Neue Kampagne Bund wirbt auf Tinder fürs Abstandhalten

Die Experten des BAG informieren in einer Medienkonferenz über die Bekämpfung des Corona-Virus.

BAG informiert über die aktuelle Lage in der Schweiz

Pressekonferenz vom Mittwoch, 25. September

Deine Meinung

Donnerstag, 24.9.2020

PK beendet

Damit ist die Pressekonferenz beendet. Das BAG hat eine neue Kampagne angekündigt, die auch über Tinder gespielt werden wird. Dazu stellte Milo Puhan von der Uni Zürich eine breit angelegte Studie zu den Corona-Entwicklungen in der Schweiz vor. Und: Stefan Kuster erklärte seinen gestern bekannt gewordenen Rücktritt. Seine Stärken lägen in der Infektiologie, auf diese wolle er sich zukünftig auch konzentrieren, so Kuster.

Wie sind die elf Prozent Immunität zu verstehen?

Puhan: «Das ist noch nicht sehr viel, das Virus kann sich immer noch ausbreiten. Es ist aber auch nur eine Bestandesaufnahme. Es wird auch sehr darauf ankommen, wie sich das in den einzelnen Berufsgruppen entwickelt.»

Wie soll es mit den Tests weitergehen?

Kuster: «Ideal wären 40'000 Tests pro Tag. Aber auch andere Länder hegen solche Pläne. Es hängt auch vom Ausland und den verfügbaren Tests ab, ob wir diese Kapazitäten erreichen.»

Kuster erklärt sich

Es zeichnet sich ab, dass dieser Marathon noch eine Weile dauern wird, sagt Kuster. «Für das BAG ist es wichtig, sich breit aufzustellen. Es wird wieder bergauf gehen» Die Medienarbeit wird nun auf verschiedene Stellen aufgeteilt. «Meine Stärken liegen in der Infektiologie», so Kuster. Wie seine Zukunft im BAG konkret ausschaut, könne er heute noch nicht sagen.

Fragerunde eröffnet

Journalisten dürfen Fragen stellen.

Übertragungwege an den Schulen

Puhan spricht über eine gross angelegte Studie an Schulen: 2585 Schulkinder aus 55 Schulen und 2000 Eltern und 1600 Mitarbeiter von Schulen wurden untersucht. Es geht um die Frage, wie die Ansteckungen an Schulen vonstatten gehen. Die Studie heisst «Ciao Corona» und läuft noch.

Kam es zu Clustern innerhalb von Schulklassen? Antwort: Bis zum Zeitpunkt vor den Sommerferien sahen wir keine Häufung von Fällen, sagt Puhan.

Exponierte Berufsgruppen

Resultate aus dem Kanton Waadt, wo Mitarbeiter im Lebensmittelbereich, Wäscherein, ÖV und Post untersucht wurden. Wie schaut es dort aus? «Die Seroprävalenz war viel höher bei den Menschen im Lebensmittelbereicht als solche in der allgemeinen Bevölkerung». Das gleiche könne nicht für Buschauffeusen und Chauffeure gesagt werden.

Resultate

Corona Immunitas hat sich für einen Corona-Test der Uni Lausanne EPFL entschieden. Puhan stellt Resultate vor: «Wir konnten die Dynamik der ersten Welle nachzeichnen. Bis Ende April stieg der Anteil an Personen mit Antikörpern bei elf Prozent.» Zahlen von Genf würden noch fehlen, sagt Puhan. Das seien vorläufige Resultate, betont der Wissenschaftler der Uni Zürich.

Kompass

Wir möchten einen Kompass sein für die Bewältigung der Pandemie, sagt Puhan. Dazu solle die Ausbreitung über die Zeit hinweg beobachten. Altersheime und Schule stünden im Zentrum, dazu auch die Planung und Durchführung von Impfprogrammen.

Gemeinsame Ziele und Methoden

«Wenn jeder etwas andere Daten erhebt, kommt man nicht weiter», sagt Puhan bestimmt. Das sei das Ziel von Corona Immunitas. Die Protokolle, Fragebögen und Methoden würden sich entsprechen, was ein enormer Vorteil sei.

Corona Immunitas

Das Wort hat Milo Puhan von der Uni Zürich. Er leitet das Forschungsprojekt Corona Immunitas, ein «Blumenstrauss aus über 40 Studien in der Schweiz», wie Puhan ausführt.

«Die Corona-Kurve liefert nur einen Teil der Antwort zur Ausbreitung des Virus. Wichtig sind auch die Anti-Körper-Studien, die sogenannte Immun-Antwort», sagt Puhan.

Schwerpunkt der Kampagne – auch über Tinder

In der Kampagne geht es um Sachen wie Abstand halten, Tracing App installieren, Quarantäne einhalten. Die neue BAG-Kampagne wird über Zeitungen, Radio, Fernsehen, im ÖV, aber auch auf Tinder gespielt.

