niest

Der Präsident macht sich ebenfalls Sorgen um seine Gesundheit – auch aus Imagegründen. Er, der im Wahlkampf gern gegen die Fitness seines 77-jährigen demokratischen Kontrahenten schiesst, ist laut Quellen aus seinem Umfeld zunehmend beunruhigt darüber, wie es wirken würde, erkrankte er selbst an Covid-19. Diese Angst ist trotz aller ergriffenen Massnahmen nicht unbegründet: Zuletzt wurden mehrere Wahlkampfmitarbeiter positiv auf das Virus getestet, und Dutzende wurden vorsorglich in die Selbstisolierung geschickt (20 Minuten berichtete).

Bereits letzten Monat erkrankte im Weissen Haus zudem ein Sicherheitsmitarbeiter, der unter anderem mit der Verpflegung des Präsidenten beauftragt war. Trump sei sehr erbost darüber gewesen, dass sich eine Person, die ihm im Alltag so nahe kommt, anstecken konnte. Fortan habe er viel Abstand zu Personen gehalten, die er nicht gut kenne, berichten Personen aus Trumps Umfeld.

Schon vor der Corona-Epidemie habe Trump jeden, der es gewagt habe, im Weissen Haus zu husten oder zu niesen, niedergemacht – immerhin bezeichnet er sich selbst schon seit Jahren als Keimphobiker. Mittlerweile werde auch nur jedes kleine Räuspern mit eisigen Blicken des Präsidenten abgestraft und die betreffende Person und des Zimmers verwiesen.

Trump seit April nicht mehr an Sitzungen der Corona-Taskforce dabei

Letzten Freitag fand ein Briefing der Covid-19-Taskforce statt. Der US-Präsident nahm daran nicht teil, was gemäss US-Medien den Eindruck verstärkt, dass Donald Trump die Handhabung der Corona-Krise anderen Regierungsmitgliedern überlässt. Immerhin: «Keiner der führenden Gesundheitsexperten schien darüber besonders traurig gewesen zu sein», schreibt CNN. Die Treffen der Coronavirus-Traskforce waren vor einiger Zeit ohne Erklärung vom Situation Room im Weissen Haus in das Hauptquartier der Gesundheitsbehörde verlegt worden. Vizepräsident Mike Pence war am Freitag an der Sitzung dabei. Präsident Trump hingegen twitterte währenddessen aus dem Weissen Haus und liess seinem Ärger über umgestürzte Statuen im Land freien Lauf. Zwei Quellen aus dem Weissen Haus berichteten unabhängig voneinander, dass der US-Präsident seit April an keinem formellen Treffen der Covid-19-Taskforce mehr teilgenommen habe.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
32 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Ich bin ein Glückspilz

30.06.2020, 22:40

Ziemlich witzig, wegen einer solchen kleinen, und so harmlosen Grippe, sagt Trump ja selber, stellt dieser alte hartgesottene Kerl jetzt das ganze weisse Haus auf den Kopf, und macht daraus den „cleanest place on Earth“. Und dabei ist diese kleine blöde Grippe ja schon längst vorbei, sagt der Leader doch auch jeden Tag. Aber wenn vielleicht doch nicht, sind zum Glück die Chinesen Schuld. Um das zu verstehen muss man wohl ein echter Ami sein, und ich bin mir jetzt absolut sicher, ich bin Gottseidank keiner.

Vorsicht ist Mutter der Porzel

29.06.2020, 11:10

Also CNN als Quelle ist keine objektive Berichterstattung. Der Präsident, so unbeliebt wie er ist in gewissen Kreisen, muss eventuell auch damit rechnen, dass jemand absichtlich zum Beispiel ein Badezimmer infiszieren könnte.

Theo

29.06.2020, 10:23

Warum merken die Amerikaner nicht, dass dieser Mensch absolut krank im Kopf ist ?? Es ist wirklich erschreckend, dass dieser Typ so viel Macht hat. Unglaublich! Er ist gefährlich, provokativ, rassistisch und sehr, sehr kurzsichtig. Ich wünsche der Welt, dass er schnell abtritt.