Wil SG: So sieht es in der umstrittenen Moschee aus
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Wil SGSo sieht es in der umstrittenen Moschee aus

Am Samstag eröffnet in Wil eine neue Moschee. Wegen des Minarett-Verbots hat sie keinen Turm. Im Vorfeld gab es zahlreiche Einsprachen. Ein Rundgang.

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Blick auf die Kuppel im neu gebauten Islamischen Begegnungszentrum in Wil.

Blick auf die Kuppel im neu gebauten Islamischen Begegnungszentrum in Wil.

Keystone/Gian Ehrenzeller
Die Moschee wird kommendes Wochenende eröffnet. Nach zahlreichen Einsprachen konnte schliesslich gebaut werden.

Die Moschee wird kommendes Wochenende eröffnet. Nach zahlreichen Einsprachen konnte schliesslich gebaut werden.

Keystone/Gian Ehrenzeller
Auch hier werden, wie im Islam üblich, die Schuhe vor dem Gebetsraum ausgezogen.

Auch hier werden, wie im Islam üblich, die Schuhe vor dem Gebetsraum ausgezogen.

Keystone/Gian Ehrenzeller

Am kommenden Wochenende weihen die Wiler Muslime ihre Moschee ein. Der Bau muss wegen des Minarett-Verbots ohne Turm auskommen. Imam Bekim Alimi erklärt beim Rundgang, wie das islamische Begegnungszentrum zum Symbol der Integration werden könnte. Das Vorzeigeprojekt der Wiler Muslime ist nicht ganz einfach zu finden. Das neue islamische Zentrum liegt versteckt am Ende einer Seitenstrasse nahe des Fussballstadions Bergholz.

Unter andem war der Widerstand gegen die Moschee in Wil ein Auslöser der Anti-Minarett-Initiative, die von der Schweizer Bevölkerung am 29. November 2009 angenommen wurde. Aufgrund des Minarett-Verbots mussten die Wiler Muslime ihre Baupläne anpassen.

Die Stadt Wil zählt rund 23'000 Einwohner, rund 15 Prozent davon gehören dem islamischen Glauben an und sind in einem eigenen Verein organisiert. Die meisten stammen aus Albanien und Bosnien. Nach mehreren Standortwechseln ist der Gebetsraum heute in einem Hinterhof an der Bahnlinie untergebracht.

Im November 2011 reichte der Verein für den Neubau einer islamischen Begegnungsstätte ein Baugesuch ein. Gegen das Projekt gab es Widerstand von Anwohnern und der SVP. Die rund 200 Einsprachen wurden abgewiesen. Neben Vorbehalten gegen den Islam wurden zu wenig Parkplätze und ungenügende Verkehrserschliessung kritisiert. Die Beschwerdeführer zogen den Fall erfolglos ans kantonale Baudepartement und ans Verwaltungsgericht weiter.

Mitglieder leisten Fronarbeit

Am Sonntag ist ein Tag der offenen Tür geplant. «Vorurteile kann ich – im Gegensatz zu Vorverurteilungen – verstehen. Sie sind wie eine präventive Massnahme gegenüber etwas Unbekanntem», sagt Alimi. Er ist das religiöse Oberhaupt der Moschee und der einzige Angestellte der Islamischen Gemeinschaft Wil.

Auch die Finanzierung der Moschee wurde kritisch hinterfragt. Das Geld stamme von den Vereinsmitgliedern und aus Spenden. «Wir sparen seit 1992 für eine eigene Moschee», sagt der 42-jährige Imam beim Rundgang durch den Neubau. Viele Arbeiten seien in Fronarbeit geleistet worden. Die Baukosten hätten so auf rund vier Millionen Franken gesenkt werden können.

Die 99 Fenster der Moschee symbolisierten die «99 Namen Gottes». Zentrales Element ist ein viergeschossiger Rundbau mit Kuppel, einem Aufenthaltsraum samt Küche und zwei Gebetsräumen, je einer für Männer und Frauen. Zusammen bieten sie Platz für rund 600 Gläubige. Ausserdem gibt es eine Tiefgarage mit 37 Plätzen. Die Räume sind hell, zweckmässig und mit moderner Technik ausgestattet.

Umstrittene Moschee eröffnet in Wil

Aus Platzmangel in der Moschee in Wil hat die islamische Gemeinde nun auch ein zusätzliches Begegnungszentrum errichten lassen. Es eröffnet am Samstag, 13. Mai.

Vorurteile abbauen

Zuoberst befindet sich die Zuschauertribüne. Die Moschee könne auch von Andersgläubigen besucht werden. «Das Freitaggebet halten wir seit 2004 bewusst auf Deutsch», sagt Alimi, der auch Religion unterrichtet. Ausserdem gehören Beratung und Beistand zu den Aufgaben Alimis. Es gebe viele Schweizerinnen, die mit einem Muslim verheiratet seien, die Rat bei ihm suchten.

Das islamische Begegnungszentrum soll nicht nur ein Ort des Gebets sein, sondern auch die Integration der Musliminnen und Muslime in die schweizerische Gesellschaft fördern. In den vergangenen 15 Jahren habe er über 600 Gruppen empfangen, so Alimi. Auch Weiterbildungen für Lehrer oder Polizisten gehörten zur Aufklärungsarbeit. (sda)

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