Überfälle in Johannesburg: So skrupellos rauben Gangster Autofahrer aus

Aktualisiert

Überfälle in JohannesburgSo skrupellos rauben Gangster Autofahrer aus

Überfälle auf Autofahrer sind in Südafrika nichts Neues. Doch nun sorgen Videos von Überwachungskameras für Aufsehen - aus der Innenstadt von Johannesburg.

Die Gangster arbeiten zügig und methodisch, der Überfall dauert nicht einmal eine Minute. Und weil es so gut lief, schlugen die Banditen im November gleich drei Mal an ein und derselben Kreuzung zu: Überwachungskameras zeichneten die dreisten Raubüberfälle auf Autofahrer auf. Zwar sind sogenannte Carjacker in Südafrika seit langem bekannt und gefürchtet, doch dass am gleichen Ort in nicht einmal zwei Wochen drei Überfälle verübt werden, überrascht selbst hartgesottene Südafrikaner.

Die im Internet kursierenden Videos zeigen, wie planvoll und raffiniert die Kriminellen vorgehen. Gleichzeitig werfen die Bilder ein Schlaglicht auf die hohe Kriminalitätsrate, die eine riesige private Sicherheitsindustrie entstehen liess, während viele an der Schlagkraft der Polizei zweifeln.

Auf den Videos ist zu erkennen, wie Bewaffnete in getrennten Autos das Zielauto ausbremsen, ausplündern, die Passagiere herausziehen und mit dem geraubten Fahrzeug im Stadtverkehr verschwinden. «Das machen sie nicht zum ersten Mal», sagt Matthew Brooks von der Sicherheitsfirma Fasda (Firearm and Self Defense Academy), deren Kameras die Überfälle am 4., 8. und 16. November aufzeichneten.

Flucht zu Fuss

Zuerst holen die Carjacker Taschen voller Geld aus dem Auto, bevor sie die Passagiere herauszerren. «Zunächst wollen sie sie gar nicht aus dem Auto haben, sie machen sich mehr Sorgen um die Taschen», kommentiert Brooks das Video. «Und schauen Sie, dieser Kerl, der eine Frau aus dem Auto zieht, hat sogar noch Zeit und Musse zu denken: «Diese Lady hängt am Gurt» - und befreit ihren Fuss.

Überfall in Johannesburg (YouTube)

In einem anderen Video erbeuten mindestens sechs Verdächtige Tausende Dollar aus einem gestoppten Fahrzeug. Dann flüchten zwei zu Fuss, wobei einer sogar noch anhält, um seine Kappe von der Strasse aufzuheben. Ein Komplize bleibt vor Ort, offensichtlich um die Reaktion der Polizei abzuschätzen. In einem dritten Video ist zu sehen, wie ein Opfer geistesgegenwärtig das Steuer herumreisst und davonrast, als Carjacker versuchen, ihm mit ihrem Wagen den Weg abzuschneiden. Was die Kameras nicht aufzeichneten: Kurze Zeit später holen die Kriminellen den Mann ein und schiessen auf ihn, schliesslich entkommen sie mit einer Tasche voll Geld. Dem Opfer gelingt die Flucht, im Auto versteckte Diamanten kann er retten.

Die Gegend, in der die Carjacker die Autos angreifen, liegt nicht weit von den Wolkenkratzern der Johannesburger Innenstadt, aus der schon vor Jahrzehnten Ladengeschäfte in wohlhabende, sicherere Vororte abwanderten. Im Zuge eines Sanierungsprojekts etablieren sich jedoch inzwischen Kunstgalerien, Kleiderläden und schicke Restaurants in manchen Strassenzügen. Nur ein paar Blocks weiter liegt die Maboneng-Fussgängerzone in einem aufstrebenden Viertel. Die Kreuzung selbst wird flankiert von den Fasda-Büros, dem «Sportsman's Pub», einem jahrhundertealten Feuerwehrturm und einer Schule mit Spielplatz. «Keine Toilette mehr für dich», heisst es auf einem Schild am zugenagelten Eingang eines Gebäudes mit Stacheldrahtzaun.

Auf Opfer lauernd

Laut Brooks hatten die Kriminellen ihren Opfern in allen drei Fällen an Geschäften oder Einkaufszentren aufgelauert und sie bis an die Kreuzung verfolgt. Sie hatten es vor allem auf das Geld oder die Wertsachen abgesehen und nicht so sehr auf die Autos, wenngleich sie in zwei Fällen auch die Fahrzeuge erbeuteten.

Die Polizei nahm nach eigenen Angaben inzwischen vier Verdächtige fest und fand auch gestohlene Autos wieder. Kritiker werfen den Behörden jedoch vor, sie seien erst tätig geworden, als die CCTV-Videos im Internet für Aufsehen sorgten. Die Sicherheitsfirma Fasda erklärt, viele Opfer brächten die Verbrechen gar nicht zur Anzeige, weil sie nicht erwarteten, dass die Polizei der Sache nachgehe.

Im vergangenen Jahrzehnt sank die Kriminalitätsrate in Südafrika nach Polizeiangaben erheblich. Nach Einschätzung mancher Beobachter beginnt jedoch die Zahl der Morde und anderer Gewaltverbrechen wieder zu steigen. (sda)

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