Balkan-Kriegsverbrechen: So sieht Ratko Mladic heute aus
Aktualisiert

Balkan-KriegsverbrechenSo sieht Ratko Mladic heute aus

Ratko Mladic muss heute erneut vor Gericht erscheinen. Der Untersuchungsrichter will die Vernehmung fortsetzen. Zudem sind erste Bilder des Schlächters von Srebrenica aufgetaucht.

Die serbische Zeitung «Politika» veröffentlichte das Bild rechts, das Ratko Mladic bei seiner Verhaftung zeigen soll.

Die serbische Zeitung «Politika» veröffentlichte das Bild rechts, das Ratko Mladic bei seiner Verhaftung zeigen soll.

Die Vernehmung Mladics war am Donnerstagabend abgebrochen worden, weil sich der Ex- Militärchef der bosnischen Serben als schwacher, kranker Mann präsentierte, der sich kaum mitteilen kann. Vor Gericht soll er sich zur Anklage des Kriegsverbrechertribunals in Den Haag äussern. Dann soll über seine Auslieferung entschieden werden.

Der wegen tausendfachen Mordes als Kriegsverbrecher gesuchte Mladic wurde am Donnerstag auf einem Bauernhof im Norden Serbiens gefasst. Der 68-Jährige wird unter anderem für das Massaker von Srebrenica 1995 mit rund 8000 Toten verantwortlich gemacht.

Belgrad: Reaktionen auf die Festnahme

Laut Justizministerium in Belgrad soll Mladic frühestens am kommenden Montag, spätestens am darauffolgenden Mittwoch nach Den Haag gebracht werden.

«Er ist ein Monster und Verbrecher»

Bedingung für EU-Beitritt

Ratko Mladic war mehr als 15 Jahre auf der Flucht, selbst beim Kriegsverbrechertribunal in Den Haag glaubte man zuletzt kaum noch an seine Festnahme. Nun kann dem als «Schlächter von Srebrenica» bekannten General doch noch der Prozess gemacht werden.

Die jahrelang ausbleibende Festnahme Mladics galt als eines der grössten Hindernisse bei den Bemühungen Belgrads um eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Entsprechend stellte Serbiens Präsident Boris Tadic klar, dass Belgrad nun als Gegenleistung für die Verhaftung von Mladic einen zügigen EU-Beitritt erwarte. «Ich hoffe, dass jetzt die Türen offenstehen», sagte der Präsident.

Sicherheitskräfte führen Mladic ab. (Bilder vom 26.5.2011, Quelle: AP)

Die EU und die USA lobten Serbien für die Verhaftung. Die EU forderte aber weitere Reformen vor dem Beginn von Verhandlungen über einen Beitritt des Balkanlandes.

Vom Geheimdienst aufgespürt

Im Sommer 1995 hatten serbische Soldaten nach der Eroberung der UNO-Schutzzone Srebrenica in Bosnien rund 8000 muslimische Männer und Jugendliche ermordet und in Massengräbern verscharrt. Auch die jahrelange Belagerung von Sarajevo und die vielen Toten in der bosnischen Hauptstadt werden Mladic angelastet, ebenso wie «ethnische Säuberungen» und Gräuel in Internierungslagern.

Der Geheimdienst habe Mladic beim Besuch eines Verwandten in dem Dorf Lazarevo bei Zrenjanin im Norden Serbiens verhaftet, schrieb die Tageszeitung «Blic». Berichten zufolge leistete der 68-Jährige, der unter falschem Namen lebte, keinen Widerstand.

Der Ex-General war nach Kriegsende 1995 untergetaucht. Zuletzt war in Serbien ein Kopfgeld von 10 Millionen Euro ausgesetzt, die USA hatten zusätzliche 5 Millionen Dollar für seine Ergreifung ausgelobt. (sda)

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