Aktualisiert 16.10.2017 15:54

Leere ReihenSo sieht die Schweizer Politik ohne Männer aus

Löscht man die Männer aus einem Bild der Bundesversammlung, lichten sich die Reihen – vor allem bei den Rechten.

von
Nikolai Thelitz
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Bei der Vereidigung des neu gewählten Bundesrats Ignazio Cassis erhoben sich die 246 Bundesparlamentarier. Was passiert, wenn man die männlichen Politiker aus dem Bild schneidet? (Fotografen, Besucher und Weibel dürfen bleiben)

Bei der Vereidigung des neu gewählten Bundesrats Ignazio Cassis erhoben sich die 246 Bundesparlamentarier. Was passiert, wenn man die männlichen Politiker aus dem Bild schneidet? (Fotografen, Besucher und Weibel dürfen bleiben)

Peter Schneider
Genau das hier. Die Reihen lichten sich stark.

Genau das hier. Die Reihen lichten sich stark.

Peter Schneider
Hier sind die Frauen hervorgehoben. Der Anteil beträgt 29 Prozent.

Hier sind die Frauen hervorgehoben. Der Anteil beträgt 29 Prozent.

Peter Schneider

Vor der Wahl von Ignazio Cassis zum Bundesrat diskutierte die Schweiz, ob nicht besser eine Frau Nachfolger von Didier Burkhalter werden sollte, immerhin sind die Frauen in der Landesregierung momentan in der Minderheit. Cassis wurde trotzdem gewählt. Bei der Vereidigung erhoben sich die 246 Bundesparlamentarier. Ein genauer Blick zeigt: Es waren vor allem Herren in Anzügen, die Cassis die Ehre erwiesen – 176 um genau zu sein. Frauen waren gerade mal 72 zugegen. Das entspricht einem Frauenanteil von 29 Prozent.

Vergleichen Sie die Vereidigung von Cassis mit und ohne Männer (hochauflösende Version hier):

Ein ähnliches Bild bietet sich bei der Vereidigung der Bundesräte nach Guy Parmelins Wahl (hochauflösende Version hier):

Die Bilder machen klar: Ohne Männer sieht es in der Schweizer Politik sehr leer aus. Im Parlament sind Frauen vor allem auf der rechten Ratsseite eine Seltenheit. Von den 74 Mitgliedern der SVP-Fraktion sind nur 13 weiblich, das sind 18 Prozent. Bei der FDP-Fraktion sind es nur 17 Prozent. Noch tiefer ist der Anteil bei der kleinen BDP-Fraktion: Unter acht Mitgliedern findet sich nur eine einzige Frau. Auch der Bundesrat ist mit fünf von sieben Mitglieder fest in Männerhand. Bei den linken Parteien hingegen sind mehr Frauen vertreten. Bei der SP-Fraktion sind sie mit 51 Prozent gar knapp in der Mehrheit, die Grünen kommen auf 46 Prozent Frauenanteil.

Ähnlich sieht es in den Chefetagen der Parteien aus. Im SVP-Parteileitungsausschuss nimmt Céline Amaudruz zusammen mit sieben Männern Einsitz. Bei der FDP ist Parteipräsidentin Petra Gössi allein mit sechs Männern im Präsidium. Anders bei der SP: Sechs Frauen und drei Männer lenken die Geschicke der Partei – die mächtigen Positionen des Parteipräsidenten und des Fraktionspräsidenten sind jedoch in der Hand von zwei Männern aus der Westschweiz.

Schaut man sich die Jungparteien an, ist auch in Zukunft nicht überall mit einer stärkeren Frauenvertretung in der Politik zu rechnen. Weder in der Parteileitung noch im erweiterten Vorstand der Jungen SVP findet sich eine Frau. Bei der Jungen BDP sitzt eine Frau im sechsköpfigen Vorstand. Mehr Frauen als bei der Mutterpartei gibt es bei den Jungfreisinnigen. Von elf Präsidiumsmitgliedern sind drei weiblich – das sind immerhin 27 Prozent, verglichen mit den 17 Prozent der Mutterpartei. Bei den Jungparteien von Mitte-Links liegt der Frauenanteil überall bei ungefähr 40 Prozent.

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