Ausbau Velonetz: «So sind wir in 50 Jahren noch nicht am Ziel»
Aktualisiert

Ausbau Velonetz«So sind wir in 50 Jahren noch nicht am Ziel»

Der Stadtrat will das Velowegnetz in Zürich um einen Kilometer pro Jahr verlängern. Den Grünen geht das zu langsam und die SP vermisst Velowege an Knotenpunkten.

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zed
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Das Ziel des Stadtrats: In den nächsten drei Jahren sollen drei Kilometer Velostrecken ausgebaut werden.

Das Ziel des Stadtrats: In den nächsten drei Jahren sollen drei Kilometer Velostrecken ausgebaut werden.

Gaetan Bally
Zentrale Knotenpunkte in der Stadt bleiben aber vorerst velounfreundlich.

Zentrale Knotenpunkte in der Stadt bleiben aber vorerst velounfreundlich.

Gaetan Bally
Stadtrat Filippo Leutenegger ist persönlich sehr interessiert am Ausbau der Velowege, da auch er oft mit seinem E-Bike durch Zürich radelt.

Stadtrat Filippo Leutenegger ist persönlich sehr interessiert am Ausbau der Velowege, da auch er oft mit seinem E-Bike durch Zürich radelt.

Ennio Leanza

Matthias Probst, Gemeinderat der Grünen, findet die Pläne des Stadtrats für den Ausbau der Velowege in Zürich wenig berauschend. Die Abstimmung zur Förderung des Veloverkehrs liegt nun einen Monat zurück. Damals wurde der Gegenvorschlag des Stadtrats der Initiative der Jungen Grünen, die 200 Millionen Franken für den Ausbau des Velonetzes fordert, vorgezogen. Am Dienstagmorgen präsentierte Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) die Planung für die nächsten Jahre. Bis 2025 sollen 90 Millionen der insgesamt 120 Millionen Franken für den Ausbau des Velonetzes eingesetzt werden. Die verbleibenden 30 Millionen Franken werden in Abstellanlagen investiert. Insgesamt sind für die nächsten drei Jahre drei neue Kilometer an Velostrecken eingeplant, 1,1 Kilometer davon gehen in das Velowegprojekt an der Hardturmstrasse.

Dieses Tempo ist für den grünen Politiker Probst nicht schnell genug. Er findet, dass ein Kilometer pro Jahr zu wenig Fortschritt sei. «Mit diesem Tempo sind wir in 50 Jahren noch nicht am Ziel», sagt er. Auch seien die Pläne, die präsentiert worden seien, nicht neu. Die beiden Grünen-Politiker Daniel Leupi und Ruth Genner hätten bereits den sogenannten Masterplan Velo eingeleitet. Enttäuscht, dass sich nicht die Initiative seiner Partei durchgesetzt hatte, ist Probst allerdings nicht, der Mitglied im Initiativkomitee war: «Das Problem ist nicht das Geld», sagt er, «sondern der Wille, tatsächlich etwas zu verändern.»

«Es war nichts weiter als eine Auslegeordnung»

Markus Knauss, Geschäftsführer VCS Zürich, teilt diese Meinung. «Das Tiefbauamt muss jetzt an eigenen Ideen arbeiten», sagt er. Das, was die Stimmbevölkerung unter Veloförderung verstanden habe, sei bis anhin noch nicht umgesetzt worden. «Leutenegger hat in der Pressekonferenz eine Auslegeordnung der bereits bekannten Pläne vorgenommen. Jetzt warten wir auf Neues.»

Auch die SP bemängelt in einer Mitteilung besonders, dass nach wie vor Lösungen für zentrale Knotenpunkte in der Stadt fehlen. So gebe es zum Beispiel Projekte, die an das Bellevue oder den Escher-Wyss-Platz heranführten, der Platz selbst werde aber noch ausgelassen.

Qualität ist wichtiger als Quantität

Wohlwollender gestellt ist Dave Durner, Geschäftsführer von Pro Velo des Kantons Zürich. «Uns geht es nicht nur um die Anzahl neuer Velowege, sondern auch um deren Qualität», sagt Durner. Der Kredit von 120 Millionen Franken helfe insbesondere teuren Einzelprojekten, die andernfalls noch lange nicht umgesetzt worden wären.

Für den Geschäftsführer von TCS Zürich, Reto Cavegn, ist der Ausbau des Velonetzes aber keine Bedrohung für die Autofahrer. Zwar werden einige Autofahrbahnen, beispielsweise bei der Hardturmstrasse, verschmälert, dies stelle für den Verkehr aber kein Problem dar. «Solange man keine ganzen Fahrbahnen und Parkplätze streicht, kann ich gut mit den Neuerungen leben», sagt Cavegn.

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