Betrug mit Bankkarten - So schützt du dich vor den kontaktlosen Taschendieben
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Betrug mit BankkartenSo schützt du dich vor den kontaktlosen Taschendieben

Kontaktlos bezahlen ist praktisch und schnell. Doch Kriminelle haben so die Gelegenheit, Geld abzubuchen, ohne dass die Opfer etwas davon merken.

von
Janine Gloor
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Das kontaktlose Bezahlen ist während Corona sehr beliebt geworden.

Das kontaktlose Bezahlen ist während Corona sehr beliebt geworden.

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Mit einem Funkchip werden Daten an das Zahlterminal gesendet und der Betrag abgebucht.

Mit einem Funkchip werden Daten an das Zahlterminal gesendet und der Betrag abgebucht.

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Diese Technik machen sich auch Diebe zunutze. So können sie Geld stehlen, ohne das fremde Portemonnaie zu klauen.

Diese Technik machen sich auch Diebe zunutze. So können sie Geld stehlen, ohne das fremde Portemonnaie zu klauen.

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Darum gehts

  • Kriminelle können mit einem Lesegerät heimlich Geld von ihren Opfern abbuchen.

  • Dabei müssen sie nah genug an eine Bankkarte.

  • Der digitale Taschendiebstahl funktioniert kontaktlos.

  • Es gibt Möglichkeiten, die Chipkarte zu schützen.

Kontaktloses Bezahlen hat in der Pandemie vieles einfacher gemacht. Doch auch Betrüger und Betrügerinnen haben es so leichter, an das Geld ihrer Opfer zu kommen. Die Informationen, die auf dem Chip einer Kredit- oder Debitkarte gespeichert sind, können auch von ihnen gelesen werden.

Im Laden hält man die Karte an ein Lesegerät, bis die Transaktion erledigt ist. Seit einem Jahr muss für Beträge bis zu 80 Franken kein Code eingegeben werden. Nach diesem Prinzip können Kriminelle Geld abbuchen, wie die Zeitschrift «K-Geld» schreibt.

Für knapp vierzig Franken kann sich jede Person in Schweizer Onlineshops ein Zahlterminal bestellen, zum Beispiel von der Marke Sumup Air. Für die Inbetriebnahme muss man bei der Firma ein Konto eröffnen, wie K-Geld festhält. Das Gerät ist eigentlich für Händler und Händlerinnen gedacht, doch es muss kein Beweis für ein Geschäft erbracht werden, auch ein Ausweis ist nicht nötig. Lediglich ein Bankkonto muss hinterlegt werden. Dazu kann auch ein Konto einer Smartphonebank verwendet werden.

So schützt du deine Karten

Damit keine Daten geklaut und keine heimliche Buchung gemacht werden kann, muss der Funkchip auf der Bankkarte vor dem Zugriff geschützt werden. Es nützt nichts, die Karte besonders tief im Portemonnaie zu vergraben oder mehrere aufeinander zu lagern, im Test von K-Geld haben die Betrüger und Betrügerinnen mit ihren Bezahlterminals trotzdem zuschlagen können. Spezielle Portemonnaies bieten einen Schutz vor Funkwellen. Es gibt auch Schutzhüllen für Bankkarten, die die Chips abschirmen. Eine simple und günstige Lösung, die auch der Konsumentenschutz empfiehlt, ist ein Aluhut für die Chipkarten: Einfach die Karte in ein Stück Alufolie einwickeln, bevor man sie ins Portemonnaie steckt.

Mit der App für das Bezahlgerät kann ein Betrag gewählt werden. Und dieser wird dann vom Konto der nächsten Karte, die an das Zahlterminal gehalten wird, abgebucht. Dabei muss die Karte nicht einmal direkt am Terminal sein. Das Abbuchen funktioniert auch, wenn die Karte im Portemonnaie steckt.

Signalverstärker für Lesegeräte

So kann nichts ahnenden Passanten unbemerkt Geld abgebucht werden. Dabei müssen die Betrügerinnen und Betrüger das Gerät nicht direkt an das Portemonnaie halten. Es gibt Antennen, die die Signale des Terminals verstärken. So können die Kriminellen auch aus der Distanz von fünf oder mehr Zentimetern vorgehen. Im Gedränge in einem vollen Bus zum Beispiel.

Nicht nur Bezahlterminals können in den Händen falscher Leute eine Gefahr darstellen. Die Daten, die auf dem Chip einer kontaktlosen Karte gespeichert sind, können auch mit einem Handy geklaut werden. «Kreditkarten und EC-Karten kann man einfach kontaktlos lesen», sagt Yves Seganfreddo in einem früheren Artikel zu 20 Minuten.

Im Video siehst du, wie einfach mit einem Handy die Daten einer Kreditkarte gestohlen werden können:

Video von 2018: Murat Temel / Kaspar Wolfensberger

Für den Datenklau braucht es gemäss Seganfreddo lediglich ein Android-Handy und eine Software, die aus dem Store heruntergeladen werden kann. Betrüger und Betrügerinnen würden auch hier mit einer Antenne vorgehen, um das Signal zu verstärken.

«Zu hoher Aufwand»

Die Swiss Payment Association bestätigt 20 Minuten, dass es mit Zahlterminal grundsätzlich technisch möglich ist, unbemerkt Geld von fremden kontaktlosfähigen Karten abzubuchen. Die Branchenorganisation betont allerdings, dass solche Diebstahlmuster praktisch nicht vorkommen.

Angesichts der möglichen Deliktsumme von 80 Franken stehe der Aufwand nicht im Verhältnis. Auch gebe es für die Kriminellen zu viele Risiken. So müsse die Person, die sich ein Lesegerät besorgt haben, einen Vertrag mit dem Zahlungsdienst-Anbieter wie etwa Sumup abschliessen. Dabei werde der Antragsteller nochmals überprüft und müsse Daten angeben: «Diese Transparenz scheuen Kriminelle», so die Organisation.

Vor Schaden geschützt

Zudem müsse man auffällig nahe an ein potenzielles Opfer herankommen und genau wissen, wo es die Karte mit sich trägt. Nur so habe man die Chance auf eine heimliche Transaktion. Letztlich hätten die Anbieter von Lesegeräten und die Herausgeber von Bezahlkarten «ausgeklügelte Betrugs-Präventionssysteme und erkennen rasch verdächtige Transaktionsmuster».

Sollte es trotzdem zu einem Diebstahl kommen, übernimmt der Kartenherausgeber die Verantwortung für den finanziellen Schaden – solange der Geschädigte seine Sorgfaltspflichten eingehalten hat, so die Swiss Payment Association.

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