Wiederöffnung : So sieht der McDonald’s in Corona-Zeiten aus

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Wiederöffnung So sieht der McDonald’s in Corona-Zeiten aus

Die Fast-Food-Kette feilt an einem Hygienekonzept für den Tischservice in den Restaurants. In der Schweiz sind die ersten Tests angelaufen. Wie teuer und komplex die Umsetzung sein kann, zeigt der Blick in die USA.

von
Dominic Benz
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Wegen der Corona-Epidemie mussten Restaurants dichtgemacht werden. Auch bei McDonald’s schlossen viele der 39’000 Filialen rund um den Globus – auch in der Schweiz.

Wegen der Corona-Epidemie mussten Restaurants dichtgemacht werden. Auch bei McDonald’s schlossen viele der 39’000 Filialen rund um den Globus – auch in der Schweiz.

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Seit Ende April die können Kunden hierzulande wieder in McDrives und über den Lieferdienst McDelivery Burger und Pommes Frites bestellen.

Seit Ende April die können Kunden hierzulande wieder in McDrives und über den Lieferdienst McDelivery Burger und Pommes Frites bestellen.

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Auch der Take-Away ist seit dem 11. Mai wieder möglich. Geschlossen bleiben hingegen vorerst die Essensbereiche in den Filialen.

Auch der Take-Away ist seit dem 11. Mai wieder möglich. Geschlossen bleiben hingegen vorerst die Essensbereiche in den Filialen.

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Darum gehts

  • Die Fast-Food-Kette will den Service in den Restaurants so bald wie möglich wieder öffnen.
  • Dafür testet McDonald’s in der Schweiz komplexe Sicherheitskonzepte.
  • Wie der McDonald’s der Zukunft aussehen könnte, zeigt auch der Blick in die USA und die Niederlande.
  • Die Hygieneregeln können für die Franchisenehmer hohe Kosten verursachen.

Mit den Lockdown-Lockerungen öffnet auch McDonald’s wieder schrittweise sein Angebot. Seit Ende April können die Kunden wieder unter Einhaltung der Hygienevorschriften in McDrives und über den Lieferdienst McDelivery Burger und Pommes frites bestellen. Auch der Take-away ist seit dem 11. Mai wieder möglich. Geschlossen bleiben hingegen vorerst die Essensbereiche in den Filialen.

Das soll sich ändern. Die Fast-Food-Kette arbeitet auf Hochtouren an der Wiederöffnung der Restaurants. Dazu feilt McDonald’s an einem ausgeklügelten Sicherheitskonzept. «Dieses testen wir zurzeit in drei unserer 170 Restaurants», sagt Sprecherin Jae Ah Kim zu 20 Minuten.

Pilot-Filialen sind soeben in Uster ZH, im Glattzentrum und in Luzern aufgegangen. Weitere sollen in Zürich und Genf dazukommen. Wann die Essbereiche grossflächig wieder geöffnet werden, kann McDonald’s noch nicht sagen.

Laut McDonald’s testet man für das Restaurant die zusätzlichen Auflagen des Bundes für den Service am Tisch. «Beispielsweise die kontaktlose Übergabe der Menüs am Tisch oder die freiwillige Erfassung der Gästedaten», sagt Kim. Sie verweist zudem auf die bereits eingeführten Hygienemassnahmen im McDrive, bei McDelivery und beim Take-away (siehe Bildergalerie).

Kein Kontakt zwischen Kunden und Personal

Wie eine McDonald’s-Filiale in Zukunft – oder zumindest in den nächsten Monaten – aussehen könnte, zeigt das Beispiel im niederländischen Arnheim. Dort testet das Unternehmen den Betrieb ohne direkte Berührungspunkte zwischen Kunden und Personal.

Die Gäste müssen Bodenmarkierungen folgen und vor dem Eingang an einer Waschstation die Hände 20 Sekunden lang reinigen. Das Essen wird an einem Screen bestellt, der nach jeden Gebrauch wieder desinfiziert wird. Mitarbeiter mit Handschuhen und Masken fahren das Essen auf einem Servierwagen an den Tisch. Zum Schluss werden Wagen und Tisch gereinigt.

So sieht die Test-Filiale von McDonald’s in Arnheim aus:

Auch in den USA schraubt man an einem Konzept. Wie komplex und teuer die Wiederöffnung sein wird, zeigt ein von McDonald’s kürzlich verfasstes 59-seitiges Handbuch, das dem «Wall Street Journal» vorliegt. Hunderte von Franchisenehmern im Land sollen sich nach dem Leitfaden richten.

Für die Betreiber eine logistische und finanzielle Herausforderung. Neben den grösseren Abständen zwischen den Tischen, Beschränkung der Anzahl Gäste und anderen Abstandsregeln sollen die Mitarbeiter jede halbe Stunde die Toiletten, Türgriffe, Theken oder Mülldeckel reinigen, die Screens nach jeder Bestellung.

Berührungslose Waschbecken für 718 Dollar

Empfohlen werden Umbauten: Waschbecken sollen sich automatisch bedienen und WC-Türen per Fussmechanismus öffnen lassen. Das hat seinen Preis. Im Handbuch werden die Produkte aufgeführt, etwa den automatischen Handtuchspender für 310 Dollar oder das berührungslose Waschbecken für 718 Dollar.

Laut McDonald’s Schweiz haben die Auflagen im Ausland aber nur bedingt Einfluss auf die hiesigen Sicherheitskonzepte. Selbstverständlich stehe man aber im engen Austausch mit den Kollegen von anderen Ländergesellschaften, verfüge jedoch über ein Schutzkonzept, das konkret auf die Schweiz abgestimmt sei, sagt Sprecherin Kim.

«Wie das finale Konzept aussehen wird, können wir noch nicht sagen, denn wir wollen zuerst aus den Tests lernen.» Die neuen Lösungen für den Gastronomiebetrieb würden aber von den Lizenznehmern vollständig mitgetragen.

Auswärts essen

Hygienekonzept als Hoffnung

Für McDonald’s ist das neue Sicherheitskonzept zentral. Die Gäste sollen wieder in die Restaurants zurückkehren und Vertrauen in die Hygienemassnahmen haben. Damit will man den Umsatzeinbruch stoppen.

Viele der weltweit 39’000 Filialen mussten im Zuge der Corona-Krise schliessen. Allein in den USA gibt es 14’000 Standorte, in der Schweiz rund 170. Im März schrumpften die Umsätze um über 20 Prozent.

Viele Franchisenehmer befürchten aber, dass sich wegen der Hygienemassnahmen ihre Filiale nicht mehr gewinnbringend betreiben lasse. In der Schweiz gibt es rund 50 Lizenznehmer. Diese betreiben laut McDonald’s rund 85 Prozent der hiesigen Filialen selbstständig.

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