Zudem zielt die Kampagne den Angaben zufolge insbesondere auf junge Menschen ab. Sie sollen dazu motiviert werden, im Ausgang ihre vollständigen Kontaktdaten zu hinterlassen. Dazu kommen neben den klassischen Werbemitteln und Medien auch die Dating-App Tinder und die Gamerplattform twitch.ch zum Einsatz.

«Mach's einfach»

Es spricht Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle, BAG. «Wir beobachten eine gewisse Laxheit der Bevölkerung dem Virus gegenüber». Das sei zwar verständlich nach all den Monaten der Krise. Trotzdem warnt Masserey «Die kalte Jahreszeit kommt. Es ist wichtig, dass jetzt Abstandsregeln und Hygienemassnahmen eingehalten werden.» Sie stellt in diesem Zusammenhang eine neue Kampagne vor. «Mach's einfach» heisst diese.

Jüngere Menschen

Es stecken sich vor allem jünger Menschen, wobei Kuster beobachtet, dass sich auch wieder vermehrt ältere Menschen anstecken. «Der Median betrug letzte Woche 38 Jahre» 75 Prozent der Angesteckten seien nach wie vor unter 40 Jahre.

Pressekonferenz beginnt

Stefan Kuster, Leiter übertragbare Krankheiten beim BAG, spricht: «In der vergangenen Woche verzeichneten wir 2905 Neuinfektionen. Das sind nur wenig mehr als letzte Woche. Es gab 66 Hospitalisationen in der letzten Woche, was ein leichter Rückgang zur Vorwoche entspricht» Die Todesfälle liegen konstant über zehn pro Woche. In der vergangenen Woche gab es eine Positivitätsrate von 3.9 Prozent.

«Am meisten Fälle absolut gesehen gibt es in der Waadt, Genf, Zürich. Die Reproduktionsrat ist knapp über 1, aber noch unter 1.1»

Neue Corona-Entscheidungen des Bundes

Das BAG informiert heute Donnerstag über neueste Entwicklungen in Sachen Corona-Virus. Erwartet werden Informationen zur aktuellen Lage, der Covid-19-Kampagne sowie einem schweizweiten nationalen Forschungsprogramm namens Corona Immunitas. Darüber hinaus wird vermutet, dass das BAG die Risikoliste mit neuen Staaten anpasst.

Es nehmen teil:

  • Stefan Kuster, scheidender Leiter Abteilung Übertragbare Krankheiten beim BAG
  • Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle, BAG
  • Milo Puhan, Leiter Institut für Epidemiologie an der Universität Zürich

20 Minuten tickert ab 11:30 live, die Medienkonferenz kann zudem im Stream verfolgt werden.

Drive-In-Testzentrum wird reaktiviert

Wie der Regierungsrat besser bekanntgab, wird das Drive-In-Testzentrum auf dem Bernexpo-Gelände Anfang Oktober wiedereröffnet. Der Kanton Bern weist seit einigen Wochen steigende Fallzahlen auf.

Im Kanton Bern haben sich zuletzt viele Menschen im Familienkreis, an privaten Festen und bei der Arbeit angesteckt. Das geht aus Zahlen des Kantonsarztamts hervor.

Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg rief die Bernerinnen und Berner deshalb dazu auf, die Verhaltens- und Hygieneregeln wieder konsequent anzuwenden. Am Arbeitsplatz und auch in den Pausen solle eine Maske getragen werden, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden könne.

Bern führt Maskenpflicht ab 1000 Personen ein

Im Kampf gegen steigende Coronazahlen führt der Kanton Bern die Maskenpflicht für Grossveranstaltungen ab 1000 Personen ein. Das gab die bernische Gesundheitsdirektion am Donnerstag bekannt.

Der Regierungsrat verabschiedete eine entsprechende Verordnung. Die Massnahme soll dazu führen, dass der Kanton Grossanlässe bewilligen kann. Nur wenn konsequent Masken getragen würden, könne die Anzahl übergeordneter Quarantänen stark reduziert werden.

Einzelne Veranstalter von Grossanlässen haben die Maskentragpflicht schon zuvor in Eigenregie angeordnet, beispielsweise der Fussballklub YB im Wankdorfstadion.

Das Wichtigste in Kürze

Der Kanton Zürich geht, so Regierungsrat Mario Fehr, vom Sommer- in den Wintermodus. Deshalb sind in Innenräumen von Clubs neu bis zu 300 Personen erlaubt. Dafür gibt es eine Maskenpflicht.

Prostituierte sind neu verpflichtet, die Kontaktdaten ihrer Freier zu sammeln. Bei Zuwiderhandlungen drohen Verzeigungen.

Grossanlässe werden wie geplant bewilligt, ein grosser Teil der bisher 11 eingegangenen Gesuche, vor allem im Sportbereich, konnte bereits positiv beantwortet werden.

Ende

Damit ist die Medienkonferenz beendet.